Make your Move #24: “Das Seuchenjahr”

von Gerfried Pröll

Lange hat es gedauert. Sehr lange. Aber am Ende hat es dann doch funktioniert. Unmittelbar vor dem Abbruch der Meisterschaft hatte der UBSC Graz ein Team gefunden, das auf die Siegerstraße eingebogen ist. Aber ausgerechnet dann, als einige Fans schon mit einer Sensation im Viertelfinale zu liebäugeln begannen, hat ein Virus alle Hoffnungen mit einem Schlag beendet.

Apropos Virus: Der Grazer Flügelspieler Deontae North kommt aus der kalifornischen Stadt Corona. Passt irgendwie zum Seuchenjahr des UBSC. Negativer Höhepunkt: Der Verdacht auf Wettbetrug durch fünf Grazer Legionäre, den der Verein selbst im Jänner zur Anzeige gebracht hat.

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General Manager Michael Fuchs schüttelt auch zweieinhalb Monate später noch immer den Kopf. „Wenn du soviel Zeit, Geld und Nerven investierst – und dann weiß ein Großteil der Mannschaft schon vor dem Spiel wie es ausgeht, ist das schon sehr bitter.“ Vier der fünf mutmaßlichen Betrüger sind mittlerweile auf Kaution frei, einer sitzt noch immer in Untersuchungshaft. „Meines Wissens nach aber nicht wegen der Schwere des Deliktes, sondern weil sich niemand aus seinem Umfeld die Kaution leisten kann. Wäre ich kein direkt Betroffener, hätte ich fast schon ein wenig Mitgefühl. Aber ihm zu helfen ginge dann doch deutlich zu weit“, sagt Michael Fuchs.

Einen dauerhaften Schaden für den Klub hat der Wettskandal seiner Meinung nach nicht angerichtet. „Nein, der Schaden durch die Corona-Krise ist viel größer. Deshalb sind wir jetzt schon voll im Einsatz, um unsere Sponsoren bei der Stange zu halten. Unter anderem mit einem neuen Image-Video“, erzählt Fuchs von seiner Arbeit. Einer dieser Sponsoren wird auch in der kommenden Saison Harald Fischl sein, Sportdirektor des UBSC bleibt Karl Sommer. „Karl leistet wertvolle Arbeit, er ist in jede Entscheidung voll eingebunden“, so Fuchs. Ob Ervin Dragsic Headcoach bleibt, ist hingegen noch nicht fix. „Ervin ist jedenfalls unser erster Ansprechpartner. Die schlechten Resultate im Grunddurchgang erscheinen ja durch den mutmaßlichen Betrug in einem völlig anderen Licht.“

Auch das Team des UBSC soll weitgehend unverändert bleiben. „Wir wollen wenn möglich an der Mannschaft festhalten, die sich in der Qualifikationsrunde bewährt hat“, sagt Fuchs. Das Grundgerüst wäre dann also: Der „Quoten-Grazer“ Anton Maresch, der Litauer Povilas Gaidys sowie die US-Amerikaner Whittaker, Ledoux, North, Pollard und Daniel. Vorausgesetzt natürlich, die Spieler aus den Staaten dürfen nach der Corona-Krise im August wieder nach Österreich einreisen. Das steht leider noch in den Sternen. Das internationale Turnier, das der UBSC im August im Sportpark Graz veranstalten wollte, ist jedenfalls schon auf 2021 verschoben worden. Für heuer hatte es Interesse von Maccabi Tel Aviv, Roter Stern Belgrad und Bayern München gegeben. Schade.

Artikelbild: GEPA