Mehr als nur die Quarterbacks: Die Schlüsselduelle im Super Bowl
Wenn die Los Angeles Rams am Sonntag auf die Cincinnati Bengals treffen, wird es vor allem auf die beiden Quarterbacks Matt Stafford und Joe Burrow ankommen. Sky Sport nennt aber noch vier weitere Schlüsselduelle, die den Ausgang des Super Bowls beeinflussen dürften.
Es gibt im Sport wohl keine Position, die wichtiger ist für den Erfolg eines Teams als die des Quarterbacks im Football. Der Spielmacher berührt als einziger Spieler bei jedem Angriff den Ball – Trickspielzüge nicht miteinberechnet – und kontrolliert die gesamte Offensive.
Quarterbacks wie Stafford und Burrow haben die Freiheit an der Line of Scrimmage zu entscheiden, ob bei einem Versuch gelaufen oder gepasst wird. Erwischt ein Quarterback einen miserablen Tag, ist die Wahrscheinlichkeit also sehr hoch, dass das eigene Team verliert. Dies gilt auch für den Superbowl am kommenden Sonntag. Burrow und Stafford müssen liefern, wenn sie am Ende die Vince-Lombardi-Trophy in den Himmel heben wollen.
Doch die Quarterbacks entscheiden nicht alleine über Sieg und Niederlage. Sky Sport zeigt vier Schlüsselduelle, die das Endergebnis mitentscheiden werden.
Innere Offensive Line der Bengals vs. Aaron Donald
Kein Quarterback wurde in der Regular Season öfter gesackt als Joe Burrow und auch in den Playoffs lag der 25-Jährige öfter auf dem Hosenboden, als ihm lieb sein kann. Allein die Tennessee Titans brachten ihn neun Mal zu Boden. Im AFC Championship-Game bei den Chiefs hielt die Offensive Line besser stand und ließ nur einen Sack zu, aber dies lag zu großen Teilen daran, dass Burrow auf kürzere Pässe setzte und seine Offensive Line dem gegnerischen Druck nicht so lange standhalten musste.
Gegen die Rams werden es Burrow & Co. auf ähnliche Art und Weise versuchen, aber es wird auch zu Situationen kommen, in denen Burrow Zeit braucht. Genau dann sind vor allem Center Trey Hopkins und die beiden Guards Quinton Spain und Hakeem Adeniji gefordert.
STIMMT AB!
Dieses Trio wird es nämlich größtenteils mit Aaron Donald, dem besten Footballspieler der NFL, zu tun bekommen. Donald greift meistens durch die Mitte ein und versucht so, die Pocket des Gegners zum Kollabieren zu bringen. Tennessees Defensive Tackle Jefferey Simmons gelangen alleine drei Sacks gegen dieses Trio. Sollten Hopkins, Spain und Adeniji gegen Donald ähnliche Probleme haben, werden die Rams kaum zu schlagen sein. Das Trio muss Donald zumindest einigermaßen in Schach halten, damit Burrow einen Passempfänger findet.
Gelingt dies, ist eine weitere Überraschung definitiv möglich. Natürlich müssen die beiden Tackles auch auf weitere Passrusher wie Von Miller und Leonard Floyd achten, aber Donald dürfte definitiv Priorität 1 sein.
Tee Higgins und Tyler Boyd vs. Darious Williams und Donte Deayon
Rookie-Sensation JaMarr Chase dominiert völlig zurecht die Schlagzeilen, wenn es um die Passempfänger der Bengals geht. Der 21-Jährige fing alleine in der Regular Season 81 Pässe für 1455 Yards Raumgewinn und 13 Touchdowns und überzeugte auch in den Playoffs mit 20 gefangenen Bällen für 279 Yards und einen weiteren Score.
Doch im Superbowl wird es Chase mit Jalen Ramsey, dem wohl besten Cornerback der NFL zu tun bekommen. Burrow wird natürlich dennoch versuchen, den Ball in die Hände seines Playmakers zu bekommen, aber die anderen Wide Receiver müssen ebenfalls liefern. Die Bengals hoffen, dass sich Tight End C.J. Uzomah rechtzeitig von seinem Innenbandriss erholt, trainieren konnte er bisher nur sehr wenig und noch nicht komplett.
Sollte Uzomah passen müssen oder nur eingeschränkt einsatzfähig sein, liegt es an Slot-Receiver Tyler Boyd sein Matchup gegen Cornerback Donte Deayon zu gewinnen und Burrow eine Option in der Mitte des Feldes anzubieten. Doch auch Higgins, der in der Hauptrunde über 1000 Yards Raumgewinn verbuchte, wird dank verschiedener Crossing-Routes immer wieder in der Spielmitte auftauchen und muss Burrow unterstützen.
Er sollte Vorteile im Duell mit Darious Williams haben und muss dies ausnutzen, wenn die Bengals das Spiel gewinnen wollen. Nach dem Ausfall Uzomahs in Kansas City funktionierte dies gegen die Chiefs hervorragend. Bengals-Fans hoffen auf eine ähnliche Vorstellung auch gegen die Rams.
Cooper Kupp vs. Mike Hilton und Jesse Bates III
Während die Rams mit Ramsey einen absoluten Star-Cornerback auf Cincinnatis besten Receiver Chase ansetzen können und hoffnungsvoll sind, dass der 27-Jährige somit Burrows Lieblings-Receiver zumindest teilweise aus dem Spiel nehmen kann, verfügen die Bengals auf den ersten Blick auf keine Antwort für Kupp.
Der Wide Receiver der Rams war in der abgelaufenen Spielzeit der klar beste Passempfänger der gesamten NFL und spielte eine Saison für die Geschichtsbücher: Kupp fing in der Hauptrunde unglaubliche 145 Pässe für 1947 Yards Raumgewinn und 16 Touchdowns. In den drei Playoff-Spielen kamen 25 gefangene Pässe für 386 Yards und weitere vier Touchdowns hinzu. Vereinfacht gesagt: Niemand hatte eine Antwort auf Kupp. Doch die Bengals sind optimistisch, dass Hilton den Receiver zumindest ein wenig bremsen kann. Hilton ist einer der besten Slot-Corner der Liga und schaltete in den Playoffs unter anderem Raiders-WR Hunter Renfrow aus und verbuchte eine wichtige Interception gegen die Titans nach einem Slot-Blitz.
Im einzigen direkten Duell gegen Kupp ließ Bell 2019 zudem den Receiver nicht von der Leine. Kupps Bilanz damals: Vier Targets, null Catches, null Yards. Natürlich hat sich der Drittrundenpick der Rams seitdem rasant verbessert, aber Hilton muss Kupp auch nicht alleine stoppen, denn auch Free Safety Bates wird helfen und das Duo wird Kupp in wichtigen Situationen doppeln. Ganz auszuschalten ist der 28-Jährige nicht, aber wenn es Hilton und Bates zumindest gelingt, die Big Plays zu verhindern, erhöhen sich die Chancen der Bengals enorm. FunFact am Rande: Kupps bestes Spiel als Profi hatte er gegen Cincinnati: 2019 verbuchte er in London gegen die Bengals 220 Yards bei sieben Receptions.
Klar ist aber auch, dass die Offense der Rams nicht nur aus Kupp besteht. Stafford hat auch ein gutes Gespür für Odell Beckham Junior. OBJ ist vor allem gefährlich bei seinen Dig-Routen und hier wird es interessant sein, ob die restliche Secondary um Vonn Bell, Eli Apple Chidobe Awuzie diese Connection stoppt. Das Hauptziel wird aber natürlich Kupp sein.
Cam Akers vs. Front Seven der Bengals
Die Rams sind eine der gefährlichsten Pass-Offensiven der NFL. Im Superbowl wird es aber auch wichtig sein, das Laufspiel mit Akers zu etablieren. Bisher gelang dies in den Playoffs nicht, denn in den drei bisherigen Spielen verbuchten die Kalifornier nur 283 Yards bei 97 Versuchen. Das sind lediglich 2,9 Yards pro Versuch. Auch gegen die Bengals wird es nicht einfach, denn Cincy stellt die fünftbeste Rushing-Defense der Liga.
Dennoch muss Headcoach und Playcaller Sean McVay auf den Run setzen, um Stafford zu entlasten. Wenn die Bengals sich fast ausschließlich auf die Passverteidigung konzentrieren können, sind Interceptions bei einem Quarterback wie Stafford, der gerne ins Risiko geht, vorbestimmt. Vor allem auf Akers, der nach seinem Achillessehnenriss in der Vorbereitung mit jedem Spiel spritziger sein dürfte, ruhen dabei die Hoffnungen.
Im ersten Superbowl unter McVay gegen die New England Patriots 2019 wollte das Laufspiel zu Beginn nicht wirklich funktionieren, man gab es frühzeitig auf und erzielte am Ende nur mickrige drei Punkte. Ein Fehler, aus dem der Headcoach gelernt haben dürfte, denn nur mit einem zumindest respektablem Running Game funktionieren auch die brandgefährlichen Playaction-Spielzüge der Rams.
Ausblick:
Was bis vergangene Saison noch nie geschah, passiert nun bereits zum zweiten Mal in Folge: Der Super Bowl wird zum Heimspiel für eine der beiden Mannschaften. Im Vorjahr triumphierten die Tampa Bay Buccaneers im heimischen Raymond James Stadium gegen die Kansas City Chiefs, dieses Mal steigt das Endspiel um die NFL-Krone im SoFi Stadium in Los Angeles, wo die Rams beheimatet sind.
Die Kalifornier gehen bei den Buchmachern sicher auch deshalb als Favorit ins Duell gegen die Bengals, allerdings sollte niemand den Fehler machen, das Team aus Ohio zu unterschätzen. Zu eindrucksvoll waren die Auswärtssiege in Nashville bei den Tennessee Titans in der Divisional Round und vor allem bei den Chiefs eine Woche später.
Gelingt Cincinnati im Superbowl gegen die Rams die dritte Überraschung? Gut möglich, denn Burrow & Co. strotzen nur so vor Selbstvertrauen und haben die Waffen, den Rams wehzutun. Leicht wird es sicher nicht, denn die Rams haben nicht nur zahlreiche Stars in ihren Reihen, sondern auch den Großteil der Fans im Stadion im Rücken. Es verspricht ein spannendes Spiel zu werden, das möglicherweise erst durch ein Field Goal in letzter Sekunde entschieden wird.
Tipp: Cincinnati gewinnt knapp mit 30:27
(skysport.de – Robert Gherda)
Bild: DPA
