„Ötzi“ Gstrein krönt Wiederauferstehung mit Slalom-Silber

Nach dem größten Erfolg seiner Ski-Karriere wurde der sonst so stoische Fabio Gstrein emotional.

Auf dem Siegerpodest riss der Tiroler beide Hände in die Höhe, dann präsentierte der Ötztaler seine Silbermedaille stolz und mit einem breiten Grinsen den vielen Fotografen im Zielraum. Zweimal war der 28-Jährige im Weltcup als Dritter bisher auf das Stockerl gefahren, beim olympischen Slalom in Bormio krönte Gstrein seine Wiederauferstehung nach einem schwachen Saisonstart.

Silber! Fabio Gstrein holt Medaille im Slalom

Es sei „richtig cool“, sagte Gstrein, endlich einmal zwei Läufe unter Druck hingebracht zu haben. Als Halbzeit-Dritter mit Startnummer 12 behielt er auf der Stelvio die Nerven und verbesserte sich mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang nach dem Ausfall des Norwegers Atle Lie McGrath noch um eine Position. Beim Interviewmarathon in der Mixed Zone streichelte er immer wieder das um seinen Hals baumelnde Edelmetall, berichtete von einem Nickerchen zwischen den Durchgängen und einem Tratsch mit Ehefrau Lisa.

Viele „Auf und Abs“ für Gstrein

Die Medaille werde sicher einen „großen Stellenwert“ haben, sagte Gstrein dann wieder in seiner ruhigen Art. Der Slalom-Spezialist blickte auf eine „harte Saison mit vielen Auf und Abs“ zurück, „oder mehr Tiefs eigentlich“, betonte er. Vor einem Monat folgte der Tiefpunkt, in Adelboden verpasste Gstrein sogar den zweiten Durchgang. „Gott sei Dank habe ich dann die richtigen Schritte gesetzt“, erzählte er.

Ein Besuch zuhause bei Slalom-Trainer Robert Füß war der Turnaround, der Deutsche erhielt von Gstrein ein Sonderlob. „Er hat sich extra die Zeit genommen, dass ich noch einmal von Grund auf Skifahren anfange. Von dort an ist es bergauf gegangen. Er ist ein richtig guter Mann, den unterschätzen einige“, sagte Gstrein. Auch beim Material probierte er erfolgreich herum, die Plätze 11 und 5 in Kitzbühel und Schladming ließen einen Aufwärtstrend erkennen. In Bormio raste „Ötzi“, wie er wegen seiner Herkunft genannt wird, zum bisherigen Höhepunkt seiner Laufbahn.

Lob von Trainer Pfeifer

Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer wusste die Leistung seines Schützlings zu schätzen. „Er hat fast die Goldene gemacht mit zwei richtig coolen Fahrten. Ich glaube, dass das jetzt beflügelt“, sagte der Kärntner, der noch Potenzial beim Medaillengewinner sieht. „Er könnte viel mehr Selbstvertrauen haben“, sagte Pfeifer über seinen „wichtigen Leistungsträger“ im Slalom, der oft im zweiten Durchgang geschwächelt hatte.

Von seinen Teamkollegen wurde Gstrein nach der Medaillenübergabe geschultert und ausgiebig bejubelt. „Solche Tage gehören gefeiert, da darf man auch“, betonte Gstrein, der am Montagabend feierlich im ÖOC-Hotel direkt neben dem Zielbereich empfangen wurde. Michael Matt, als zweitbester Österreicher auf Platz acht, hob den Stellenwert von Gstreins Erfolg hervor. „Es ist wichtig, dass einer zuschlägt im Team. Vor allem auch für alle, die sich im Hintergrund den Arsch aufreißen“, sagte der Tiroler.

Gstrein stammt aus Skifahrer-Dynastie

Auch Marco Schwarz war beeindruckt. „Ich kann nur meinen Hut ziehen. Der Ötzi ist sicher einer mit dem schnellsten Slalomschwung, den wir im Zirkus haben.“ Dieser Schwung kommt nicht von irgendwo, das Skifahren war Gstrein in die Wiege gelegt worden. Seine Eltern Anita und Gotthard leiten die Skischule Sölden-Hochsölden, sein Großcousin Bernhard Gstrein holte bei den Winterspielen 1988 in Calgary Silber in der Kombination.

In seiner Freizeit verbringt Gstrein gerne Zeit am Bauernhof seines Bruders Sandro in Sölden, auch Forstarbeit gehört zu seinen Hobbys. Seine Kollegen beschreiben ihn alle ähnlich, Matt etwa als „sehr ruhigen und geradlinigen“ Typen. „Ein Ötztaler halt.“

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(APA) Foto: Imago