Make your Move #22: “Die Halle fehlt mir schon”

von Gerfried Pröll

Markus Pinezich ist erst 31 Jahre alt. Er ist der jüngste Headcoach in der Admiral Basketball Superliga. Und er gehört während der Corona-Krise zur Gruppe mit dem höchsten Risiko. Denn Markus Pinezich leidet seit Geburt an der seltenen Auto-Immunerkrankung ALPS.

Mit 23 Jahren musste ihm die Milz entfernt werden, mit 26 musste er nach einem septischen Schock seine Karriere als Spieler beenden. „Ich muss derzeit besonders vorsichtig sein. Ich gehe nicht einmal einkaufen!“ Pinezich stammt aus Mattersburg, lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern mittlerweile aber in Felixdorf in Niederösterreich. Und von dort bewegt er sich derzeit auch nicht weg. „Langsam wird’s zach. Vor allem die tägliche Arbeit mit den Spielern in der Halle fehlt mir schon.“

Markus Pinezich (li.) im Jahr 2013 bei UBC St. Pölten. Foto: GEPA pictures

Das verwundert nicht. Markus ist ein Basketball-Besessener. Im besten Sinne. Am Beginn seiner Trainer-Laufbahn noch geprägt von Vater Christoph (war selbst Spieler und Coach) und Teamchef Raoul Korner (kennt er seit seiner Kindheit), hat Pinezich mittlerweile seine eigene Basketball-Philosophie entwickelt und diese auch niedergeschrieben. „Ich nutze jetzt die Zeit, um sie zu aktualisieren. Und um neue Wege zu finden, diese Philosophie in die Praxis umzusetzen.“ Pinezich ist ein akribischer Arbeiter, der nie stehen bleiben möchte. „Ich lerne gerade kroatisch. Das kann gerade in der Basketball-Szene nicht schaden.“ Abgesehen davon kehrt er damit auch zu seinen Wurzeln zurück. „Wie der Name Pinezich schon verrät, stamme ich aus einer burgenländisch-kroatischen Familie.“

Make your Move #21: Gute Pässe, gute Laune

Nach seiner Zeit als Assistant Coach in Gmunden hat Markus am Beginn der abgelaufenen Saison zunächst als U19-Trainer in Traiskirchen gearbeitet. Und dabei entdeckt, dass die Lions über ein großes Potenzial an vielversprechenden Nachwuchsspielern in allen Alterskategorien verfügen. „Was die Brüder Paul und Albert Handler da in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, ist einzigartig. Jetzt gilt es, ein Talent nach dem anderen ans Superliga-Team heranzuführen“, sprüht Pinezich vor Tatendrang. Dabei ist es noch lange nicht sicher, ob er Headcoach der Lions bleibt. Wie in der gesamten Liga sind die Folgen der Corona-Krise auch in Traiskirchen nicht absehbar. Gerade die Existenz von kleineren Vereinen wie den Lions ist gefährdet.

Markus Pinezich würde gerne die Chance bekommen, sich erstmals selbst ein Team als Headcoach zusammen zu stellen. Als er Mitte Dezember das Amt von Zoran Kostic übernommen hatte, war er ja gezwungen, mit dem vorhandenen Kader zu arbeiten. Und das hat alles andere als gut funktioniert. „Auf Basis des Vorjahrsbudgets habe ich Obmann Ernst Nemeth jetzt einmal ein Konzept vorgelegt. Da spielt die Eingliederung von U19-Spielern eine große Rolle“, sieht Pinezich in der wirtschaftlichen Unsicherheit sogar eine Chance. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Headcoach möchte er weiterhin individuell mit Talenten arbeiten. Und das so schnell wie möglich. „Da sind wir eh nur zu zweit auf dem Court. Wir halten den vorgeschriebenen Abstand ein“, so Pinezich augenzwinkernd.

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Beitragsbild: Traiskirchen Lions