Neo-Altach-Coach Magnin: Mit Emotionen & Erfahrung gegen den Abstieg

Emotionalität und Erfahrung für den Kampf gegen den Abstieg: Der SCR Altach präsentierte heute den Schweizer Ex-Internationalen Ludovic Magnin als neuen Coach. Die Vorarlberger setzen damit auf einen zweifachen deutschen Meister – und einen Motivator an der Seitenlinie.

„Ich habe einfach einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, und da kann ich durchaus emotional werden“, stellte der 62-fache Nationalspieler in diesem April gegenüber transfermarkt.ch klar. In seiner Anfangszeit als Trainer musste Magnin so manche Spiele seines Teams von der Tribüne aus verfolgen – das soll ihm aber in Altach wenn möglich erspart bleiben: „Ich habe an mir gearbeitet, aber will mich auch nicht verstellen. Absolut ruhig sein – das werde ich nie lernen. Man muss authentisch dem Team gegenüber sein.“ Auch in jungen Jahren galt der langjährige Teamverteidiger als polarisierender Profi – ebenso wie als Fixgröße im „Nati“-Abwehrbund mit Ex-Arsenal-Spieler Philippe Senderos und dem ehemaligen Teamkapitän Patrick Müller.

https://www.skysportaustria.at/schweizer-magnin-wird-neuer-altach-cheftrainer/

In dieser Hinsicht setzt der ehemalige Profi von Werder Bremen und dem VfB Stuttgart auf sein Verständnis für junge und schwierige Spieler: „Ich bin ein Typ, der mit, wie man heute sagt, Problemspielern sehr gut umgehen kann. Weil ich als junger Spieler damals selber einer war. Da kann ich mich gut einfühlen. Nur mit Ja-Sagern wirst du keinen Blumentopf gewinnen.“ Nachdem Damir Canadi bereits im Sommer eine Verjüngung der Altacher Mannschaft vorgenommen hatte, wird Magnin auch hier an seine bewährte Linie anknüpfen: „Der FC Zürich kannte mich von der Akademie, wo ich zuvor fünf Jahre gearbeitet hatte. Ich kann gut mit jungen Spielern und habe keine Angst, sie ins kalte Wasser zu werfen.“

Doch Magnins Zeit beim FCZ bestand nicht nur aus der Förderung von Nachwuchsspielern: Begonnen bei der U17 arbeitete sich der Ex-Linksverteidiger rasch bis zu den Profis vor – und konnte im Frühjahr 2018 bereits wenige Monate nach Amtsantritt bei den Profis über den Cupsieg jubeln: Gegen die Young Boys Bern mit dem damaligen Trainer Adi Hütter gewannen die Zürcher den zehnten Pokal der Vereinsgeschichte. In der darauffolgenden Europacupsaison führte der zweifache EM-Starter und doppelte WM-Teilnehmer sein damaliges Team unter anderem nach einem Sieg über Bayer Leverkusen in die Zwischenrunde der Europa League.

Magnins Spielerkarriere: Vier große Turniere & zwei Meistertitel

108 Matches nach dem Amtsantritt endete sein Engagement beim FCZ nach elf Spielen ohne Sieg. Während Zürich zurück in die Erfolgsspur gelangte und mit sieben Punkten Vorsprung auf Basel als Erster überwintert, nahm sich der Schweizer Profi eine bewusste Auszeit, die mit dem neuen Jahr beim SCRA endet: „Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, um unser gemeinsames Ziel – den Klassenerhalt – im Frühjahr zu schaffen“, erklärt der Neo-Bundesliga-Coach in einer Aussendung.

In der Zwischenzeit versuchte sich der Trainer als TV-Experte und nahm sich auch dabei kein Blatt vor dem Mund. Aufgrund strittiger VAR-Entscheidungen plädierte er dafür, dass Schiedsrichter nach Spielende ihre Entscheidungen erklären sollten: „Ich erwarte, dass sie sich nach dem Spiel stellen und ihre Entscheidungen erklären. Die Fehler könnten besser nachvollzogen werden.“

Schönenberger & Koller bisherige Schweizer Trainer-Importe

Im österreichischen Profifußball waren Coaches aus dem westlichsten Nachbarland bislang eine Seltenheit. Der einzige Trainer in der Bundesliga-Ära trainierte ebenso die Altacher: Urs Schönenberger übernahm das Team aus dem Rheintal im September 2008, nach nur drei Siegen aus 15 Spielen endete die Amtszeit des Schweizers jedoch im Januar 2009. Zum Ende der Saison musste Altach absteigen – ein Misserfolg, den Magnin in jedem Fall vermeiden will.

https://www.skysportaustria.at/christoph-riegler-kehrt-in-die-bundesliga-zurueck/

Bekanntlich erfolgreicher verlief die ÖFB-Teamchef-Ära von Marcel Koller: In seinen sechs Jahren als Österreichs Teamchef beförderte der spätere Basel-Coach das Nationalteam in die Top Ten der Weltrangliste und fixierte die Teilnahme an der EM 2016.

Werbung

(Red.)

Beitragsbild: Imago.