Bologna, Italy, 4th June 2021. Lorenzo Insigne of Italy celebrates after with team mates Leonardo Bonucci and Manuel Locatelli scoring to give the side a 3-0 lead during the International Football Friendly match at Stadio Dall Ara, Bologna. Picture credit should read: Jonathan Moscrop / Sportimage PUBLICATIONxNOTxINxUK SPI-1074-0105

Mega-Serie, Verjüngungskur & Mancini: Italien vor EURO so stark wie lange nicht

via Sky Sport Austria

Die ganze Welt blickt am Freitag nach Rom, wenn die italienische Nationalmannschaft die EURO 2020 gegen die Türkei im Olympiastadion eröffnen wird. Nach langer Durststrecke und einem Umbruch samt Verjüngungskur ist mit der Squadra Azzurra wieder zu rechnen. Die Gründe liegen auf der Hand.

Aus in der Vorrunde in Südafrika, Aus in der Vorrunde in Brasilien, 2018 gar nicht erst qualifiziert: Nach dem grandiosen WM-Triumph von 2006 ist die italienische Nationalmannschaft lange in der Versenkung verschwunden – war vom internationalen Top-Niveau meilenweit entfernt. Lediglich bei der EURO 2012 wusste die Squadra Azzurra zu überzeugen, zog mit Mario Balotelli und Co. ins Finale ein.

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Leistungen, an die der viermalige Weltmeister anknüpfen muss, um nach langer Durststrecke wieder um Titel mitspielen zu können. Doch die Zeit des Misserfolgs soll nun endgültig der Vergangenheit angehören – das Team von Trainer Roberto Mancini ist so hungrig und stark wie lange nicht.

Italien nun mit breiter Brust

Im letzten Härtetest vor dem Eröffnungsspiel unterstrich Italien die überragende Form – fegte mit einem satten 4:0 über Tschechien hinweg. Seit 27 Spielen sind die Azzurri mittlerweile ungeschlagen, sie gewannen im EM-Jahr alle fünf Spiele mit einer Tordifferenz von 17:0 (!) Treffern.

Nach langen Jahren des Scheiterns sehnen die Tifosi nun das kommende Großevent herbei. Auch die Spieler können den Start kaum noch erwarten: “Beim Gedanken an die Nationalhymne bekomme ich Gänsehaut, wenn auch noch das Publikum auf den Tribünen dabei sein und uns begleiten wird”, wird Shootingstar Manuel Locatelli von der dpa zitiert.

Doch wie kam es zur Leistungsexplosion und zur neu entfachten Euphorie?

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Mix aus Erfahrung und Talent

Zu alt, zu langsam, zu durchschaubar? Das war einmal! Die italienische Nationalmannschaft fährt seit dem desaströsen WM-Quali-Aus aus dem Jahr 2018 einen klaren Kurs und setzt auf eine Mischung aus eingespielten Routiniers und erfolgshungrigen Talenten.

Neben dem ehemaligen BVB-Stürmer Ciro Immobile (31 Jahre) und Napoli-Flügelflitzer Lorenzo Insigne (30) greift Mancini vor allem in der Defensive auf erfahrene Kräfte zurück. Mit Kapitän Giorgio Chiellini (36) und Leonardo Bonucci (34) bilden zwei eingespielte Juve-Legenden die Innenverteidigung – sie gehen als Leader voran und halten die Abwehr zusammen.

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Die Verjüngungskur ist dagegen bereits im Tor der Azzurri zu erkennen. Gianluigi Donnarumma trat das schwere Erbe seines prominenten Namensvetters Gianluigi Buffon an, kann mit seinen 22 Jahren aber bereits auf einen Erfahrungsschatz von 215 Serie-A- und 26 Länderspielen zurückgreifen. Der Torhüter, der vor einem Wechsel zu Paris Saint-Germain stehen soll, ist DIE große Hoffnung im italienischen Kasten.

Weitere Routiniers wie Andrea Barzagli (Karriereende), Fabio Quagliarella (Sampdoria Genua) sowie Daniele De Rossi (Karriereende) wurden in den vergangenen Jahren durch die Youngster Federico Chiesa (Juventus), Nicolo Barella (Inter Mailand) und eben genannten Manuel Locatelli (Sassuolo) ersetzt. Der eigentliche Star der Mannschaft sitzt allerdings auf der Bank.

Mancini-Effekt und attraktives Spielsystem

Trainer Mancini bekam vor seinem Amtsantritt im Mai 2018 die schwere Aufgabe, den Umbruch zu moderieren und die Azzurri zurück in die Erfolgsspur zu führen. Diese Herausforderung hat der 56-Jährige mit Bravour gemeistert. Mancini richtete eine am Boden liegende Mannschaft auf, holte in 30 Spielen im Schnitt 2,33 Punkte, verlor in der Zeitspanne lediglich zwei Mal.

Die Zeiten des defensiven Catenaccio-Fußballs sind vorbei, Mancini setzt stattdessen auf ein offensiv ausgerichtetes 4-3-3-System mit pfeilschnellen Flügelspielern und technisch versierten Mittelfeldstrategen. Neben einem ansehnlichen Kurzpassspiel mit Schwerpunkt auf die Ballbesitzphasen überzeugt Italien aber auch weiterhin im Spiel gegen den Ball. So musste Torhüter Donnarumma in den vergangenen zehn Partien lediglich zwei Mal hinter sich greifen.

Zum Vergleich: In derselben Zeitspanne erzielte der Europameister von 1968 im Schnitt 2,8 Tore pro Spiel. Mit einer klugen Kaderzusammenstellung, dem Mix aus Jung und Alt sowie der überfälligen Symstemumstellung avancierte Mancini zum Architekten des Erfolgs. Führt er die Squadra nun auch zum lange ersehnten Titel?

Geheimfavorit Italien?

Für das Team gilt es nun, den Aufschwung zu bestätigen und bei der anstehenden EURO so weit wie möglich zu kommen. Im Kreise starker Franzosen, Belgier und Portugiesen werden die Italiener aufgrund ihrer Überform als Geheimfavorit auf die EURO-Trophäe gehandelt.

Doch eines nach dem anderen. Zunächst gilt es, die machbare Gruppe A mit Spielen gegen die Türkei, Schweiz und Wales zu überstehen und in das Achtelfinale einzuziehen. Den Grundstein wollen Locatelli und Co. beim Eröffnungsmatch gegen ebenfalls aufstrebende Türken legen. “Sie haben starke Spieler und es wird keine einfache Partie”, sagte der Sassuolo-Star vor dem Auftakt, präsentierte sich aber selbstbewusst: “Aber wir wissen, was wir können!”

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Die Vergangenheit hat bereits gezeigt: Das Weiterkommen in der Gruppenphase ist das A und O – in der K.o.-Runde bieten sich dann alle Möglichkeiten. Doch in der aktuellen Verfassung sollte die Mancini-Elf diese Hürde ohne Probleme meistern. Danach bietet sich für die titelhungrigen Italiener nach Jahren voller Tristesse die große Chance, ihren ersehnten Status als Fußball-Weltmacht zurückzuerlangen und sich mit dem ersten Titel seit 2006 zu krönen.

Achtung Europa! Mit dieser Nation ist definitiv wieder zu rechnen.

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(Nico Dritter / skysport.de)

Bild: Imago