„Niemals aufgeben“: Kroatiens verrückte WM-Serie geht weiter
Nationalheld Luka Modric fasste Kroatiens WM-Gefühl in einem Tweet zusammen. „Niemals. Aufgeben“, schrieb der 37-Jährige nach dem überraschenden Weiterkommen im Viertelfinale über Topfavorit Brasilien.
Das packende 4:2 im Elfmeterschießen folgte auf einen 120-minütigen Kampf, bei dem die Kroaten nach einem Tor Neymars in der Verlängerung schon zurücklagen, aber wieder einmal die Wende schafften. Die Kicker aus der 4-Millionen-Einwohner-Nation haben einen Lauf wie 2018.
Zum dritten Mal nach 1998 und 2018 steht Kroatien in einem WM-Halbfinale. Dabei gab es seit 24 Jahren bei der WM keinen K.o.-Sieg in der regulären Spielzeit mehr. Vor vier Jahren ging Kroatien dreimal über die Verlängerung, um ins schlussendlich verloren gegangene Endspiel gegen Frankreich (2:4) vorzustoßen. Die „Vatreni“ haben aktuell schon wieder zwei 120-Minuten-Spiele in den Beinen. „Jetzt müssen wir dieses Spiel so schnell wie möglich vergessen, obwohl wir vielleicht die beste Mannschaft des Turniers geschlagen haben. Wir haben nur vier Tage, wir dürfen nicht viel Energie auf das Feiern verschwenden“, sagte Flügelstürmer Ivan Perisic.
„Haben einen Weltklasse-Torhüter“
Dass es nun gegen Japan und Brasilien schon wieder zweimal vom Punkt klappte, überraschte die Kroaten kaum. „Ich war ziemlich sicher, wir werden das wieder schaffen. Weil wir einen Weltklasse-Torhüter haben. Zudem haben sich sieben, acht Schützen gemeldet, die schießen wollten. Das zeigt den Charakter dieser Mannschaft“, sagte Co-Trainer Ivica Olic. Zum Held wurde Dominik Livakovic, der gegen Rodrygo hielt. Nachdem alle vier kroatischen Schützen trafen, schoss Brasiliens Marquinhos an die Stange.
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„Wir sind total erfahren bei Elfmeterschießen, das ist unser Erfolgsrezept“, sagte Livakovic. Der 27-Jährige sah vor vier Jahren in Russland zu, wie Danijel Subasic zum Elferheld wurde. Nun ist er es selbst. Gegen Japan hielt der Tormann von Dinamo Zagreb schon drei Elfmeter, am Freitag vereitelte er davor Großchancen von Neymar und Co. Hinten dicht machen und vorne auf einen guten Moment hoffen, lautete die Devise. Nach Neymars Traumtor schien Kroatiens Aus angerichtet, „Joker“ Bruno Petkovic (117.) gelang per abgefälschtem Schuss aber der kaum noch für möglich gehaltene Ausgleich.
„Nur Kroaten können das. Wir haben starke Charaktere, wir geben nicht auf“, sagte Dalic. Den Eindruck, Kroatien sei zu alt, konnte man in der Gruppenphase zwar zeitweise bekommen. Doch das eingespielte Ensemble hat sich wieder einmal rechtzeitig gesteigert. Nicht nur der 37-jährige Modric gibt wieder eine Art Stehaufmännchen. Der Kapitän hielt anders als gegen Japan diesmal durch und verwertete im Elferschießen sicher. „Er war nicht müde. Wir haben ihn gefragt und er war voll bereit“, so Dalic.
Einzige Niederlage gegen Österreich
Verlieren kann Kroatien in der Überstunde dennoch. Bei der EM im Vorjahr war im Achtelfinale gegen Spanien mit einem 3:5 nach Verlängerung Endstation. Seitdem sind die Karierten aber nur schwer zu schlagen. Gelungen ist dies in den vergangenen 15 Monaten nur einem Team: Österreich siegte in der Nations League im vergangenen Juni auswärts mit 3:0.
Livakovic, Lovren und Perisic waren damals nicht dabei, Modric wurde nach einer Stunde eingewechselt. Es war die einzige Niederlage in den vergangenen 21 Auftritten in Pflicht- und Freundschaftsspielen.
(APA)/Bild: Imago