Nordische Kombination bangt weiter um Olympia-Zukunft
Für die Nordische Kombination geht es bei den Olympischen Spielen in Italien auch um ihre Zukunft. Noch ist offen, ob die Sportart aus Skispringen und Langlauf in vier Jahren im Zeichen der Fünf Ringe vertreten ist.
Die rot-weiß-roten Kombinierer um Johannes Lamparter geben sich optimistisch, die noch immer fehlende Startberechtigung für Frauen bei den Winterspielen sorgt aber für Unmut. Das IOC will nach der Saison mit den Eindrücken aus Italien eine Entscheidung treffen.
„Wir sind uns der Herausforderungen bewusst, vor denen die Nordische Kombination sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen steht“, sagte IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey kürzlich. Unter anderem sorgt sich das Internationale Olympische Komitee um die Nationenvielfalt – Österreich, Deutschland und Norwegen dominieren bei den Männern mit Abstand den Nationencup – und um die Beliebtheit bei den Zuschauern. „Wir werden alle Informationen und Daten von MilanoCortina2026 in unsere Entscheidung für 2030 einbeziehen“, betonte Ducrey. Dazu zählen TV-Quoten, Zuschauerzahlen, aber auch Reichweiten von Instagram-Postings.
Lamparter bleibt positiv
Das IOC wolle ein Gefühl dafür bekommen, wie sich die Disziplin seit 2022 entwickelt habe, ergänzte Ducrey. Lamparter betonte, keine Bedenken und Ängste zu haben. „Ich sehe das Ganze sehr positiv. Der Sport entwickelt sich mega, es gibt so viele verschiedene Sieger und Nationen wie noch nie“, sagte der Gesamtweltcupführende im APA-Gespräch. „Jeder tut alles dafür, damit sie olympisch bleibt.“ Für den Tiroler gebe es keinen Grund, sich überhaupt Gedanken zu machen. „Ihre Argumente verstehe ich nicht. Im Langlauf sind die Norweger auch oft Erster bis Siebenter.“
Teamkollege Stefan Rettenegger sieht es ähnlich. „Die Nordische Kombi muss olympisch bleiben. Im nordischen Bereich können wir alles, aber wir haben es leider nicht in der Hand“, sagte der Salzburger. Für ÖSV-Cheftrainer Christoph Bieler ist der Blick in die Zukunft ein unguter. „Unsere drei Olympia-Athleten sind jung. Sie haben noch eine lange und große Zukunft vor sich. Es ist nicht angenehm, wenn man nicht weiß, ob einem in näherer Zukunft der Boden unter den Füßen weggezogen wird“, sagte der Team-Olympiasieger von 2006.
Stecher „hundertprozentig“ von Olympia-Zukunft überzeugt
Sein damaliger Mannschaftskollege Mario Stecher, der 2010 ebenfalls Olympia-Gold mit dem Team gewann, ist zuversichtlich. Der ÖSV-Sportdirektor sei „hundertprozentig“ davon überzeugt, dass die Nordische Kombination 2030 bei Olympia dabei sein wird. Während der Vierschanzentournee betonte Stecher, dass auch von der FIS der Ernst der Lage erkannt worden sei und über mögliche neue Wettkampf-Formate nachgedacht werde.
Auch bei den Frauen gehe etwas weiter, bemerkte Lamparter, vor allem im Vergleich mit 2020. Bieler stimmte seinem Schützling zu. „Die Entwicklung gerade im Damensport ist eine unglaublich positive.“ Den Kombinierern müsse man ähnlich wie bei den Skispringerinnen die nötige Zeit geben. Lisa Hirner, die sich ihren Olympia-Traum als Spezialspringerin erfüllte, muss in Predazzo ihren männlichen Kollegen bei der Medaillenjagd zuschauen. „Dass die Männer da sein dürfen und wir nicht, das tut sehr weh. Wir präsentieren uns brutal gut, haben gute Zuschauerzahlen und Einschaltquoten“, sagte die Steirerin.
Lamparter werde sich nach der Saison jedenfalls Gedanken machen, im Notfall um seine berufliche Zukunft. „Habe ich noch eine Zukunft, habe ich meine Sportart? Oder muss ich mir vielleicht einen neuen Job suchen?“
(APA) / Artikelbild: GEPA
