ÖSV-Team trotz Blech gegen Aus von Parallel-Bewerb
In Méribel ist wahrscheinlich zum letzten Mal bei einer Ski-WM der alpine Team-Wettbewerb als Parallel-Show abgefeiert worden. „Ich gehe einmal davon aus, dass man sich von dieser Parallel-Geschichte doch verabschieden wird“, sagte ÖSV-Alpinchef Herbert Mandl. Während die meisten Verantwortlichen diesbezüglich d’accord gehen, outeten sich die rot-weiß-roten Läufer als Fans des aktuellen Formats. Und das obwohl die Abschiedsvorstellung nur den vierten Platz brachte.
„Blech ist nie witzig“, brachte es Franziska Gritsch am Dienstag auf den Punkt. Stefan Brennsteiner nahm die Schuld für die verpasste Medaille sofort auf sich und sagte, im Finale und Halbfinale habe er ausgelassen. Bei Olympia-Gold in China im Februar 2022 war der Salzburger noch der Fels in der Brandung gewesen und hatte alle seine drei Duelle gewonnen. Diesmal offenbarten alle aus dem ÖSV-Team Schwächen und gaben Punkte her.
Gritsch verhindert Kollision
Brennsteiner und WM-Newcomerin Julia Scheib hatten neben zwei Siegen eben auch zwei Niederlagen stehen. Gritsch und Dominik Raschner waren mit jeweils nur einer knappen Niederlage und drei Siegen die Konstanteren. Gritsch stand im Halbfinale gegen Norwegen auch im Mittelpunkt der Szene des Tages aus österreichischer Sicht, als Maria Therese Tviberg in ihren Kurs rutschte und die Tirolerin nur mit einem heftigen Bremsmanöver eine Kollision vermied.
„Es ist nicht so lustig. Wir haben doch eine Geschwindigkeit drauf“, sagte sie im Anschluss und zeigte sich glücklich, dass nicht mehr passiert ist. „Sicher ist es scheiße, wenn du in deinem Lauf behindert oder gestoppt wirst.“ Ihr Sieg im Tête-à-Tête mit der Norwegerin war mehr oder weniger entwertet, weil sie eine weit unterdurchschnittliche Laufzeit hatte. Mandl erklärte: „Sie ist behindert worden, eine gute Zeit zu fahren. Aber es gibt dieses Reglement wie bei den Snowboardern nicht, dass es einen Re-Run gibt.“
Zu viele Fehler für Bronze
Bronze „wäre leicht drinnen gewesen“, gab sich der Niederösterreicher überzeugt. Es seien einfach zu viele Fehler passiert. Männer-Rennsportleiter Marko Pfeifer wollte seinen Schützlingen unterdessen nichts vorwerfen. „Es ist ein Mannschaftssport, es gehören Damen und Herren dazu. Ich glaube, die Herren haben ihren Soll schon relativ okay erfüllt“, sagte der Kärntner. „Ich glaube, da brauchen wir nicht bei den Herren suchen, da können wir woanders suchen von den Zeiten, wo wir es liegengelassen haben.“
Darüber zu diskutieren ist aber wohl müßig, da der Bewerb wie die klassische Kombination ein Ablaufdatum hat. „Ich glaube, dass wir ihn das letzte Mal gefahren sind“, betonte Mandl. „Ich glaube, es steht nur zur Alternative, diese Team-Kombination zu behalten, weil der Team-Bewerb gut ist und lässig für die Stimmung. Aber wir sollten mehr mit den Disziplinen fahren, die wir schon länger haben.“
Raschner spricht sich für Teambewerb aus
Das Aus für den Team-Wettbewerb würde vor allem Raschner treffen, der ein Parallel-Spezialist ist und nur so sein WM-Ticket erhalten hat. „So wie es ist, finde ich es eigentlich sehr lässig. Ich finde, auch zum Zuschauen schaut es sehr sportlich aus“, sagte der schlaksige Blondschopf. „Es ist das Mann-zu-Mann, was den Bewerb ausmacht.“ Auch Gritsch würde für die Beibehaltung stimmen: „Ich finde den Team-Event, so wie er jetzt ist, richtig cool. Wir haben noch keine Ahnung, was sie uns jetzt wieder präsentieren werden. Ich hätte nichts dagegen, wenn das bleiben würde.“
Prinzipiell könnte sich auch Scheib dafür erwärmen. „Wenn man es weiter macht, dann sollte man mehrere Rennen machen“, warf die Steirerin jedoch ein. „Ich finde es sehr schwierig, wenn man sich eine Woche davor zweimal einfährt und dann fährt, weil es schon ein anderer, kurzer Druck ist. Es ist dann gar nicht so leicht, dass man das sauber runterfährt.“
(APA) / Bild: Imago