Mit Speed durch die Dünen! Zandvoort, das etwas andere F1-Rennen

via Sky Sport Austria

Die Formel-1-Verantwortlichen haben sich für das anstehende Rennwochenende etwas ganz Besonderes ausgedacht. Nach 36 Jahren Pause kehrt der Rennzirkus in die Niederlande zurück. Es wartet ein außergewöhnliches Wochenende.

Als hätten es die Organisatoren der Formel 1 geahnt. Nach dem Regen-Debakel von Spa und Tausenden bedröppelten Fans kommt schon an diesem Wochenende die volle Dröhnung der höchsten Motorsportklasse zurück. Und die beste Nachricht: Kein Regen in Sicht!

Doch wie schon am vergangenen Wochenende würde auch der eine oder andere Schauer den leidenschaftlichen Motorsport-Fans in den Niederlanden die Laune nicht verhageln – sofern es nicht zum frühen Rennabbruch kommt. Dass es dazu kommt, ist zumindest was das Wetter anbelangt, unwahrscheinlich.

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Wenige Überholmöglichkeiten und trotzdem spannend

Die Fans dürfen sich also auf die geballte Ladung Formel 1 freuen und das auf einer ganz besonderen Strecke. 36 Jahre nach dem letzten F1-Rennen und dem Sieg von Niki Lauda werden in Zandvoort, nur wenige Kilometer von Amsterdam entfernt, erstmals wieder die Motoren angelassen. Und schon am Freitag bei den Trainings deutete sich an, dass es ein Spektakel geben könnte. Einziger Wermutstropfen: Das Spektakel wird weniger durch Überholmanöver denn durch andere Faktoren herbeigeführt.

Das Überholen wird für die 20 Fahrer am Sonntag schwierig. Denn der nur 4,26 Kilometer lange Kurs ist an den meisten Stellen sehr eng gefasst. „Platz ist hier ein großes Problem“, erklärte Sky Experte Ralf Schumacher im Streckenporträt. Dass an vielen Ecken der Strecke meterhohe Kräne die Strecke überragen spricht für sich. Die kennt man sonst nur von den Stadtkursen aus Monaco oder Baku. Zu schwierig und eng ist es hier an vielen Stellen, um mit Abschleppwagen die gestrandeten Autos von der Strecke zu schaffen. So können sie ganz einfach herausgehoben werden.

Nach Räikkönen-Rücktritt: Fahrer-Karussell kommt in Schwung

Wie schnell sich die Autos in die Quere kommen können, zeigten Lando Norris und Esteban Ocon im Freien Training (FP1 / FP2). Bei für Formel-1-Verhältnisse mäßiger Geschwindigkeit drängte der Franzose von Alpine den jungen Briten – wohl ohne Absicht – ganz unbedrängt von der Strecke. Norris wütete: „Was macht dieser Typ? Er hat mich einfach von der Strecke gedrängt!“ Ocon wurde dafür von den Stewards verwarnt.

Und obwohl die viel thematisierten Steilkurven (Hugenholtzbocht und Arie Luyendijkbocht), die sogar das Oval von Indianapolis in ihren Neigungen weit übertreffen, hohe Geschwindigkeiten versprechen, bleiben die Überholmöglichkeiten begrenzt. Die einzig echte Möglichkeit, sich an seinem Vordermann vorbeizuschieben, gibt es auf der Start-Ziel-Geraden, in den Kurven können die Fahrer oft nur auf einen Fehler des Gegners hoffen.

Qualifying besonders wichtig

Das führt dazu, dass das Qualifying am Samstag (Live und exklusiv ab 14.30 Uhr auf Sky Sport 1 – auch in HD und UHD) umso wichtiger für die Fahrer wird. Als wäre das nicht schon Druck genug, kommt hinzu, dass es aufgrund der Kürze der Strecke zu extrem viel Verkehr kommen könnte. Hier sind Konflikte quasi vorprogrammiert. Und schon die Trainings am Freitag zeigten, dass der eine oder andere Fahrer nach den Ausfällen von Sebastian Vettel und Lewis Hamilton Probleme hatte, auch nur eine gute Runde zu fahren. „Das ist doch verrückt“, rief der Red-Bull-Star im Boxenfunk, „ich kriege keine einzige Runde zusammen.“

Zudem verzeiht der Dünen-Kurs, der nur wenige Autolängen von der Nordsee entfernt liegt, keine Fehler. Übersteuern, untersteuern, nahe Kiesbetten, blockierende Räder in den Steilkurven, blinde Abschnitte. Zandvoort ist eine Strecke mit Fehlerpotenzial für jeden der Fahrer. Dass bis auf Max Verstappen, der hier schon öfter testete, die Fahrer so gut wie keine Erfahrungen mit der Strecke haben, tut sein Übriges.

Fahrer feiern die Strecke

Die Fans können sich also auf Unvorhersehbares freuen. Wenn Lewis Hamilton schon am Freitag über Powerverlust klagt und Sebastian Vettel seinen eigenen Aston Martin zu löschen versucht, dann verspricht der Große Preis der Niederlande viele verschiedene Geschichten.

Die Fahrer freut es auf jeden Fall. Sie zeigten sich nach den ersten Runden begeistert: „Ah Mann, der Track ist episch!“, jubelte Hamilton. „Es war ehrlich gesagt ein reines Vergnügen, auf dieser Strecke zu fahren. Es macht Spaß, die Schräglagen, aber auch das Layout im Allgemeinen“, erklärte Ocon. Für Pierre Gasly sei es wie in einem „Schlitten“ gewesen.

Fans, Party und Proteste: Viele Geschichten rund um das Rennen

Zandvoort schreibt aber nicht nur auf der Strecke Geschichten. Auch rund um die Strecke ist der Teufel los. Schon am Freitag ließen die vielen Verstappen-Anhänger – und sicherlich auch einige McLaren-Fans – die Nordsee alt aussehen und tauchten die Tribünen in orangefarbene Rauchschwaden, Shirts und Fahnen.

Schon jetzt herrscht Partystimmung an der Strecke. Selten, wenn überhaupt jemals, waren schon bei den Trainings so viele Zuschauer zugegen. Weltmeister Lewis Hamilton, den die Fans nach seinem Ausfall bereits verhöhnten, wird einen schwierigen Stand haben. Doch es flog auch schon ein Hamilton-Fan mit einer Propellermaschine über den Kurs. Die Aufschrift auf dem Banner: „7 Mal Weltmeister, einfach schön. #TeamLH“.

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Neben der ganzen Folklore wird es zudem aber auch außerhalb der Rennstrecke zu ernsteren Themen kommen. Am Freitag protestierten bereits Landwirte mit Treckern gegen die vielen Vorschriften der Agrarpolitik und zu niedrige Milchpreise. Mehr mit der Formel 1 hat jedoch eine geplante Protestfahrt der Umweltaktivisten von „Extinction Rebellion“ vor den Toren der Strecke zu tun.

Dass die Formel 1 eine Vorbildfunktion in Sachen Umweltschutz hat, ist ihr bewusst. Es gibt bereits Pläne und Maßnahmen, welche die Formel 1 bis 2030 klimaneutral machen sollen. Laut Sebastian Vettel ginge das aber nicht schnell genug. Gerade inmitten der Dünen und durch die Nähe zur Nordsee kocht das Umweltthema zurecht wieder hoch.

Verstappen und Hamilton konnten sich noch nicht zeigen

Das wird den rund 70.000 Zuschauern vor Ort Samstag und Sonntag wahrscheinlich aber erst mal herzlich egal sein. Sie wollen nach der Enttäuschung von Spa die nächste Episode im Titelkampf zwischen Fan-Liebling Verstappen und Weltmeister Hamilton sehen.

Beide konnten ihr Können aufgrund der bereits genannten Umstände noch nicht so richtig zeigen. Verstappen fuhr im 2. Freien Training nur die fünftbeste Zeit, Hamilton vor seinem vorzeitigen Aus nur die neuntbeste. Dafür ließen die Ferraris mit Charles Leclerc und Carlos Sainz auf den ersten beiden Rängen aufhorchen. Vettel rangierte auf Rang elf, Mick Schumacher zwei Plätze vor seinem Teamkollegen Nikita Mazepin auf Rang 17.

Ferrari im 2. Freien Training in Zandvoort an der Spitze

WM-Kampf in der heißen Phase

Ein Vorgriff auf die Qualifikation am Samstag? Mitnichten. Sowohl Verstappen als auch Hamilton werden sich mit diesen Platzierungen nicht zufriedengeben und konnten unter diesen Umständen einfach nicht ihr Potenzial ausschöpfen. Sie müssen aber zusehen, dass sie schnell gute Zeiten herausfahren, um die Risiken des Verkehrs oder weiteren Roten Flaggen zu umgehen.

Der WM-Kampf geht in die heiße Phase. Die Atmosphäre stimmt. Fehler werden teuer bezahlt. Die Bedingungen für ein unterhaltsames Rennwochenende könnten also besser fast nicht sein. Hamilton möchte nach nur einem Sieg aus den vergangenen acht Rennen endlich zurückschlagen. Wo ginge das besser als beim Heimrennen seines WM-Rivalen? Es liegt an den Fahrern, der ungewöhnlichen Strecke von Zandvoort ein weiteres spannendes Kapitel in der Geschichte hinzuzufügen.

(Max Georg Brand / skysport.de)

Bild: Imago