Lustenau hofft auf Turnaround im „Sechs-Punkte-Spiel“ gegen Hartberg

Die 15. Runde der Admiral Bundesliga wartet speziell für zwei Mannschaften aus der unteren Tabellenregion mit einem richtungsweisenden Duell auf. Am kommenden Samstag um 17:00 Uhr lautet das Aufeinandertreffen in der Profertil Arena in Hartberg: Tabellenschlusslicht gegen Tabellenzehnten (ab 16 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport Austria 3 – streame das Spiel mit dem SkyX-Traumpass).

Lässt man die vergangenen zehn Runden Revue passieren, so haben die Teams aus Hartberg und Lustenau mehr gemeinsam als ihnen wohl lieb ist: Das Team von Klaus Schmidt aus der Steiermark und die Mannen um Markus Mader aus dem Ländle sind die derzeit formschwächsten Teams der Liga. Sie konnten in den vergangenen zehn Runden lediglich sieben Zähler verbuchen und stellten in diesem Zeitraum mit „minus 11“ die schlechteste Tordifferenz der Liga. Die Grün-Weißen aus Lustenau sind gar seit neun Runden sieglos. Es wartet das Aufeinandertreffen des Vorletzten der Heimtabelle gegen das zweitschwächste Auswärtsteam der Liga – in den Augen vieler Fußballromantiker ein wortwörtliches „Sechs-Punkte-Spiel“ eben und gleichzeitig eine riesige Gelegenheit, das Momentum wieder auf seine Seite zu lenken.

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„Statistiken lügen nicht“: Und doch wird beim differenzierteren Blick hinter die Fassaden klar, dass sich beide Teams voneinander unterscheiden: Während Hartberg zuletzt drei Niederlagen en suite bei nur einem erzielten Tor einstecken musste, zeigte die Austria in den vergangenen beiden Runden mit zwei Remis ein anderes Gesicht. Die Formkurve relativiert zumindest bei einem Team die negativen Statistiken und zeigt nach oben. Und doch wollen beide Kontrahenten im direkten Duell den vielzitierten Turnaround herbeiführen. Sky Reporter Eric Niederseer beleuchtet im Doppel-Interview mit Lustenau-Schlussmann Domenik Schierl und Trainer Markus Mader die aktuelle Stimmungslage und die Brisanz des Duells gegen Hartberg.

Hartberg wird Lustenau „nicht noch einmal auf die leichte Schulter nehmen“

Sky: „Rückblickend auf das erste Spiel gegen Hartberg: Was war der Schlüssel zum Erfolg für den damaligen Heimsieg?“

Markus Mader: „Das hatte sicher damit zu tun, dass uns Hartberg etwas auf die leichte Schulter genommen hat, sie damals früh geführt und sich danach in Sicherheit gewogen haben. Der Doppelschlag vor der Pause tat ihnen dann sehr weh und sie haben sich bis Ende des Spiels nicht mehr richtig davon erholt. Das wird am Wochenende anders sein, sie werden uns nicht noch einmal unterschätzen.“

„Ein kurzer Abstecher zum vergangenen Samstag: Minute 100 gegen den SK Rapid Wien. Zeitgleich auch der späteste Treffer der Bundesliga-Geschichte seit Datenerfassung: Welche Emotionen gingen Ihnen beiden nach dem bitteren Ausgang des Spiels durch den Kopf?“

Domenik Schierl: „Nach dem Abpfiff war es ganz, ganz schwierig. Wir waren komplett enttäuscht. Ich hätte in der Kabine wie so schön gesagt ‚kotzen können‘. Keiner von uns hat gewusst, was er mit seinen Gefühlen anfangen soll.“

Markus Mader: „In den ersten Minuten war ich extrem sauer, in erster Linie auf den Schiedsrichter, der grundlos die doppelte Nachspielzeit laufen ließ und sicherlich heute noch keine Begründung dafür hat. Nach 15 Minuten habe ich mich aber gefangen und der Stolz auf die Leistung meines Teams kehrte ein. Die Gefühlswelt änderte sich am nächsten Tag erneut: Ich war glücklich, da mir bewusst wurde, dass es auch in eine andere Richtung gehen hätte können. Und nochmals drei Tage später, als ich die Gegentore analysiert habe, ist mir klar geworden, dass wir selber daran schuld waren. Wir haben einfache Fehler gemacht, das darf nicht passieren. Wir hatten großen Anteil, dass der Gegner zu leicht Tore erzielen konnte!“

Keine Schönrederei und knallharte Analysen bei Grün-Weiß

„Wie schwer fiel es, die Kollegen bzw. die Mannschaft nach diesem herben Nackenschlag wieder aufzurichten?“

Domenik Schierl: „Für mich persönlich war es kein Rückschlag. Spätestens ab dem Dienstagtraining war das Thema in allen Köpfen komplett abgeschlossen. Auch wenn ich noch manchmal ans Spiel denke, dann sind es ausschließlich positive Gefühle. Alleine, wenn man die Trainingswoche gesehen hat, hat man gemerkt, dass es gar nicht mehr in den Hinterköpfen der Spieler steckt.“

Markus Mader: „Man muss grundsätzlich das Positive sehen: Trotz der Turbulenzen, die sie haben, war es immer noch Rapid – eine richtig große Nummer. Wir haben geschafft, in zwei Spielen gegen sie nicht zu verlieren. Das ist eine sensationelle Leistung! Außerdem haben wir in puncto Mentalität, Leidenschaft und Zweikampfwille wieder einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Dennoch dürfen wir nicht schönreden, dass Einiges nicht gepasst hat. Wir haben lobende Worte gefunden, das Spiel aber auch knallhart analysiert und die Fehler angesprochen. Vielleicht waren einige der Spieler ob meiner harten Worte auch überrascht. Ich habe danach aber eine brutale Reaktion im Training gesehen. Man sieht, dass das Team gewillt ist, zu lernen und Gas zu geben.“

Zwei Spiele bis zur Pause, in denen Lustenau punkten „muss und auch wird“

„Nur zwei Punkte aus den abgelaufenen neun Spielen – Was gibt Ihnen, trotz dieser Statistik, Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben?“

Domenik Schierl: „In den letzten beiden Spielen haben wir super Leistungen gezeigt. Speziell gegen Ried ist fast alles aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben unser großes Ziel geschafft, die Null zu halten. Auch in der letzten Partie haben wir mit viel Leidenschaft und Kampf agiert und unsere Stärke des Umschaltspiels genutzt. Wir können viel Positives daraus ziehen und gestärkt ins Spiel gegen Hartberg gehen.“

Markus Mader: „Auf jeden Fall der Blick auf die Tabelle. Obwohl wir seit 9 Runden keinen vollen Erfolg verzeichnen konnten, sind wir nicht Letzter. Man sieht, dass die Liga, mit Ausnahme der vorderen Plätze, ganz ganz eng ist. Man sieht, dass wir trotz der langen Durstrecke noch voll dabei sind, das stimmt mich optimistisch. Wir haben uns das große Ziel gesteckt, in den letzten vier Spielen so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Es sind noch zwei Spiele, wo der eine oder andere Punkt dazukommen muss und auch wird!“

„Wann sollen wir denn sonst gewinnen, wenn nicht gegen den Aufsteiger?“

„Nun zum kommenden Spiel: Wie sehen Sie die Ausgangslage vor diesem, für beide Seiten besonders wichtigen Duell?“

Domenik Schierl: „Es wird ein sehr enges Spiel und mit Sicherheit sehr schwierig. Das haben wir bereits im Hinspiel gesehen. Auch wenn es bei Hartberg gerade nicht so läuft, sind sie eine gute Bundesliga-Mannschaft. Aber wenn wir unsere Stärken auf den Platz bringen und mit der Leidenschaft ans Werk gehen, wie wir es in den letzten Spielen gezeigt haben, bin ich überzeugt, dass wir drei Punkte mitnehmen.“

Markus Mader: „Sehr ausgeglichen, weil ich denke, dass zwei Mannschaften auf Augenhöhe aufeinandertreffen. Wobei ich glaube, dass Hartberg aufgrund der Tabellensituation sagen wird ‚Wann sollen wir denn sonst gewinnen, wenn nicht gegen den Aufsteiger‘? Gegen die Aufsteiger, die in den letzten Wochen mehr oder minder durchgereicht worden sind. Sie werden sich sagen, dass wir genau der richtige Gegner sind, um zurück in die Erfolgsspur zu kommen. Deswegen sind wir gewarnt. Wir sind sehr positiv, da wir in den letzten zwei Partien einen Aufwärtstrend hatten, was Aggressivität, Leidenschaft und Bereitschaft betrifft – und an unsere ersten Saisonleistungen wieder anknüpfen konnten.“

„Verspürt man im Team Druck vor den kommenden zwei Runden?“

Domenik Schierl: „Lediglich positiven Druck. Es warten zwei geile Spiele, Hartberg auswärts ist bereits sehr wichtig für uns. Zum krönenden Abschluss gibt es dann natürlich das Derby gegen Altach. Es ist ein positiver Druck, weil wir wissen, dass es um Vieles geht. Diese Situation beflügelt uns mehr als sie uns hemmt!“.

„Wie wichtig ist dieses Aufeinandertreffen auch im Hinblick auf die Ausgangsposition vor dem Ländle-Derby in einer Woche?“

Markus Mader: „Das hat mit dem Derby gar nichts zu tun. Es sind jetzt extrem wichtige Punkte, die wir sammeln müssen. Natürlich ist ein Erfolgserlebnis immer beflügelnd, aber das Derby ist, Stand heute, für uns völlig uninteressant. Wir möchten und müssen Punkte sammeln und am Samstag steht ein extrem wichtiges Spiel an. Das Derby ist gar nicht in unseren Köpfen.“

Vorarlberger wollen letzte Energien vor Winterpause bündeln

„Die lange Winterpause steht kurz vor der Türe – Gestaltet es sich schwierig, den Fokus in den kommenden zwei Wochen hochzuhalten?“

Domenik Schierl: „Nein. Ich habe das Gefühl, wir sind noch voll im Flow. Für mich ist es fast zu schnell gegangen, auf einmal sind es nur mehr zwei Spiele. Wir müssen jetzt die letzte volle Energie reinhauen und dann haben wir lange Zeit, um uns zu erholen!“

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Artikelbild: GEPA