Olympia-Check: Österreichs Chancen bei den Winterspielen
Die 18 Medaillen, die ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer als Ziel für Österreichs Athletinnen und Athleten bei den Olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina ausgegeben hat, sind dem Saisonverlauf nach nicht unrealistisch. Die Chancen der österreichischen Sportlerinnen und Sportler im Überblick.
In fast allen Sportarten, an denen ÖOC-Aktive teilnehmen, ist Edelmetall möglich. Auch wenn hinter der einen oder dem anderen Fragezeichen in Bezug auf Form und Leistungsstärke stehen.
Biathlon
Die größeren Erfolgsaussichten liegen eindeutig im schlagkräftigeren Frauen-Team. Lisa Hauser kam in den vergangenen zwei Monaten inmitten mehrerer Top-Ten-Plätze auf ihren ersten Einzel-Weltcupsieg seit drei Jahren. Bei einem möglichst fehlerfreien Schießen darf auch mit Anna Gandler gerechnet werden. Die anderen können nur überraschen. Für die Männer um Simon Eder wäre schon ein Top-Ten-Platz erfreulich.
Bob
Hoffnungsträgerin Katrin Beierl bekam kurz nach der Nominierung die Schocknachricht, dass der Mittelfußknochen gebrochen ist. Die 32-jährige Niederösterreicherin fuhr in diesem Winter im Monobob dreimal aufs Stockerl, im Zweier ist sie mit Christania Williams knapp dran an der Weltspitze. Beierl befindet sich im Wettlauf mit der Zeit. Markus Treichl gehört zum erweiterten Kreis der Edelmetall-Anwärter. Bei der Olympia-Generalprobe in Cortina bewies er mit Rang vier im Vierer, dass ihm der neue Eiskanal liegt.
Eiskunstlauf
Olga Mikutina ist hier ÖOC-Einzelkämpferin. Bei den Peking-Spielen 2022 war sie im Frauen-Bewerb 13., mehr als ein Vorstoß in die Top Ten wird diesmal nicht machbar sein.
Eisschnelllauf
Am ehesten ist Gabriel Odor im Massenstart eine taktische und läuferische Meisterleistung zuzutrauen. Daneben sind Top-Ten-Ränge auch durch die Youngsters Jeannine Rosner und Alexander Farthofer möglich. Vanessa Herzog sehnt nach zwei vierten Olympia-Plätzen eine Medaille herbei. Nach schwacher Saison und Rückenproblemen schöpfte sie bei ersten Tests in Mailand Zuversicht.
Nordische Kombination
Wie vor vier Jahren reist der mehrfache Saisonsieger Johannes Lamparter in Topform und als Gesamtweltcup-Führender zu den Spielen. In Peking 2022 reichte es für ihn nicht für eine Medaille, nun hat er erneut zumindest eine Co-Favoritenrolle. Thomas Rettenegger ist so stark wie davor noch nie. Dominiert der Salzburger wie so oft auf der Schanze, ist für ihn vieles möglich. Sein Bruder Stefan Rettenegger erarbeitete sich im Saisonverlauf Podest-Potenzial.
Rodeln
Österreichs Team stellt in allen fünf Bewerben Medaillenanwärter und sogar Titelkandidaten. Selina Egle/Lara Kipp sind nach ausschließlich Weltcup-Platzierungen in den Top zwei fast ein Podest-Garant, im Männer-Einsitzer können es Europameister Jonas Müller, Nico Gleirscher und Wolfgang Kindl jederzeit mit der Konkurrenz um den Deutschen Felix Loch aufnehmen. Ihre Anwartschaft auf eine Siegerehrung haben zudem Lisa Schulte, Hannah Prock und Dorothea Schwarz unter Beweis gestellt, das gilt auch für die beiden Männer-Doppelsitzer. Daraus folgt eine Top-Chance in der Teamstaffel.
Short Track
Erstmals seit zwölf Jahren ist Österreich in dieser Sportart wieder bei Winterspielen vertreten. Für Nicolas Andermann geht es darum, sein Potenzial abzurufen.
Skeleton
Nur zwei Hundertstelsekunden fehlten Janine Flock 2018 in Pyeongchang auf eine Medaille. Eine Mitte Jänner erlittene Gehirnerschütterung ist ausgeheilt, die Tirolerin zählt erneut zu den Mitfavoritinnen. Bei den Männern zeigte Samuel Maier mit Rang zwei bei der Olympia-Generalprobe in Cortina auf, mit den beiden ist damit auch im Mixed zu rechnen.
Ski alpin
Österreich hat mit Julia Scheib (viermal im Riesentorlauf), Cornelia Hütter (Abfahrt), Stefan Brennsteiner (Riesentorlauf), Vincent Kriechmayr (Super-G), Marco Schwarz (Riesentorlauf) und Manuel Feller (Slalom) vier Aktive mit Saisonsiegen im Aufgebot. Medaillenchancen dürfen auch Stefan Babinsky, Raphael Haaser, Mirjam Puchner, Nina Ortlieb und Katharina Truppe zugebilligt werden, die mit der nach der Abfahrt zugeteilten Kollegin auch in der Team-Kombi stark einzustufen ist.
Skibergsteigen
Die Arbeit der österreichischen Langdistanz-Spezialisten in den kürzeren Disziplinen trug Früchte. Im Mixed zählen Johanna Hiemer und Paul Verbnjak zum erweiterten Medaillenanwärterkreis. Beide treten davor auch im Sprint an, Hiemer hat bei der Olympia-Premiere der Sportart Chancen auf ein Top-5-Ergebnis.
Freeski/Ski Freestyle/Ski Cross
Matej Svancer ist im Big Air und Slopestyle unter den Medaillenanwärtern. Weltcupsiege wie in der Vorsaison hat der 21-Jährige nach einer Fersenverletzung aber noch nicht wieder erreicht. Lara Wolf schrieb nach einem märchenhaften Comeback im Slopestyle an. Avital Carroll näherte sich in der Buckelpiste als Vierte dem Podest, sie bleibt dennoch Außenseiterin. Im Ski Cross hoffen Sonja Gigler, Katrin Ofner und Johannes Aujesky nach je einem Podestrang auf den großen Coup.
Skilanglauf
Teresa Stadlober als Skiathlon-Dritte 2022 ist in der Loipe die größte ÖOC-Medaillenhoffnung. Die Salzburgerin überzeugte in diesem Winter u.a. als Gesamtzweite der Tour de Ski und in Toblach. Neben dem Skiathlon am ersten vollen Wettkampftag spitzt Stadlober auf den Klassik-50er am Schlusstag. Mika Vermeulen startete stark, nach einer Krankheitspause war die Topform zuletzt noch nicht wieder da. Ein gutes Abschneiden ist auch Benjamin Moser zuzutrauen.
Skispringen
Stephan Embacher, Jan Hörl, Stefan Kraft, Daniel Tschofenig und damit alle nominierten Männer sowie bei den Frauen Lisa Eder sind für Medaillen gut. Zwar ist der Slowene Domen Prevc der klare Überflieger, aber etwa bei der Vierschanzentournee kamen Team-Olympiasieger Hörl und Olympia-Debütant Embacher gleich dahinter. Die Nordische Kombiniererin Lisa Hirner qualifizierte sich fürs Spezialspringen.
Snowboard
Die rot-weiß-roten Boarder sind gleich mit drei Goldenen aus Peking heimgeflogen. Für Benjamin Karl im Alpin- und Alessandro Hämmerle im Cross-Bereich ist es möglich, in Livigno nachzudoppeln, für Freestylerin Anna Gasser wäre es der sogar dritte Titel in Folge. Nach spätem Saisoneinstieg infolge einer Verletzungspause wäre für die Kärntnerin zum Abschluss ihrer Karriere aber jede Medaille ein großer Erfolg. Auch andere wie Cross-Ex-Weltmeister Jakob Dusek oder im Parallel-Sport Sabine Payer und Fabian Obmann haben gute Chancen.
(APA). / Bild: GEPA
