Nach achtjähriger Sperre: Klagelieder von Blatter und Platini

via Sky Sport News HD

Ein Prozessmarathon über Monate um die gestürzten Granden Joseph S. Blatter und Michel Platini wird den Neuanfang bei FIFA und UEFA erschweren. Thema Nummer eins bleiben Skandale.

Frankfurt/Main (SID) Die Klagelieder der gefallenen Granden Joseph S. Blatter und Michel Platini blockieren den Neuanfang im Fußball-Weltverband FIFA – noch bevor dieser richtig begonnen hat. Die angekündigten Berufungen der für acht Jahre gesperrten Präsidenten von FIFA und UEFA werden das Trauerspiel bereits kurz nach Silvester fortsetzen. Ein Ende ist nicht abzusehen.

“In diesem spezifischen Fall sehe ich mich wirklich als Opfer”, sagte Blatter im ZDF-Interview – er sei ja, und das meint der 79-Jährige ernst, weiterhin FIFA-Präsident. Wie Platini wird der Schweizer deshalb die FIFA-Berufungskommission anrufen. Für die schriftlich begründeten Einsprüche haben beide nach Eingang der kompletten Urteile der FIFA-Ethikkommission sieben Tage Zeit.

Die Art und Weise, wie ihn die Ethikkommission “hinauskomplimentiert” habe – “das geht nicht”, sagte Blatter: “Das kann ich nicht akzeptieren, weil sie etwas aufgebaut haben, was nicht stimmt.” Die Anwälte des Schweizers teilten am Dienstag mit, ihr Klient sei darauf “erpicht, seine Argumente der Kommission zu präsentieren”. Blatter bereite “alle rechtlichen Schritte vor, um seinen Namen reinzuwaschen”. Bei der erwarteten Bestätigung der Sperren ist dann der Internationale Sportgerichshof CAS am Zug – Blatter und Platini werden auf ein eiliges Verfahren drängen.

Denn am 26. Februar wird in Zürich der neue FIFA-Präsident gewählt. Blatter will sich dann noch einmal von seinen übrig gebliebenen Freunden feiern lassen, und Platini will mit aller Macht als Kandidat dabei sein.

“Ich werde gegen diese Ungerechtigkeit kämpfen – von Instanz zu Instanz”, sagte der Franzose der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. “Ich wurde mit Blatter in einen Sack gesteckt. Was auch immer jetzt noch geschehen wird – mein Image ist beschädigt”, klagte Platini, der bis zum 26. Januar einen Freispruch erwirken müsste, um doch noch zugelassen zu werden.

 

Französicher Sportminister unterstützt Platini

 

Sanktioniert worden waren beide wegen der dubiosen Zahlung von 1,8 Millionen Euro von Blatter an Platini im Jahr 2011 – zu Unrecht, wie beide unisono beteuern. Der Gang vor den CAS ist deshalb nur noch Formsache. “Da beginnt das Spiel erst richtig”, sagte Platini, für den das Ethik-Urteil “ein Schlag ins Gesicht” war.

Jede weitere Verhandlung, jedes weitere Urteil ist jedoch vor allem für die FIFA ein Schlag, mindestens in die Magengrube. Das Image des Weltverbands leidet enorm. Die italienische Zeitung La Stampa schrieb: “De facto ist die FIFA enthauptet worden. Die bisherige Führung gibt es nicht mehr. Für Blatter geht eine Ära zu Ende, für Platini könnte es wie im schlimmsten Albtraum werden.” In England urteilte die Daily Mail: “Die FIFA-Dinosaurier sind endgültig ausgestorben.”

Die Suche nach den Nachfolgern hatte ohnehin schon begonnen. Bei der FIFA-Wahl treten der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein (40), Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (50/Bahrain), der Franzose Jérôme Champagne (57), UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino (45/Schweiz) sowie der Südafrikaner Tokyo Sexwale (62) an – längst nicht alle wären eine gute Wahl.

Bei der UEFA warf Vizepräsident Michael van Praag seinen Hut in den Ring. Bevor er öffentlich kandidiere, müsse Platini jedoch alle juristischen Möglichkeiten gegen seine Achtjahressperre ausgeschöpft haben, sagte der niederländische Verbandsboss dem Radiosender NOS. Das Ethik-Urteil sei “äußerst schädlich für den Fußballsport im allgemeinen und insbesondere für Fußballfunktionäre”, sagte van Praag, der im vergangenen Frühjahr als Präsidentschaftskandidat der FIFA gelistet war, dann aber zurückzog.

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