Liu Jia zieht der nächsten Verteidigerin den Nerv
Tischtennis-Routinier Liu Jia hat ihren Siegeszug bei den Olympischen Spielen in Tokio auch in Runde zwei fortgesetzt. Wie in der ersten Runde gab die 39-Jährige einer Verteidigerin das Nachsehen, auf den Erfolg gegen die Ukrainerin Ganna Gaponowa folgte am Montag gegen die für das Russische Olympische Komitee (ROC) antretende Polina Michailowa ein 4:3 (-8,-7,8,5,6,-8,5)-Sieg. Für Daniel Habesohn war in der dritten Runde hingegen Endstation.
Der Wiener unterlag dem Portugiesen Marcos Freitas in einer sehenswerten Partie 3:4 (-7,3,-7,-6,11,2,-3). Am Vortag hatte er sein Auftaktmatch gegen Chew Zhe Yu aus Singapur 4:1 gewonnen. Gegen Freitas hatte er nach dem Satzausgleich zum 1:1 vorerst klar das Nachsehen, wehrte jedoch im fünften Satz einige Matchbälle ab und schaffte es in Folge in einen Entscheidungssatz. Da startete der Iberer allerdings stärker, dieses Manko konnte Österreichs Nummer zwei nicht wettmachen.
Davor hatte Liu wie gegen Gaponowa etwas Zeit gebraucht, um gegen die Abwehrspielerin das richtige Rezept zu finden. Die ersten beiden Sätze gingen recht klar verloren, aber ab da übernahm die sechsfache Olympia-Teilnehmerin das Kommando und ging in Sätzen 3:2 in Front. Im sechsten Durchgang ging es eine Zeit lang Kopf an Kopf, ehe Michailowa mit ein paar Punkten in Folge die Vorentscheidung zum 3:3 schaffte. So musste Satz sieben entscheiden, in dem sich Liu rasch ab- und auch durchsetzte.
Danach schnaufte sie einmal durch. „Sie ist sicher nicht meine Lieblingsgegnerin, aber ich habe heute meine eigene Angst überwunden“, sagte die Linz-Froschberg-Spielerin. Sie habe kein wirkliches Konzept gegen die 34-Jährige aus St. Petersburg gehabt, nur gewusst, dass sie mehr angreifen als schupfen sollte. „Das habe ich geschafft, aber manchmal hat der Kopf auch versagt. Ich wollte immer sicher spielen und die Gelegenheit suchen. Ich habe nur gewusst, ich muss dranbleiben.“
Karl Jindrak, Sportdirektor des Österreichischen Verbandes (ÖTTV), war von der Leistung von Liu Jia begeistert. „Michailowa ist nicht ihre Traumgegnerin und nach 0:2-Satzrückstand hätte ich nicht gedacht, dass sie das noch gewinnt.“ Ab dem dritten Satz habe Liu aber mehr über die Mitte als über die Ecken gespielt. „Dann hat sie weniger Fehler gemacht, ist sicherer geworden, hat auch die Angriffsbälle gut retourniert.“
Nach drei Erfolgen en suite geht es für Liu am Dienstag gegen Adriana Diaz aus Puerto Rico ums Achtelfinale. Die 20-Jährige sei sicher eines der angenehmeren Drittrundenlose, meinte Jindrak. Noch am Montag war Sofia Polcanova in ihrem Auftaktmatch gegen die Inderin Nanika Batra im Drittrunden-Einsatz.
(APA)
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