Melzer will Schwärzler „körperliche Rüstung“ mitgeben
Er ist Österreichs einziger, ehemaliger Top-Ten-Spieler im Einzel und Doppel: ÖTV-Sportdirektor Jürgen Melzer kennt den Tenniszirkus wie seine Westentasche. Ein großer Vorteil für die aktuell wertvollste rot-weiß-rote Tennis-Aktie Joel Schwärzler, denn Melzer ist der Hauptcoach des erst 18-jährigen Vorarlbergers mit großem Potenzial. Melzer betreut den gebürtigen Südafrikaner seit 2021.
Als Sportdirektor und Davis-Cup-Kapitän im ÖTV sieht Melzer keine Schwierigkeiten mit seinem Coaching für einen Einzelspieler. „Ich glaube nicht, dass es ein Problem wird, weil wir unser Programm so ausgelegt haben, dass Spieler, wenn notwendig, bis 24 Jahre betreut werden können, so ist das ÖTV-Konzept“, erklärte Melzer der APA – Austria Presse Agentur bei einem Termin in Tulln. „Dass ich es nicht alleine machen kann, ist eh klar. Wir sind ein relativ großes Team, das ihn betreut.“ Damit gemeint sind u.a. auch sein Bruder Gerald Melzer, Philipp Gille, Philipp Wessely und weitere Betreuer. „Wir sprechen alle dieselbe Sprache und versuchen ihn so gut wie möglich abzudecken.“
Nach dem rasanten Aufstieg in die Top 400 und bevorstehenden sieben Challenger-Turnieren sowie der Wildcard in Kitzbühel gibt es viele Chancen für eine weitere Verbesserung. Auch für Melzer ist das ursprünglich gesteckte Ziel Top 350 per Jahresende quasi „um die Ecke“. „Man wird sehen wie viel er auf Challenger-Ebene gewinnen kann. Man darf jetzt nicht davon ausgehen, dass er jeden Challenger gewinnt. So realistisch muss man sein. Wenn er um 250, 270 abschließt, bin ich schon happy.“
Wichtig ist für Melzer die Konstanz, das Pouvoir in den schnellen Grundschlägen hat Schwärzler für den Niederösterreicher jedenfalls. „Der kann, wenn er in Form ist und einen guten Tag hat, gegen sehr viele gewinnen. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Die große Challenge ist, dass er körperlich so weit ist, dass er das Woche für Woche bringen kann“, sagte Melzer. Er selbst weiß aus seiner Jugend, dass man als junger Spieler immer Turniere spielen will. „Wir brauchen auch Trainingswochen. Da brauchst du von ihm die Einstellung, dass er gewillt ist, auch zu arbeiten.“
Spielerisch hebe Schwärzler die Vorhand „definitiv ab“. „Generell hat er ein sehr schnelles Spiel. Er muss lernen, die Power, die er hat, richtig einzusetzen. Und das vielleicht auch einmal 80 Prozent von seinem Schwung reichen, weil das wahrscheinlich genauso schnell ist wie 100 von wem anderen. Dieser jugendliche Drang, in die Ecken ‚reinzufackeln‘, da müssen wir dran arbeiten, dass es solider wird. Und er nicht so von der Tagesverfassung abhängig ist, sondern die Grundbasis einfach besser wird.“
Der 1,89 m große Linkshänder hat körperlich noch Reserven. Melzer wünscht sich, dass er bei den Oberschenkeln und im Kreuz noch zulegt und der Körper stabiler wird. „Wenn du so beschleunigen kannst, dann musst du deinem Körper so eine Rüstung aufbauen, dass das verletzungsfrei auch geht. Da kommt schon ein Schwung auf die Gelenke, die das aushalten müssen“, sagte Melzer. Im wöchentlichen Kampf auf Erwachsenen-Niveau muss Schwärzler noch zulegen.
Nächster Einsatz des Skopje-Challenger-Siegers ist ab 24. Juni beim Challenger in Mailand. Nach den österreichischen Meisterschaften tritt Schwärzler beim Salzburg-Challenger an und gibt dank einer Wildcard in Kitzbühel sein Debüt auf der ATP-Tour. Es folgen zwei Challenger im Ausland und danach tritt er auch bei einem weiteren in Tulln an.
(APA)/Bild: GEPA
