Nur wenige Wochen nach den Olympischen Spielen trifft sich die Weltelite der Eiskunstläufer*innen in der O2 Arena in Pra

Mikutina bei Eiskunstlauf-WM: „Bin stolz, Österreich zu repräsentieren“

Wenn in Österreich vom Wintersport die Rede ist, dominieren meist Ski alpin, Skispringen oder Biathlon die Berichterstattung. Eiskunstlauf hingegen bleibt oft im Schatten – zu Unrecht, denn kaum eine Sportart vereint so viel Athletik, Präzision und Kunst.

Olga Mikutina lässt sich aber nicht einschüchtern, denn die Liebe zum Sport ist größer als alles andere, äußert sie in einem exklusiven Sky-Interview: „Ich habe vor meinen Bewerben keine Angst – warum sollte ich auch? Ich fühle mich sehr gut und ich habe eine Methode gefunden mir weniger Druck zu machen. Ich genieße es einfach.“

Starkes rot-weiß-rotes Team

Nur wenige Wochen nach den Olympischen Spielen in Milano/Cortina trifft sich die Weltelite in der O2 Arena in Prag. Für Österreich gehen vier Athlet*innen an den Start: Olga Mikutina, Maurizio Zandron sowie das Paarlauf-Duo Gabriella Izzo und Luc Maierhofer.

Bereits am Mittwoch gelang Mikutina als 16. des Kurzprogramms der Sprung in die Kür der Top 24. Mit 60,11 Punkten blieb sie zwar unter ihrem Olympiawert, doch die Grundhaltung ist positiv. An der Spitze liegt aktuell Japans Kaori Sakamoto vor Mone Chiba und der US-Amerikanerin Amber Glenn.

Auch das Paarlauf-Duo Izzo/Maierhofer qualifizierte sich für die finale Kür als 19. von 21 Paaren mit 58,22 Punkten. Für beide ist diese WM ein weiterer wichtiger Schritt Richtung Olympia 2030.

Mikutina voller Freude auf die große Bühne

Die 22-Jährige führt die österreichische Delegation an und das mit viel Selbstvertrauen. Nach einer starken Olympia-Performance, inklusive neuer Saisonbestleistung (185,59 Punkte), zeigt sie sich gereift und mental gefestigt.

Im Gespräch wirkt Mikutina gelassen, aber gleichzeitig voller Vorfreude auf die morgige Kür: „Ich bin ein bisschen nervös, aber ich verspüre viel mehr Freude. Wenn ich auf der Bühne bin, kann ich diese Nervosität in Energie umwandeln.“. Druck verspüre sie kaum: „Es ist das, was ich gerne mache.“

Mit einem Mentalcoach habe sie gelernt, sich weniger zu verkopfen und eine innere Ruhe zu finden.

Eine Sportlerin mit zwei Kulturen im Herzen

Mikutina begann mit vier Jahren in Charkiw mit dem Eiskunstlaufen, obwohl ihre Eltern sie ursprünglich zum Tanzen schicken wollten. Die Eishalle lag am anderen Ende der Stadt: „Man musste eine Stunde mit den Öffis hinfahren, aber das war es mir wert.“

Mit zwölf zog sie nach Vorarlberg, weil sie unbedingt mit ihrer Trainerin arbeiten wollte: „Es war nicht einfach, Schule und Training in Feldkirch zu kombinieren, aber ich wollte unbedingt mit Elena Romanova trainieren.“

Für die junge Athletin ist es etwas Positives zwischen den Welten zu leben: „Ich habe die Ukraine im Herzen und konnte viel von der Kultur mitnehmen, sowie die ukrainische Mentalität. Mittlerweile habe ich aber auch viel Österreichisches in mir. Ich bin stolz, Österreich zu repräsentieren. Der Verband unterstützt mich und ich habe mittlerweile viele Fans hier.“

Mehr als Sport – ein Blick hinter die Kulissen

Ihre familiäre Situation bleibt emotional herausfordernd. Der Großvater lebt in einem von Russland annektierten Gebiet. Der Kontakt ist schwierig, das Netz schlecht. „Ich habe akzeptiert, dass ich nichts ändern kann. Es ist schlimm, was dort passiert.“ Auf dem Eis gelingt ihr dennoch der Fokus: „Bei meiner Performance bin ich immer ganz bei mir.“

Neben dem Sport studiert sie BWL an der Montclair State University. Während der Studienzeit lebt sie in den USA, trainiert dort und kommt in den Ferien nach Österreich zurück. Ihr Ziel ist klar: sportlich neue Elemente erlernen, persönlich ihr Studium abschließen. Denn Einkommen bringt der Sport keines: „Meine Reisen und Trainings werden vom Verband bezahlt, aber verdienen tue ich dabei nicht.“

Mikutina denkt über die Zukunft nach: Ein Studium soll ihr später Möglichkeiten öffnen, denn eine Eislaufkarriere ist begrenzt. Während sie noch viele Ziele vor sich hat, steht einer ihrer Teamkollegen bereits an einem ganz anderen Punkt seiner Laufbahn.

Zandron – Ein emotionaler Abschied

Für Maurizio Zandron wird die WM zu einer besonderen Bühne: Es wird seine letzte Weltmeisterschaft. Der 32-jährige Tiroler blickt auf eine Karriere zurück, die von künstlerisch ausdrucksstarken Programmen geprägt wurde. Für Prag wählte er bewusst jene Stücke, die ihn über die Jahre begleitet haben – ein leiser, aber würdevoller Abschied von der internationalen Bühne.

Warum Österreich mehr auf diesen Sport schauen sollte

Eiskunstlauf bleibt ein Extrem-Sport: vielfache Sprünge, komplexe Schrittfolgen, choreografische Präzision – kombiniert mit mentaler Belastung, die oft unterschätzt wird. Österreichs Athlet*innen investieren tausende Trainingsstunden und kämpfen trotz teils schwieriger Infrastrukturbedingungen.

Mikutina formuliert es klar: „Das Ziel wäre es, eine geschlossene Eishalle in allen Bundesländern zu haben, damit alle Kinder die Möglichkeit haben, das ganze Jahr über zu trainieren.“

Mit Persönlichkeiten wie Mikutina, Zandron, Izzo und Maierhofer zeigt das Land, dass es internationale Qualität besitzt und dass Eiskunstlauf eine Bühne verdient, die größer ist als bisher.

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Beitragsbild: Imago