Mit schweizer Präzision: Marcel Koller führt ÖFB-Team Richtung Frankreich
Die Müdigkeit nach einer langen Nacht war Marcel Koller noch anzumerken, als Österreichs Fußball-Teamchef am Montag den 1:0-Sieg über Russland (Artikel) analysierte. Der Schlafentzug ließ sich allerdings leicht verschmerzen – schließlich scheint die Teilnahme an der EM 2016 in Frankreich durch den historischen Erfolg in Moskau nur noch Formsache zu sein.
Frankreich wir kommen
Schon mit vier Punkten aus den letzten vier Qualifikationsspielen würde die rot-weiß-rote Auswahl den ersten Turnier-Startplatz auf sportlichem Wege seit der WM 1998 realisieren.
Sollte das kommende Heimspiel am 5. September gegen Moldawien gewonnen werden und gleichzeitig Russland daheim nicht gegen Schweden gewinnen, hätte man schon drei Runden vor Schluss das Frankreich-Ticket fixiert.
Der Fahrplan in Richtung Frankreich
Die Bilanz spricht klar für Marcel Koller
Als der Schweizer im Oktober 2011 das Amt als ÖFB-Teamchef übernahm, war Österreich auf Rang 70 in der Weltrangliste.
Gut 3 1/2 Jahre später liegt die österreichische Auswahl bereits auf Rang 20 (Video). Tendenz stark steigend. Von den bisher 30 Spielen unter Koller gewann das ÖFB-Team 15. Sieben Mal spielte man unentschieden, bei acht Spielen ging man als Verlierer vom Platz. In der kommenden FIFA-Weltrangliste wird das ÖFB-Team als zehnt-oder elftbestes europäische Nationalmannschaft geführt werden. „Doch ich würde das nicht so hoch ansetzen. Wir sind noch nicht bei den europäischen Top-Teams“, betonte Koller.
In Guten wie in Schlechten Zeiten
Der Nationaltrainer hielt auch in schwierigen Zeiten zu Janko und anderen Kickern, denen phasenweise ebenfalls die Spielpraxis fehlte. Es entstand ein Stamm, der sich durch Qualität und Gemeinschaftsgefühl auszeichnet. „Das aktuelle Team ist sehr stark, homogen und eine verschworene Gemeinschaft“, erklärte Koller. „Wir haben einen Ballon geschaffen, in dem sich die Spieler wohlfühlen. Wenn sie bei ihrem Club oder privat Probleme haben, werden die hier weggeschwemmt.“
Starkes Fundament, aber offen für Neues
Dennoch handle es sich bei der ÖFB-Auswahl nicht um eine geschlossene Gesellschaft. „Wenn wir das Gefühl haben, ein Spieler ist gut drauf und ist besser als die, die wir bei uns haben, versuchen wir, das auszunützen und ihn zu holen“, meinte Koller, schränkte aber auch ein: „Es gibt immer die Möglichkeit, reinzukommen, doch dafür braucht man große Klasse. Ich möchte eine Mannschaft formen, die wir nicht bei jedem Lehrgang ändern müssen. Das hat sich bisher bewährt.“
EM-Quali bereits im September möglich
Der nächste Lehrgang steigt am 30. oder 31. August, wenn Janko und Co. die Vorbereitung auf die Quali-Partien gegen Moldau (5. September in Wien) und Schweden (8. September in Solna) aufnehmen. In diesen Partien könnte der EM-Startplatz geholt werden, doch Koller blickt sich schon vorher um eine mögliche Unterkunft in Frankreich um. „Wir sind dran und versuchen, das Optimum zu finden. Aber es ist jetzt zu früh zu sagen, wo wir sein könnten“, erklärte der Nationaltrainer.
Gewohnt zurückhaltend: Koller tritt auf die Euphoriebremse
Schweizer Tugend als Erfolgsrezept
Dennoch, seit Herbst 2011 tickt das ÖFB-Team – präzise wie ein Schweizer Uhrwerk – nach den Vorgaben von ‚Uhrmacher‘ Marcel Koller. Bleibt zu hoffen, dass noch viele Tage, Stunden, Minuten & Sekunden mit dem Schweizer an der Spitze des ÖFB-Teams vergehen!



