Paralympics: Aigner eilt mit Haberl von Gold zu Gold
Para-Alpinskifahrer Johannes Aigner hat das Zeug, zum Superstar der Paralympics in Italien zu werden. Nach zwei Goldmedaillen in Abfahrt und Super-G von Cortina ist die Erwartungshaltung von außen auf den 20-Jährigen und seinen Guide Nico Haberl noch einmal gewachsen. Fünf Siege in fünf Rennen sollen her. Das Duo weist das zurück. Gold sei keine Selbstverständlichkeit. „Es glauben alle immer, du fährst da runter und die Geschichte hat sich“, sagte Aigner.
„Eine Medaille ist nie selbstverständlich und die anderen schlafen auch nicht“, meinte der sehbeeinträchtigte Sportler am Montag in Cortina. Dass die Erwartungen so groß sind, liegt aber auf der Hand. Aigner/Haberl haben in diesem Winter den Weltcup dominiert und alle Kristallkugeln gewonnen. „Da steckt viel Arbeit dahinter. Das sehen die meisten halt nicht“, erklärte Aigner, dessen sportlicher Stern 2022 durch zwei WM-Titel in Lillehammer und zwei Paralympics-Siege in Peking – bei zwei weiteren Silber- und einer Bronzemedaille – aufging.
Der Aigner-Rummel
Auch die internationale Berichterstattung rund um die medaillenhamsternde Aigner-Familie ist seit den China-Spielen enorm. In Cortina müssen Johannes und Schwester Veronika zahlreiche Interviews für Medien aus Nordamerika, Asien und natürlich Europa geben. Auch im Athletendorf sind die Aigners ein Thema, wie eine Anekdote von Veronika zeigt: „Wir haben die Medaillen verstecken müssen, als wir durchs Dorf gegangen sind, weil uns die Leute alle am … gegangen sind, weil sie wollten Fotos machen. Irgendwann hat es dann gereicht. Wenn man fünf Rennen fährt, dann willst du nach dem fünften Tag echt kein Foto mehr machen“, erzählte die 23-Jährige.
Druck lässt sich ihr Bruder aber keinen machen. Mit den zwei Siegen auf der Tofana habe man das Soll von Peking bereits erfüllt. „Da waren es auch zwei Goldene. Von dem her werden wir jetzt mit einer Leichtigkeit fahren“, sagte Johannes Aigner. Nervosität lässt sich der fünffache Gesamtweltcupsieger jedenfalls nicht anmerken. „Sicher ist man nervös. Aber wir machen das eh das ganze Jahr. Ich habe zum Nico gesagt, da bin ich nervöser, wenn ich mit der ‚Quetschn‘ irgendwo spiele“, erklärte der Parasportler, der in Peking noch Matteo Fleischmann als Guide hatte und sich nun auf Haberl verlassen kann.
Rapid-Fan Haberl
Der 25-jährige Haberl fungiert seit mehr als zwei Jahren als „Auge“ und Begleitfahrer von „Hansi“ Aigner. Die beiden Niederösterreicher glänzen in Cortina nicht nur als sportliches, sondern auch als musikalisches Duo. Nach der Goldabfahrt wurde im Österreich-Haus aufgespielt – Nico an der Gitarre, Johannes an der Ziehharmonika.
Für gute Laune sorgt auch Haberls Liebe zum SK Rapid. „Ich stichel ganz gerne“, schmunzelte Aigner. Geschadet habe das Happy End des Wiener Fußball-Bundesligisten am Sonntag zum Ende des Grunddurchgangs der Rennvorbereitung nicht. „Es hat mir auf jeden Fall geholfen, dass die jetzt in den Top 6 sind“, sagte Haberl, der sich das 1:0 gegen Salzburg vor dem Bildschirm nicht entgehen ließ. „Er hat lauthals geschaut“, meinte Aigner.
Am Dienstag steht die Kombination auf dem Programm, daher wird das Feiern von Super-G-Gold gebremst ausfallen. „Heute wird es nicht ganz so lang werden, weil morgen ist ein langer Tag und wieder zwei Durchgänge“, kündigte Aigner an. Nach der Kombi haben die alpinen Ski-Männer aber zwei wettkampffreie Tage. Daher könnte am Dienstag wieder „Quetschn-Zeit“ im Österreich-Haus sein.
(APA)
Beitragsbild: GEPA
