Manuel Feller: Österreichs Nummer eins ohne Weltcupsieg

via Sky Sport Austria

Ohne einzigen Weltcupsieg und doch als Österreichs Nummer eins im Riesentorlauf ist Ski-Ass Manuel Feller nach Sölden gereist. Den Staffelstab von Marcel Hirscher will der werdende Papa nicht aufheben, auch wenn durch den Rücktritt des Branchenprimus Ressourcen für ihn frei geworden sind. Feller plant Teamplayer mit Ecken und Kanten zu bleiben.

“Ich bleibe bei meinen Schuhen”, bekannte Feller vor dem ersten Rennen der neuen Saison am Sonntag. “Das sind zu große Fußstapfen, in die ich treten soll. Was er die letzten Jahre gezeigt hat, wird sowieso nie wieder jemand zeigen.” Gemeint war, wenig überraschend, der zurückgetretene Überflieger Hirscher – die Skination ist auf der Suche nach einem Nachfolger.

An den Ergebnissen gemessen, drängen sich Vergleiche zwischen beiden nicht auf. Fellers Popularität fuhr seinen Erfolgen bisher davon. Erst viermal (drei zweite Plätze) stand der 27-Jährige im Weltcup auf dem Podest, die Riesentorlauf-Wertung der vergangenen Saison weist ihn auf Rang 14 aus. Aufs Stockerl war im Vorjahr in dieser Disziplin aus Österreich nur Hirscher gefahren.

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Feller sagt auch jetzt: “Vom Starthaus bis ins Ziel ändert sich für mich nichts.” Vielleicht aber davor. Denn obwohl er noch kein Sieger ist, steht er in der Hackordnung der österreichischen Technik-Spezialisten nun gemeinsam mit Marco Schwarz ganz oben. “Das ist natürlich ein Vorteil”, räumte Feller ein, “Marcel war die Nummer eins und wenn es geheißen hat: ‘Wir wollen bei dem einen Ski noch etwas geändert haben’, dann ist die Skipresse natürlich für ihn belegt gewesen. Wir hatten dann eine oder zwei Wochen später diese Möglichkeit. Jetzt ist die Möglichkeit da, dass der Blacky (Anm., Schwarz) und ich im technischen Bereich die Nummer eins sind.”

Eine Ein-Mann-Trainingsgruppe sei seine Sache nicht. “Ich möchte mein Team um mich herum haben, ich möchte auch Athleten um mich herum haben, mit denen ich über Sachen abseits vom Skisport reden kann, ein bisschen Halligalli-Quatschen.” Er vermutet große Gegner im eigenen Stall. “Wenn ich die schlage, bin ich auf der ganzen Welt konkurrenzfähig.”

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Mit seinem so schnellen, aber zu Ausfällen verleitenden Schwung und kernigen Sprüchen ist Feller zur Marke geworden. Social Media sieht er als “Fluch und Segen” zugleich. “Weil du die ständige Ablenkung und gewisse Sachen hast, die du vermarkten musst. Andererseits bin das hundertprozentig genau ich. Über diese Seite hat kein anderer Zugriff.” Dass Athleten im Sommer kaum mehr “mit einem Bier irgendwo sitzen” können, reiht er in der Kategorie “Fluch” ein.

Dabei ist Feller sich “einer gewissen Vorbildwirkung” wohl bewusst. Anfang November wird er erstmals Vater, sein Leben wird zwangsläufig von mehr Verantwortung geprägt sein. Dass früher manch Lehrer über den Spaßvogel sagte: “Aus dem wird nie was”, brannte sich ein. “Ich habe mir schon damals gedacht: Du sieht nur das, was ich will, dass du siehst.” Diese Taktik habe er beibehalten. “Ich habe meinen Plan und weiß, was ich will.” Vielleicht deckt Feller seine Karten heuer endgültig auf.

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(APA)