ÖSV-Adler blicken nach Tournee positiv Richtung Olympia

Nach dem Happy End bei der Vierschanzentournee gibt es bei den österreichischen Skispringern trotz des verpassten Gesamtsieges durchwegs zufriedene Gesichter: Daniel Tschofenig sprang beim Finale in Bischofshofen wie schon bei seinem Tournee-Triumph im Vorjahr auf das oberste Podest, in der Gesamtwertung belegten mit Jan Hörl und Stephan Embacher zwei ÖSV-Adler die Plätze zwei und drei. Einzig der siegreiche Slowene Domen Prevc war beim Schanzen-Spektakel außer Reichweite.

Tschofenig bescherte den Österreichern mit seinem zehnten Weltcup-Erfolg den einzigen Tagessieg bei der 74. Tournee-Ausgabe und fand nach für ihn schwierigen Wochen wieder zurück auf die Siegerstraße. „Es war schon ein versöhnlicher Abschluss“, sagte der Kärntner, der zum Auftakt in Oberstdorf noch Zweiter geworden war, sich mit einem neunten Platz beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen aber aus dem Kampf um den Gesamtsieg verabschiedete. „Man darf echt nicht meckern. Die anderen waren konstanter und besser, das muss ich hinnehmen“, ergänzte der Gesamt-Siebente, nachdem er sich von Freundin und Glücksbringerin Alexandria Loutitt ein Siegerbussi abgeholt hatte.

Hörl nahm zweiten Gesamtrang „mit Handkuss“

Lokalmatador Hörl verpasste in Bischofshofen den angepeilten Heimsieg vor der Haustüre als Vierter knapp, in der Tournee-Gesamtwertung wurde der Pongauer zum zweiten Mal hintereinander Zweiter. „Es muss sehr viel zusammenpassen, dafür sind mir zu viele Fehler passiert. Aber vor der Tournee habe ich mit Top-15-Platzierungen gekämpft, jetzt bin ich dreimal Vierter und einmal Zweiter geworden“, blickte Hörl zufrieden zurück. „Das ist Jammern auf hohem Niveau. Ich nehme den zweiten Gesamtplatz mit Handkuss.“

Auch Embacher war „richtig glücklich“ über eine unerwartet starke Tournee. „Das war ein Wunschszenario und es ist aufgegangen“, sagte der Tiroler, nachdem er von Mentor Gregor Schlierenzauer in der Mixed Zone geherzt worden war. „Ich bin richtig stolz, Teil dieses Teams zu sein“, ergänzte der Stams-Schüler. Für Mittwoch erhielt der 19-Jährige schulfrei. Andreas Widhölzl war nach einem „erfolgreichen Tag“ zufrieden, fünf seiner Schützlinge landeten auf der Paul-Außerleitner-Schanze in den Top sieben. „Man sieht, dass wir nach wie vor die stärkste Nation sind“, betonte der ÖSV-Cheftrainer.

ÖSV zog den Hut vor Prevc

Der stärkste Springer rund um den Jahreswechsel war aber Prevc, der sich mit einem Vorsprung von 42,3 Punkten erstmals den goldenen Adler schnappte. „Größten Respekt, er hat verdient gewonnen“, sagte Widhölzl. „Wir sind Zweiter und Dritter in der Gesamtwertung, was sehr gut ist. Aber es war einer besser.“ Mario Stecher zog ebenfalls den Hut vor dem Weltcup-Dominator, der in Bischofshofen Zweiter geworden war. „Das muss man dem Überflieger auch vergönnen. Er war heuer einfach in einer unglaublich guten Form und die Spur besser als alle anderen“, analysierte der ÖSV-Sportdirektor, der sich am Dreikönigstag über ein „megamäßiges“ Ergebnis der rot-weiß-roten Skispringer freute.

Prevc sei aber schlagbar, ergänzte Widhölzl mit Blick auf die Skiflug-WM in Oberstdorf (23. bis 25. Jänner) und Olympia in Italien (6. bis 22. Februar). Für die Winterspiele darf der Tiroler nur vier Springer nominieren. „Das ist ein bissl bitter“, monierte Widhölzl, grundsätzlich würden sich die Athleten aber sowieso selbst aufstellen. Mit dem zweifachen Saisonsieger Tschofenig, Hörl, Embacher sowie Falun-Sieger Stefan Kraft, der nach Problemen bei der Tournee als Sechster in Bischofshofen wieder in der Weltspitze mitsprang, hat ein Quartett momentan die Nase vorne.

Kraft und Tschofenig könnten in Zakopane pausieren

Weiter geht es für die ÖSV-Adler bereits am Wochenende mit dem Weltcup in Zakopane. In Polen steht ein Super-Team-Bewerb und nur eine Einzel-Konkurrenz auf dem Programm. Deswegen werde Kraft wohl aussetzen, erklärte Widhölzl, „weil er ein bisschen kämpft.“ Auch bei Gesamtweltcupsieger Tschofenig steht eine kurze Wettkampfpause im Raum, um kleinere Probleme mit zusätzlichen Trainingseinheiten auszumerzen. In Bischofshofen ließen die Österreicher den Abend mit einer kleinen Verabschiedung des zurückgetretenen Team-Olympiasiegers Daniel Huber ausklingen. „Vielleicht werden wir uns da ein Kaltgetränk gönnen“, sagte Tschofenig und lachte.

Ähnlich legte es Prevc an, der im Auslauf von Tausenden Fans aus seiner Heimat frenetisch bejubelt worden war. Die „Domen, Domen“-Sprechchöre und das slowenische Fahnenmeer im Salzburger Land genoss der Weltmeister in vollsten Zügen. „Der letzte Sprung war wirklich hart. Ich bin überwältigt von all diesen Emotionen“, sagte der 26-Jährige, der sich zehn Jahre nach seinem Bruder Peter ebenfalls die Tournee-Krone aufsetzte. „Ich bin stolz und erleichtert, dass er es geschafft hat“, betonte Peter überglücklich.

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(APA) Foto: GEPA