ÖFB-Team: Gregoritsch will in große Fußstapfen treten

via Sky Sport Austria

Wien (APA) – Mit der erstmaligen Einberufung in Österreichs Fußball-Nationalteam hat Michael Gregoritsch eines seiner großen Ziele erreicht. “Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen, und das ist keine Floskel”, betonte der Steirer am Mittwoch in Wien. Als ihn Coach Marcel Koller am Dienstag vergangener Woche über die Nominierung informierte, habe er sich “gefreut wie ein kleines Kind”, sagte der HSV-Legionär.

Bei seinem Club bekleidet der 22-Jährige eine Position hinter der Spitze, in der ÖFB-Auswahl hingegen ist er von Koller als Mittelstürmer vorgesehen – also in jener Rolle, die in den vergangenen Jahren praktisch durchgehend von Marc Janko übernommen wurde.

Für den um elf Jahre älteren Basel-Goalgetter hegt Gregoritsch große Bewunderung. “Es sind viele Stürmer hinter ihm gekommen und gegangen, er hat sich immer gehalten. Deshalb sind das riesige Fußstapfen, in die ich treten soll”, erklärte der Offensivspieler.

Lernen könne er von Janko vor allem das “Knipsen”, gab Gregoritsch zu Protokoll. “Man schaut im Training schon immer mit einem Auge auf ihn und versucht, so viel wie möglich aufzunehmen.”

Im Gegensatz zu Janko ist Gregoritsch aber nicht auf die Rolle des Mittelstürmers festgelegt. “Ich sehe mich im offensiven Zentrum, ob als Spitze oder Zehner ist mir persönlich egal. Und ich kann auch über außen spielen.”

Auch aufgrund dieser Flexibilität macht sich Gregoritsch im ersten WM-Qualifikationsspiel am Montag in Tiflis gegen Georgien Hoffnungen auf sein A-Team-Debüt. “Ich glaube nicht, dass ich als Trainingsgast einberufen worden bin. Deshalb bereite ich mich so vor, dass ich zum Einsatz kommen könnte.”

Was Koller in diesem Fall von ihm verlangen würde, weiß Gregoritsch spätestens seit einem speziellen Taktik-Training, in dem der Schweizer alle Kader-Neulinge mit seiner Spielidee intensiv vertraut machte. Dabei handle es sich um “brutales Angriffspressing. Es geht nicht darum, den Verteidiger nur anzutraben, sondern den Ball so früh wie möglich abzufangen. Wie man in der EM-Qualifikation gesehen hat, funktioniert diese Idee, deshalb vertraue ich dem Trainer blind”, betonte Gregoritsch.

Mit Koller machte der Stürmer erstmals auf dem Platz Bekanntschaft, davor wurde er auf ÖFB-Ebene zuletzt von seinem Vater Werner Gregoritsch bei der U21-Auswahl betreut. “Es gibt schlimmere Sachen, als wegen des A-Teams nicht mehr in der U21 unter meinem Vater zu spielen”, sagte Gregoritsch junior und ergänzte: “Ich habe schon in den letzten Jahren in Deutschland bewiesen, dass ich nicht nur unter seinen Fittichen funktioniere.”

Obwohl die Hamburger im Sommer den einen oder anderen namhaften Kicker geholt hatten, stand der Neo-Teamspieler beim deutschen Großclub in beiden bisherigen Pflichtspielen in der Startformation – sehr zur Überraschung von deutschen Medien, die Gregoritsch offenbar keinen Stammplatz zugetraut hätten. “Die haben ein bisschen auf mich vergessen”, schmunzelte der Ex-Kapfenberg-Profi. “Aber jetzt bin ich in der Mannschaft drin, und das Trainerteam und der ganze Verein geben mir viel Vertrauen.”

 

Nationalteam-Rücktritt für Harnik kein Thema

Martin Harniks Nominierung für das Fußball-WM-Qualifikationsspiel des ÖFB-Teams am Montag in Tiflis gegen Georgien ist wohl auch der Club-Wahl des 29-Jährigen geschuldet. Der Offensivspieler entschied sich im Sommer gegen einen Wechsel zum chinesischen Verein Shandong Luneng und ging stattdessen zum deutschen Zweitligisten Hannover 96.

“Das Angebot von Shandong war finanziell unglaublich, aber ich hätte auch einiges zurücklassen müssen, wahrscheinlich auch meine Karriere in der Nationalmannschaft”, vermutete der Familienvater.

Doch während Christian Fuchs nach der EM seinen Rücktritt von der ÖFB-Auswahl erklärte, kam ein solcher Schritt für Harnik nicht infrage. “Ich bin unglaublich froh, die Möglichkeit zu haben, Österreich international zu vertreten. Eine Nationalteamkarriere ist zu kurz, um sie vorzeitig zu beenden.”

An dieser Ansicht änderte auch das enttäuschende EURO-Abschneiden nichts. Vielmehr gelte es, die richtigen Lehren aus der Endrunde in Frankreich zu ziehen. “Wir müssen diese Erfahrungen positiv für uns nützen”, forderte Harnik und zog sein persönliches EM-Resümee: “Sehr viele Spieler haben nicht die Leistung gebracht, die sie bringen können, auch ich nicht. Ich hatte ein sehr schlechtes Match gegen Ungarn, ein passables gegen Portugal und gar keines gegen Island.”

Diese Bilanz verhinderte wohl einen spektakuläreren Transfer, obwohl Harnik nach eigenen Angaben auch Angebote von deutschen Erstligisten vorlagen. Dennoch gab er Hannover den Vorzug und bereute diese Entscheidung nicht. “Meine Familie und ich fühlen uns dort unglaublich wohl.”

Zwar fehle es in der 2. Liga an absoluten Top-Teams wie Bayern oder Dortmund, doch auch die bisherigen Partien gegen Kaiserslautern, Greuther Fürth und Bochum hätten es in sich gehabt. “Das waren Spiele auf Bundesliga-Niveau”, betonte Harnik.

Der 60-fache Internationale (14 Tore) wurde in diesen Matches zweimal ein- und einmal ausgewechselt. Inklusive Cup hält Harnik nach vier Pflichtspielen für seinen neuen Verein bei zwei Toren und einem Assist. Trotz dieses Leistungsnachweises ist es nicht ausgeschlossen, dass der gebürtige Deutsche im Rennen um einen Platz in der Startformation in Tiflis gegen Louis Schaub oder Marcel Sabitzer den Kürzeren zieht. “Aber Nationalteam bedeutet immer Konkurrenzkampf”, sagte Harnik.

Bild: GEPA