Neven Subotic: Der etwas andere Fußballprofi
Mit der Verpflichtung von Neven Subotic ist dem SCR Altach ein wahrer Transfercoup geglückt. Nicht nur sportlich dürfte der international erfahrene Verteidiger eine sofortige Verstärkung für die abstiegsbedrohten Altacher sein, auch menschlich kann man sich im Ländle auf eine große Persönlichkeit freuen.
Fußballerisch darf der 32-Jährige schon jetzt auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Als Jürgen Klopp im Jahr 2008 Mainz 05 verließ und sich dem BVB anschloss, brachte er den damals 19-jährigen Subotic als seinen absoluten Wunschspieler gleich mit zur Borussia.
Dort bildete er gemeinsam mit Mats Hummels über Jahre hinweg das jüngste und zugleich eines der besten Innenverteidiger-Duos der Liga. Gekrönt wurde die Subotic-Erfolgsstory beim BVB mit der Meisterschaft 2011 und dem Double 2012.
2013 erreichte er unter Klopp das Champions-League-Finale, wo die Schwarz-Gelben durch ein spätes Robben-Tor mit 1:2 gegen Dauerrivale Bayern München unterlagen.
Unter Klopp-Nachfolger Tuchel verlor Subotic dann jedoch seinen Stammplatz, nach einem halben Jahr Leihe zum 1. FC Köln kehrte der Serbe zunächst nach Dortmund zurück.
Doch auch unter dem nächsten Trainer Peter Bosz spielte der Abwehrspieler kaum mehr eine Rolle, sodass Subotic und der BVB nach fast zehn gemeinsamen Jahren getrennte Wege gingen.
Nach eineinhalb Saisonen bei AS Saint-Etienne in Frankreich kehrte Subotic 2019 zu Union Berlin in die Deutsche Bundesliga zurück, wo er mit 23 Einsätzen seinen Teil zum Klassenerhalt der Eisernen beitrug.
Auf ein gut viermonatiges Intermezzo beim türkischen Erstligisten Denizlispor folgte nun der Wechsel zum SCR Altach in die Tipico Bundesliga.
Auto verkauft, mit der S-Bahn zum Training
Im Ländle wartet auf die Altacher nicht nur ein erfolgreicher Fußballer, sondern zugleich ein etwas anderer Profi. Einer, der auch über den Tellerrand hinausblickt. Einer, bei dem die materiellen Dinge nicht oberste Priorität haben.
Eine Woche nach seiner Ankunft bei Union Berlin verkaufte Subotic sein Auto und fuhr nur noch mit der S-Bahn zu Training und Heimspielen.
„So fahre ich viel entspannter. Außerdem hilft es der Umwelt“, sagte Subotic dazu in einem „Welt“-Interview. „Wenn ich als Sportler so viel Gehör finde, kann ich das ja auch anders nutzen, als nur zu zeigen, was für ein tolles Auto ich fahre.“
Auf Luxusartikel, teure Autos oder Tattoos kann Subotic verzichten – bei ihm stehen andere Werte an erster Stelle. Wichtig seien ihm „ein reines Gewissen, Freunde um mich herum, auf die ich zählen kann“, wie er einst in einem „taz“-Interview erklärte.
Brunnen bauen für Äthiopien
Dass Subotic auch ein Auge für das große Ganze hat, beweist sein Engagement in Äthiopien. 2012 gründete er im Alter von 23 Jahren die Neven Subotic Stiftung.
Mit den Geldern aus der Stiftung baut Subotic in Äthiopien – einem der ärmsten Länder der Welt -Trinkwasserbrunnen. Durch sein Engagement konnte er bereits über 80.000 Menschen in Äthiopien Zugang zu sauberem Trinkwasser schenken.
„Ich glaube, dass man die Wurzeln, also in dem Fall die Kinder, pflegen und stärken muss, um das Land weiterzubringen. Das Wasser ist ja da, doch es fehlen hier einfach die nötigen Hilfsmittel, um es über 50 Meter aus dem Boden an die Oberfläche zu bringen. Dabei helfen wir mit unserem Stiftungsvermögen“, erklärte Subotic in einem Gespräch mit dem Portal „Urlaubsguru“.
Das typische Leben als Fußballprofi – Subotic „will es halt nicht“
Natürlich gebe es Fußballerkollegen, „die das nicht verstehen“, sagte Subotic über sein außergewöhnlich „normales“ Leben in der Blase Profifußball. „Wenn sie mir empfehlen, mal etwas Anderes zu machen, kann ich ihnen sagen ‚Hab ich leider alles schon gemacht – und ich will es halt nicht“, sagte Subotic.
Auch Dingen wie den sozialen Medien schenkt Subotic relativ wenig Beachtung. Wenn er sie nutzt, dann vorwiegend um auf seine Stiftung aufmerksam zu machen. Subotic‘ sparsamer Social-Media-Umgang ist schon allein daran zu erkennen, dass auf seinem Instagram-Profil noch immer Denizlispor als Verein angegeben ist und der letzte Eintrag vom Februar 2019 in einem Saint-Etienne-Trikot stammt.
Subotic will in Altach jungen Spielern helfen
Bei Altach absolvierte Subotic am Freitag seine erste individuelle Trainingseinheit, ab nächster Woche soll dann der Einstieg ins Mannschaftstraining erfolgen. Im Anschluss sprach Subotic in einer Presserunde auch über seinen Wechsel und die Ziele mit dem Tabellenvorletzten der Tipico Bundesliga.
„Ich glaube der Verein hat mich nicht ausschließlich aufgrund meiner spielerischen Qualitäten verpflichtet, sondern auch dafür, dass ich gerade den jungen Spielern als Leitfigur diene“, wird Subotic auf der Altacher Vereins-Homepage zitiert.
„Wenn ich den Verein irgendwann verlasse, möchte ich, dass man sagen kann, dass die Mannschaft von mir profitieren konnte. Nicht nur, was die reinen sportlichen Ergebnisse angeht, sondern vor allem auch die Entwicklung der jungen Spieler“, erklärte Subotic.
„Wie bei all meinen Stationen ist es auch hier mein Ansatz, das Maximum herauszuholen. Ich möchte irgendwann zurückschauen können und sagen, das war eine tolle Zeit. Auch die Tatsache, dass du hier sogar im unteren Playoff noch die Möglichkeit hast, wirklich etwas zu erreichen, hat diese Herausforderung zu einer sehr reizvollen für mich gemacht“, sagte Subotic.
Bild: GEPA

