Matthäus: „Terzic-Taktik passt nicht zur DNA der Borussia“

Die Leistungen von Borussia Dortmund in der laufenden Bundesligasaison passen nicht zu den Ansprüchen des Vizemeisters. Sky-Experte Lothar Matthäus erklärt in seiner Kolumne „So sehe ich das“ bei Sky Sport, was jetzt beim BVB passieren muss.

In der gesamten bisherigen Bundesligasaison haben die Leistungen von Borussia Dortmund nicht gestimmt. Nachdem die Dortmunder in der zweiten Saisonhälfte der vergangenen Saison überragende Spiele gemacht hatten und auch mit dem Druck fertig wurden, hat mich der BVB in dieser Saison überhaupt noch nicht überzeugt.

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BVB-Profis kommen nicht mehr an ihre Grenzen

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Probleme allein am Weggang von Jude Bellingham liegen. Von den einzelnen Spielern her sind die Dortmunder gut aufgestellt, aber irgendwo passt es nicht mehr. Profis, die in der vergangenen Saison überragend gespielt haben, kommen nicht mehr an ihre Grenzen. Emre Can ist verletzt, Julian Brandt lässt sein Können ab und zu durchschimmern, aber auch seine Leistungen sind nicht konstant.

Was genau mit der Mannschaft passiert ist, kann ich von außen nicht beurteilen. Ich weiß nicht, wie die Atmosphäre in der Kabine ist oder wie das Verhältnis zwischen den Spielern und dem Trainer ist.

Gegen Newcastle hat man ihre Qualität gesehen und die Dortmunder haben aus den beiden Spielen sechs Punkte geholt, aber in der Bundesliga bleiben sie hinter den Erwartungen zurück. Wenn ihr Ziel ein Champions-League-Platz ist, sind sie immer noch in der Verlosung, aber ich glaube, dass sie gerade nach der letzten Rückrunde mit der verpassten Meisterschaft höhere Ambitionen hatten. Edin Terzic hat selbst gesagt, man wolle Pokale am Borsigplatz hochalten.

Die Mannschaft ist verunsichert

Der Rückstand auf die Plätze eins und zwei beträgt jetzt schon zehn, bzw. acht Punkte. Von daher sollte man sich jetzt fragen: Wie kriegen wir die Probleme in den Griff? Wie schaffen wir es, dass wir nicht nur Punkte holen, sondern vor allem auch sportlich überzeugen?

Das Können und die Qualität sind vorhanden. Sie haben einen Torjäger, schnelle Außenspieler wie Adeyemi und Malen und gute Mittelfeldspieler wie Brandt, Nmecha oder Can – das sind alles Nationalspieler. Man hat Geschwindigkeit, Erfahrung, Zweikampfstärke – die Mannschaft kann ganz sicher anders performen, aber sie ist verunsichert.

Terzic-Taktik passt nicht zur DNA der Borussia

Warum hat man gegen Bayern so abwartend gespielt? Wenn sie mal mutig nach vorne gespielt haben, hat es phasenweise ordentlich ausgesehen. Man kann nicht gegen Bayern – und auch in Stuttgart – nur defensiv denkend spielen. Das ist nicht die DNA dieser Mannschaft.

Gegen Bayern standen fünf, sechs Offensivspieler auf dem Platz, aber Edin Terzic hat entschieden, kompakt hinten zu stehen und nach Ballgewinn schnell umzuschalten. Mit dieser Taktik hatten sich die Dortmunder ein bisschen angefreundet, mit ihr hatten bis zum Bayern-Spiel zumindest die Ergebnisse gestimmt. Aber den Erlebnisfußball, den man von Dortmund gewohnt war, spielen sie zurzeit nicht.

Dass muss jetzt in Dortmund passieren

Zu meiner Zeit gab es, wenn es mal nicht lief, Teamsitzungen, auch mal ohne den Trainer und nur zwischen den Führungsspielern, in denen man sich gegenseitig wachgerüttelt hat. Klartext reden, sich einmal alles an den Kopf werfen, das ist es, was jetzt passieren muss.

Die Dortmunder sind noch im Pokal dabei und haben alle Chancen, in der Champions League zu überwintern. Deswegen gehe ich nicht davon aus, dass der Trainer unter Druck steht. Aber wenn die Ergebnisse und die Leistungen über längere Zeit nicht stimmen, kommen automatisch Diskussionen von außen. Wichtig ist, dass man intern offen und ehrlich miteinander umgeht und weiß, was falsch gemacht wird und was man besser machen muss.

(skysport.de) / Bild: Imago