Matthias Brändle und Marco Haller im Exklusiv-Interview mit Sky Sport News HD

via Sky Sport News HD

Wien, 13. Juli 2015. Die beiden österreichischen Tour de France-Debütanten Matthias Brändle (IAM Cycling) und Marco Haller (Team Katusha) ziehen im Sky Sport News HD-Interview ihre erste Tour-Zwischenbilanz . Hier die Aussagen der beiden 26-jährigen Athleten im Überblick.

Matthias Brändle und Marco Haller über ihr Tour-Debüt

Matthias Brändle: „Ich bin super in die Tour gestartet, Platz 7 im Prolog, das war ein starkes Ausrufezeichen. Ich habe mir die Top Ten vorgenommen, jetzt Platz 7, ich bin sehr zufrieden. Danach haben mich die Etappen ein bißchen geschockt, wie stressig es zugegangen ist, wieviel Stürze waren, es gab keinen sicheren Platz im Feld. Es waren vorne Stürze, links, rechts, auch ich bin zweimal gestürzt, aber ich bin relativ gut davongekommen, Wenn man andere Fahrer ansieht, die mit Knochenbrüchen und schweren Verletzungen heimgehen mussten.“

„Ich selber bin ruhig geblieben, habe versucht kein Risiko einzugehen, hab mich nicht auf unnötige Positionskämpfe eingelassen. Ich bin ja kein Fahrer, der in der Gesamtwertung ganz vorne fahren muss. Wenn es gefährlich wurde, hab ich ein bißchen Platz gelassen und bin eher hinten im Feld gefahren.“

Marco Haller: „Persönlich muss ich leider sagen, dass nicht das zeigen konnte, was ich momentan drauf habe. Das ist nicht zuletzt auf den Sturz zurück zu führen, der mich doch viel mehr gehandicapt hat als ich es mir erhofft hatte. Ich lämpfe ehrlich gesagt immer noch mit dem rechten Handgelenk, das sehr sehr stark geprellt war, aber nichtsdestotrotz gehören wir zu den Mannschaften, die bereits einen Etappensieg haben – deswegen dürfen wir auf keinen Fall unzufrieden sein.

Matthias Brändle und Marco Haller zur morgigen Berg-Etappe

Matthias Brändle: „Bei den Bergetappen möchte ich gerne in eine Spitzengruppe kommen. Es könnten 2-3 Etappen kommen bis zum zweiten Ruhetag, wo die Chancen relativ gut stehen.“

Marco Haller: „Es ist natürlich nicht mein Terrain. Umso mehr tut es mir natürlich leid, dass ich in der ersten Woche und eigentlich noch immer mit der Verletzung zu kämpfen hatte. ich habe bei denen Etappen für die ich ins Team gerückt bin nicht das zeigen können was das Team von mir erwartet hat. Unser Team wird sich jetzt bei den ganz schweren Bergetappen natürlich auf Joaquin Rodriguez konzentrieren und wir hoffen natürlich, dass er sich noch das ein oder andere Mal präsentieren kann und vielleicht gelingt ja noch ein weiterer Etappensieg. Für mich persönlich gilt es jetzt auf der einen Seite ihn zu unterstützen, aber auf der anderen Seite auch kräfteschonend zu fahren, weil es kommen vor Paris noch ein, zwei Möglichkeiten, um für Alexander Kristoff den Sprint vorzubereiten und das wäre dann auch das, wo ich wieder gefragt wäre.“

Matthias Brändle und Marco Haller über Gesamtführer Chris Froome

Matthias Brändle: „Was ich bisher mitbekommen habe, die stärksten sind derzeit Quintana und Froome. Es wird auf einen Zweikampf zwischen den beiden hinauslaufen.“

Marco Haller: „Ich glaube, es könnte wirklich zur spannendsten Tour seit einiger Zeit werden. Wir haben mit Quintana, mit Contador, Froome, Nibali oder irgendein Außenseiter und  Joaquin Rodriguez wird sich sicher auch nicht so leicht geschlagen geben. Es ist meiner Meinung nach eine sehr offene, eine sehr spannende Tour, es ist bei WEitem noch nichts entschieden.  Die schweren Königsetappen kommen erst noch, deshalb wäre es sinnlos, sich auf jemanden festzulegen. Dass Chris Froome mit seiner Sky-Mannschaft eine super Show bietet bisher steht außer Frage, aber es kann natürlich auch sein, dass ein Team wie BMC, das ja sehr smart gefahren ist in den ersten Tagen. Die haben gezeigt, dass sie auch eine irrsinnige Power in der Mannschaft haben. Ich persönlich habe mich noch auf keinen Favoriten festgelegt, ich denke es wird eine sehr offene und spannende Tour werden.“

Matthias Brändle zu IAM-Captain Mathias Frank

„Bisher war wichtig, dass er nicht viel Zeit verliert. Jetzt ist er mit vier Minuten hinten, ich denke, wir sind gestern ein gutes Mannschaftszeitfahren gefahren. Wir haben ihn  gegenüber den direkten Konkurrenten ein bißchen nach vorne gebracht haben. Ich denke der Top Ten Platz ist nach wie vor realistisch. Er braucht natürlich gute Tage in den Bergen. Wir werden ihn so gut wie möglich unterstützen, aber in den Bergen das sicher nicht meine Aufgaben, denn dafür bin ich einfach zu schwer und zu groß um mit den Besten mitzufahren. Ich werde meine Arbeit davor machen und mein Glück in der Spitzengruppe versuchen.“

Marco Haller zum Doping-Fall in seinem Team

„Das hat nicht nur das Team, sondern das komplette Fahrerfeld sehr überraschend getroffen und hat natürlich einen bitteren Beigeschmack, aber was wir zur Zeit wissen, ist das ja kein klassischer Dopingfall. Es ist ein Thema, das für uns jetzt abgehakt ist bzw. gibt es da jetzt andere Leute, die sich darum kümmern können und müssen. Wir sind bei der Tour de France, wir haben noch viele Etappen vor uns, viele Berge. Wir haben mehr als genug zu tun – Wir zerbrechen uns den Kopf nicht über andere Dinge.“

Marco Haller zu seiner Handverletzung

„Es wird von Tag zu Tag besser, aber natürlich kann sich ein Handgelenk, das jeden Tag wieder für fünf Stunden gereizt wird, nicht wirklich erholen. Direkt nach dem Sturz war die Etappe mit dem Kopfsteinpflaster – von dem her war es schon sehr, sehr mühsam. Es ist viel langwieriger, als ich es mir eigentlich vorgestellt hatte, weil ja nichts gebrochen ist. Es beeinflusst mich jetzt nicht mehr so stark, aber jetzt in den Bergen wird es sowieso so sein, dass die Berge viel mehr weh tun werden als die Hand.“