Neue US-Frauen-Eishockeyliga startet – Vorfreude bei Schafzahl
Der Neujahrstag soll im nordamerikanischen Frauen-Eishockey auch den Beginn einer neuen Ära einleiten. Mit der Professional Women’s Hockey League (PWHL) startet der nächste Versuch, eine Profiliga zu installieren. Mit dabei ist auch eine Österreicherin, Theresa Schafzahl stürmt für das Team aus Boston. Das Eröffnungsbully der neuen Liga erfolgt am 1. Jänner zu Mittag in Toronto. Boston startet am 3. Jänner mit dem Heimspiel gegen Minnesota und gilt als einer der Favoriten.
Schafzahl, die mit 18 Jahren nach Nordamerika gegangen ist, hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Nach fünf Jahren an der University of Vermont verabschiedete sie sich aus Burlington und unterschrieb für Montreal Force in der Premier Hockey Federation. Wenige Wochen später wurde die Profiliga PHF aber eingestellt. Kurzerhand wurde mit der PWHL eine neue Liga aus dem Boden gestampft und die 23-Jährige von Boston gedraftet.
Schafzahl freut sich auf neue Liga
„Es war schwierig, weil man gar nicht gewusst hat, was als nächstes passiert. Irgendwie ist es traurig, dass man im Frauen-Eishockey auf alles gefasst sein muss. Schade, dass das heutzutage immer noch so ist“, sagte Schafzahl im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur.
Mittlerweile herrscht aber Vorfreude. Die linke Flügelstürmerin aus Weiz verpasste aufgrund von Visa-Problemen zwar das Vorbereitungscamp von Boston, kam aber rechtzeitig zur großen Zusammenkunft in Utica/New York. Dort absolvierten alle sechs Teams (Boston, Toronto, Ottawa, Montreal, New York, Minnesota) ein Trainingslager mit Testspielen untereinander. „Das war interessant und cool, es gab viele bekannte Gesichter. Und es waren vom Niveau her die besten Spiele, die ich jemals gespielt habe“, erklärte sie.
Die Dichte macht den Unterschied etwa zum College, wo sich die Spielerinnen auf rund 40 Mannschaften aufteilten. „Da war nicht jede auf Top-Niveau, in dieser Liga fällt das Niveau nicht ab. Man muss schneller Entscheidungen treffen, technisch sind alle besser. Das größte Problem bisheriger Ligen war, dass nie alle der besten Spielerinnen dabei waren. Jetzt auch noch nicht, weil auch viele Gute in Europa spielen. Aber das Niveau ist sicher höher als bei allen Ligen vorher. Das Beste vom Besten.“
Bei Boston ist das etwa US-Ikone Hillary Knight. „Knight und auch ein paar andere vom amerikanischen oder kanadischen Team kennt man. Aber ich habe noch nie gegen sie oder mit ihnen gespielt, jetzt ist es cool, mit ihnen auf dem Eis zu sein“, meinte Schafzahl. Man könne viel lernen, „aber man merkt, dass man auch mitspielen kann“.
Boston zählt zu den Favoriten
Von Experten wird Boston viel zugetraut, auch selbst hat man die Erwartung, vorne mitzuspielen. „Auf dem Papier ist unser Kader einer der stärksten“, sagte Schafzahl, die aktuell in der zweiten Linie zum Einsatz kommt. „Die ersten zwei Linien sind mehr für die Offensive verantwortlich, das Ziel ist, dort dabei zu sein.“ Referenzen bringt sie gute mit, war sie doch in vier vollen Saisonen in Vermont dreimal Topscorerin und zuletzt Kapitänin.
Boston spielt im Tsongas Center der University of Massachusetts in Lowell, rund 50 Kilometer nordwestlich von Boston. Mannschaften wie Toronto oder Minnesota spielen im Stadtzentrum und auch in NHL-Hallen. „Sie schauen, dass wir in großen Arenen spielen, auch vom Marketing wurde viel gemacht“, erzählt Schafzahl, die vor allem hofft, dass die PWHL langfristig funktioniert.
Denn die Geschichte der Frauen-Profiligen in Nordamerika ist auch eine des Scheiterns. Nachdem schon die NWHL (National Women’s Hockey League, 1999-2007) eingestellt worden war, kam im vergangenen Sommer das überraschende Ende der PHF (Premier Hockey Federation). Um dennoch Profi-Eishockey zu ermöglichen, wurde am 30. Juni die Gründung der PWHL bekanntgegeben. Es ist ein Start mit wenig Vorlaufzeit, einiges ist daher noch improvisiert. So haben die Mannschaften keinen Namen und keine Logos. Die sechs teilnehmenden Teams bestreiten im Grunddurchgang bis 5. Mai jeweils 24 Spiele, danach steigt das Play-off.
Für die A-WM der Frauen macht die Liga von 26. März bis 17. April Pause, auf die B-WM von 21. bis 27. April in Klagenfurt nimmt die PWHL wenig überraschend keine Rücksicht. Ob Schafzahl daher dem ÖEHV-Team beim Kampf um den erstmaligen Aufstieg in die Top-Etage helfen kann, ist fraglich. „Ganz sicher weiß ich es nicht. Weil es eine Heim-WM ist, würde ich wahnsinnig gerne dabei sein“, sagte Schafzahl, die Internationales Business studiert und per Fernstudium nächstes Jahr mit dem Master abschließen will.
(APA)
Bild: GEPA
