Nach dritter Liga-Niederlage in Folge: Dortmunds Sahin angezählt

Nuri Sahin ist bei Borussia Dortmund offiziell angezählt.

Nach nur einem Sieg aus den jüngsten acht Pflichtspielen sowie zuletzt drei Niederlagen droht dem langjährigen Vereinshelden ein schnelles Aus als Cheftrainer des deutschen Fußball-Bundesligisten. Zumindest am Dienstag in der Champions League bei Bologna wird der 36-Jährige noch auf der Bank sitzen. Das versicherte Geschäftsführer Lars Ricken. Eine längere Job-Garantie gab es nach dem 0:2 bei Eintracht Frankfurt nicht.

„Es ist in seiner und unserer Verantwortung, dass wir für Borussia das Beste herausholen müssen. Nuri wird in Bologna auf der Bank sitzen mit der klaren Erwartungshaltung, dass wir jetzt Siege und Erfolgserlebnisse brauchen“, sagte der BVB-Boss, der ernst schaute und fordernd klang. Sahin selbst ist sich seiner Lage bewusst – und das, obwohl Ricken und Sportdirektor Sebastian Kehl erneut ein Bekenntnis abgaben. „Die Argumente sind Leistung und Ergebnisse. Ich brauche nicht alle drei Tage eine Bestätigung, dass ich im Amt bin. Wir wissen alle um die Lage“, sagte der Ex-Kicker.

Trotz erneuter Niederlage: Kehl stärkt Sahin den Rücken

Fragen zu seinem persönlichen Befinden in der komplizierten Situation wischte er weg. Dies sei „zweitrangig“. Denn beim BVB herrscht Alarm, die Situation wird immer ernster. Das Team um den diesmal nicht eingesetzten ÖFB-Teamspieler Marcel Sabitzer ist in die zweite Tabellenhälfte abgestürzt und zudem im Pokal ausgeschieden. „Es ist frustrierend. Die Tabellensituation ist desaströs, keine Frage“, sagte Ricken. Auf das 2:3 gegen Meister Bayer Leverkusen und das blamable 2:4 bei Aufsteiger Holstein Kiel folgte nun die Niederlage bei der Eintracht. Auswärts hat der BVB sechs von neun Spielen verloren.

BVB „nicht gut genug“

In der Ära nach Kultcoach Jürgen Klopp haben Trainer wie Peter Bosz, Lucien Favre, Marco Rose oder Edin Terzic bei deutlich besseren Bilanzen ihren Posten räumen müssen. Sahins großer Kredit scheint nach einem schwachen halben Jahr schon aufgebraucht. Das Fazit von Emre Can fiel knapp aus. „Nicht gut genug. Das muss sich schleunigst ändern“, sagte der Kapitän. Sahin glaubt noch an die Wende. „Bis zum letzten Tag, an dem ich Trainer von Borussia Dortmund bin, werde ich versuchen, voranzugehen und den Bock umzustoßen.“

Sein größter Vorteil dürfte der derzeit dichte Spielplan sein. Vier Tage nach Bologna wartet Bremen, die Woche darauf geht es gegen Donezk sowie in Heidenheim weiter. Dass Dortmund beim 0:2 durch Tore von Hugo Ekitiké und Rasmus Hojlund am Freitag zwei mögliche Elfmeter verwehrt wurden, war anschließend für Sahin und Ricken zwar Thema. Wirklich beschweren wollte sich die BVB-Führungsriege aber nicht. „Wir sind schon der Meinung, dass zumindest ein Elfmeter gegeben werden könnte. Das Problem ist halt: Sich in unserer Situation darauf einzuschießen, ist dann auch wenig souverän“, sagte Ricken.

Sabitzer 90 Minuten auf der Bank: BVB verliert in Frankfurt

Souverän agierten nur die Frankfurter, die mit 36 Punkten als Dritter weiter voll auf Champions-League-Kurs liegen. Der jüngste Sieg gelang ohne Topstürmer Omar Marmoush, dessen Transfer um bis zu 80 Millionen Euro zu Manchester City demnächst offiziell werden dürfte. Nach Schlusspfiff verabschiedete sich der 25-jährige Ägypter schon von Team und Fans. „Das war ein Wahnsinnsmoment, auch in der Kabine. Es ist ein toller Spirit. Jeder gönnt ihm das von Herzen, jeder hat auch Verständnis. Wir wünschen ihm alles Gute, falls das Ding dann durchgeht“, sagte Trainer Dino Toppmöller.

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(APA) / Bild: Imago