SINGAPORE - SEPTEMBER 16:  Sebastian Vettel of Germany and Ferrari prepares to drive during final practice for the Formula One Grand Prix of Singapore at Marina Bay Street Circuit on September 16, 2017 in Singapore.  (Photo by Mark Thompson/Getty Images)

Nach Singapur-Crash: So stehen die Titel-Chancen für Vettel

via Sky Sport Austria

Debakel statt Wende: Nach seinem Start-Crash in Singapur hat Sebastian Vettel satte 28 Punkte Rückstand auf Rivale Lewis Hamilton. Ist die WM für den Deutschen damit schon so gut wie gelaufen? Wir schauen aufs Restprogramm und machen den Check.

Grübelstimmung nach einem rabenschwarzen Tag für Ferrari. In Singapur hatte man sich die größten Chancen für einen Großangriff auf Mercedes ausgerechnet, jetzt ist der WM-Titel ein Stück weit in die Ferne gerückt. Lewis Hamilton sitzt auf einem 28-Punkte-Polster: so groß war der Vorsprung in dieser Saison noch nie. Bitter für Ferrari: die Mercedes-Strecken kommen erst noch.

In zwei Wochen geht es auf den Sepang Internation Circuit in Malaysia (1. Oktober live auf Sky). Ausgerechnet hier lief es im letzten Jahr besonders schlecht für Sebastian Vettel. Nur Startplatz fünf, Crash in der ersten Kurve und obendrein der Totalausfall wegen Bremsproblemen. Hamilton lieferte bombenstark ab, doch auch ihn stoppte letztlich ein Motorschaden. Ein Hoffnungsschimmer für Vettel: Insgesamt viermal konnte der Heppenheimer den GP von Malaysia schon gewinnen (2010, 2011, 2013, 2015).

Japan zuletzt eine Merceds-Strecke

In Japan (8. Oktober) liegt der letzte Vettel-Sieg schon ganze vier Jahre zurück. Die letzten drei Male siegte ein Silberpfeil. Mit den schnelle S-Kurven, einer Haarnadel und einem langen Vollgasstück kamen Rosberg und Hamilton bestens zurecht. Vor allem im Qualifying hatte Ferrari dagegen arge Probleme in Suzuka. Für Vettel ging’s wieder mal nur von Platz sechs ins Rennen. Keine gute Ausgangslage.

Noch dicker kommt’s auf den finalen vier Strecken. Der Große Preis der USA (22. Oktober) und auch das Rennen in Mexiko (29. Oktober) gelten als absolute Paradestrecken von Lewis Hamilton. Bei rund 70% Vollgasanteil durfte der Brite sowohl mit Cowboy-Hut als auch mit Sombrero jubeln. In Texas gewann der dreifache Weltmeister sogar die letzten drei Male in Serie, während für Vettel nur ein einziger dritter Platz heraussprang. In Mexiko kommt “Silber” die hohen Geschwindigkeiten zu Gute. Mit 365 km/h ist der Kurs in Mexiko-Stadt die zweitschnellste Strecke im gesamten Rennkalender.

Auch in Brasilien (12. November) und Abu-Dhabi (26. November) beherrschte Mercedes in den letzten Jahren das Geschehen. Beide Rennen gingen vergangene Saison an Hamilton, der also im Schlussspurt ganze vier Siege in Folge feiern konnte. Dabei ist ein starkes Saison-Finish des Mercedes-Piloten das letzte, was Vettel dieses Jahr braucht. Zumal sich der erfahrene Hamilton derzeit in Topform präsentiert.

Vettel machte 2010 das Unmögliche möglich

Doch auch der Deutsche hat schon bewiesen, dass er stark zurückkommen und das Unmögliche möglich machen kann. 2010 lag er nach einem Motorplatzer zwei Rennen vor Schluss 25 Punkte hinter Spitzenreiter Fernando Alonso. Mit zwei Siegen in Brasilien und Abu Dhabi holte sich Vettel damals seinen ersten WM-Titel. Zugegeben, weil sich Alonso und sein Team beim Finale dicke Fehler leisteten, die der damals 23-Jährige eiskalt ausnutze. Bei Hamilton und dem hochperfomanten Mercedes-Team eher nicht vorstellbar.

Hamilton gewinnt Regenrennen in Singapur nach Chaos-Start

Von einer Vorentscheidung will Vettel jedenfalls auch nach der herben Klatsche in Singapur nichts wissen. Er gab sich kämpferisch und gefasst: “Es ist kein Weltuntergang. Natürlich hilft es nicht, aber es ist jetzt so. Es wird sicher noch mehr Gegebenheiten geben.”

Vettel: “Restprogramm spricht nicht nur für Mercedes”

Dass das Restprogramm ausschließlich Mercedes entgegen kommt, bestreitet der Deutsche. Vor allem, weil er wisse, was bei Ferrari noch alles an Entwicklung komme. Außerdem geht er davon aus, dass das Pech eines Ausfalls auch seinen Kontrahenten treffen könnte.

Das sieht auch Mercedes-Boss Toto Wolff so. “Wir haben hier gedacht, dass wir maximal Schadensbegrenzung betreiben können. Und dann ist alles so gekommen, dass es uns in die Hände gespielt hat, wie wir es nie hätten erwarten können. Vom Crash bis zu den Wetter- und Temperaturbedingungen”, erklärt der Österreicher im Sky Interview: “So etwas kann so schnell gehen. Was aber im Umkehrschluss nur heißt: Das Gleiche, was heute Ferrari passiert ist, kann uns auch einmal passieren.”

Hoffen auf einen Hamilton-Ausfall

Lange Rede kurzer Sinn: Vettel muss angesichts Hamiltons Talent für starke Schlusssprints unbedingt die nächsten zwei Rennen gewinnen, sonst sieht dürfte die WM endgültig futsch sein. Und selbst dann wird es auf den Paradestrecken des Rivalen schwierig.

Wenn Vettel nicht von einem Hamilton-Ausfall profitiert und die technischen Weiterentwicklungen von Ferrari nicht so einschlagen wie erhofft, sieht es düster aus. Riskante Manöver wie beim Start in Singapur darf sich der 30-Jährige jedenfalls definitiv nicht mehr leisten. Denn nur dann bleibt noch Raum für ein Wunder-Comeback.

Beitragsbild: Gettyimages