ÖFB-Frauen machten mit Mühe „ersten Schritt“ Richtung WM
Für Österreichs Frauen-Fußball-Nationalteam stimmt der Kurs in Richtung 2. Playoff-Runde zur WM 2027 in Brasilien. Die ÖFB-Auswahl konnte im Erstrunden-Hinspiel am Freitag in Pristina gegen den Kosovo zwar nicht glänzen, hat nach einem spät fixierten 2:1 nach frühem 0:1-Rückstand aber alle Trümpfe in der Hand. „Das Spiel so zu drehen, zeugt von Mentalität. Der erste Schritt ist getan“, resümierte ÖFB-Rückkehrerin Sarah Zadrazil. Am Dienstag folgt die Retourpartie in Wien.
ÖFB-Coach Lars Söndergaard hatte vor der individuellen Qualität und der Konterstärke des Kosovo gewarnt und wurde im Stadiumi Fadil Vokrri schon in der 14. Minute in seinen Aussagen bestärkt. Mit Eintracht Frankfurts Ereleta Memeti schockte die am Papier beste Spielerin der Heimischen nach einem Bilderbuch-Gegenstoß die Österreicherinnen. Die ließen in der Folge bei schlechten Platzverhältnissen keine weitere Großchance der Kosovarinnen zu, taten sich aber extrem schwer, den gegnerischen Abwehrriegel aus dem Spiel heraus zu knacken. Einmal klappte es vor der Pause trotzdem, als Louise Schöffel (37.) glücklich eine Hanshaw-Hereingabe zum Ausgleich ins Netz beförderte.
Schöffel freute sich über Teamleistung mehr als über Tor
Die Außenspielerin von Austria Wien hatte sich mit starken Leistungen in der Champions League für ihren ÖFB-Startelfeinsatz empfohlen, ihr viertes Länderspiel wird der 24-Jährigen lange in Erinnerung bleiben. „Ich freue mich insgesamt über die Teamleistung, wie wir aufgetreten sind, mehr als über das Tor“, betonte Schöffel. Am entscheidenden Treffer (81.) war sie nicht beteiligt, den leitete Jennifer Klein mit einer Flanke in den Lauf von Nicole Billa ein, die zuerst die Latte traf und bei ihrem zweiten Kopfballversuch via Abstauber erfolgreich war. Für die Tirolerin endete eine lange Durststrecke, es war ihr erstes Tor seit einem Triplepack beim 10:0 in der WM-Qualifikation in Wiener Neustadt gegen Nordmazedonien am 6. September 2022.
„Natürlich tut es einer Stürmerin gut, wenn sie nach so langer Zeit im Nationalteam wieder einmal trifft und noch dazu der Mannschaft damit so helfen konnte“, sagte die Stuttgart-Stürmerin. Ihre Kolleginnen freuten sich „sehr“ mit ihr. Mit nun 48 Toren in 110 Länderspielen rückte Billa ÖFB-Rekordtorschützin Nina Burger (53) etwas näher. Das, nachdem sie auch in der dritten Partie unter Söndergaard, der das 2:1 als „schöne Einzelaktion“ bezeichnete, als „Jokerin“ gekommen war. Diesmal schon ab Minute 62. „Es war ein sehr knappes Ergebnis, sonst hatten wir aber über 90 Minuten viel Spielkontrolle und Ballbesitz. Es ist wichtig, dass wir die drei Punkte geholt haben.“
Bessere Platzverhältnisse in Wien ÖFB-Vorteil
Söndergaard freute sich nicht nur über den Auswärtssieg, sondern vor allem auch über die Comeback-Qualitäten. „Es war ganz wichtig zu sehen, dass wir ein Team sind. Wir sind geduldig geblieben und haben Ruhe bewahrt“, fasste der Däne zusammen. Im Stadion Sport-Club-Platz darf nun nichts mehr schiefgehen. „Dieser Sieg gibt selbstverständlich Rückenwind und Selbstvertrauen“, betonte der 67-Jährige. Die deutlich besseren Platzverhältnisse in Wien sprechen auch klar für einen besseren Auftritt der Heimischen. „Wir müssen noch schneller spielen, das können wir auch auf einem super Platz“, meinte Söndergaard.
Laut Marie-Therese Höbinger, die wie Sarah Zadrazil ihr ÖFB-Comeback nach Kreuzbandverletzung gab, werde es zu Hause „leichter fallen, den Ball zu bewegen und unsere Stärken auszuspielen“. Laut Billa müsse man die Positionen besser halten, sich noch mehr Chancen erarbeiten und diese konsequenter nutzen. Der Gegner wird seine Kontertaktik wohl nicht abändern. Mit der diesmal nur spät gekommenen Modesta Uka könnte die Topspielerin von Austria Wien aber in der Startelf stehen. „Wir müssen höllisch aufpassen“, warnte Söndergaard. Auf die 2. Runde, in der die Schweiz warten wird, vorausblicken wollte im ÖFB-Lager auch deshalb noch niemand. „Wir schauen von Spiel zu Spiel“, behalf sich Kapitänin Sarah Puntigam einer Phrase.

