Mehr Einfluss für Trainer: So funktioniert der „neue“ VAR bei der U17-WM

Wenn Österreichs U17-Nationalmannschaft heute im Finale der Weltmeisterschaft auf Portugal trifft, (live ab 16:45 Uhr auf Sky Sport Austria sowie im Free-LIVESTREAM auf skysportaustria.at!) könnte auch Trainer Hermann Stadler entscheidend ins Spiel eingreifen, dank der neuen „Coach’s Challenge“, die bei der U17-WM von der FIFA getestet wird.

Nachwuchsturniere dienen der FIFA traditionell als Testfeld für neue Regeln und Technologien. In diesem Jahr wird dabei das sogenannte Football Video Support (FVS) erprobt, eine mögliche Alternative zum VAR. Ist ein Trainer mit einer Schiedsrichterentscheidung nicht einverstanden, kann er bis zu zweimal pro Spiel intervenieren.

Revidiert der Schiedsrichter seinen Entscheid nach Ansicht der TV-Bilder, behält der Trainer seine Challenge und verfügt weiterhin über zwei mögliche Einsätze. Bleibt der Entscheid bestehen, verliert er eine Challenge und hat nur noch eine verbleibende Möglichkeit im Spiel zu intervenieren. Die Challenge ist allerdings auf vier Spielsituationen beschränkt: Tore, Rote Karten, Elfmeter sowie Fälle von Spielerverwechslungen.

So konnte Hermann Stadler im Halbfinale gegen Italien in der Nachspielzeit per Challenge eine nachträgliche Rote Karte gegen Benit Borasio erwirken. Den anschließenden Freistoß verwandelte Johannes Moser sehenswert zum 2:0-Endstand.

Highlights | Österreich – Italien | U17-WM-Halbfinale

Und auch nach dem Schlusspfiff gegen Italien erwies sich die Challenge-Möglichkeit als Glücksgriff. Kurz nach Spielende kam es zu Rangeleien zwischen italienischen und österreichischen Spielern, woraufhin der Schiedsrichter ÖFB-Spieler Vasilije Markovic die Rote Karte zeigte. Damit wäre er für das heutige Finale gesperrt gewesen.

Doch Hermann Stadler nutzte die Challenge, die auch nach dem Schlusspfiff noch zulässig ist. Der Schiedsrichter sah sich die Szene erneut am Bildschirm an – und nahm die Rote Karte schließlich zurück. „Als ich das erfahren habe, war das pure Emotion. Ich war so glücklich“, sagte Markovic danach.

Vasilije Markovic über den Einzug ins WM-Finale

Kostengünstiger als der VAR

Der wichtigste Vorteil des FVS liegt in den geringeren Kosten und der einfacheren Umsetzung. Für einen vollwertigen VAR müssen alle strittigen Szenen von einem eigenen Team aus Video-Schiedsrichtern geprüft werden. Das ist personalintensiv und erfordert zusätzliche Kameras im Stadion, um alle Perspektiven abzudecken.

Beim FVS hingegen werden ausschließlich jene Kameraeinstellungen genutzt, die ohnehin für die TV-Übertragung vorhanden sind. Auch braucht es keine zusätzliche VAR-Crew, die permanent alle Szenen analysiert. Das spart Ressourcen und könnte gerade für kleinere oder unterklassige Ligen attraktiv sein, in denen es bisher keinen flächendeckenden VAR-Einsatz gibt.

Mehr Einfluss

Ein weiterer Vorteil: Trainer und Spieler haben bislang keinen Einfluss darauf, ob eine Szene vom Schiedsrichter überprüft wird. Mit dem FVS erhalten die Trainer erstmals die Möglichkeit, selbst festzulegen, welche strittigen Situationen nochmals angesehen werden sollen.

Nachteilig ist beim FVS vor allem, dass die Genauigkeit geringer ausfällt, weil nicht so viele Kameraperspektiven wie beim VAR verfügbar sind. Zudem entfällt die Möglichkeit, strittige Szenen überprüfen zu lassen, sobald die Challenges eines Teams aufgebraucht sind.

Die U17-WM ist nicht das erste Turnier, bei dem der FVS getestet wird. Zuvor kam das System bereits bei den U20-Weltmeisterschaften der Frauen und Männer sowie bei der U17-WM der Frauen zum Einsatz. Seit diesem Sommer wird zudem auch in Nicht-FIFA-Wettbewerben getestet. So kam der FVS etwa in der italienischen Serie C oder den höchsten Frauenligen in Spanien und Italien zum Einsatz.

Einsatz auch in Österreich?

Auch in Österreich verfolgt man die Tests mit großem Interesse. „Das System könnte insbesondere für kleinere und mittlere Ligen – wie eben auch Österreich – zu einer attraktiven Option werden“, sagt Matthias Selzak, Pressesprecher der Bundesliga, gegenüber Sky. Auch wirke der Einsatz bei der U17-WM bis jetzt sehr positiv. Man warte nun gespannt, wann und in welchem Umfang die FIFA das System freigeben werde, heißt es von Seiten der Bundesliga.

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Bilder: GEPA/IMAGO