SALT LAKE CITY,UTAH,USA,10.FEB.16 - BASKETBALL - NCAA, National Collegiate Athletic Association Championship, Division I, Utah Utes vs Washington Huskies. Image shows Jakob Poeltl (Utes). Photo: GEPA pictures/ USA Today/ Russell Isabella - ATTENTION - COPYRIGHT FOR AUSTRIAN CLIENTS ONLY - FOR EDITORIAL USE ONLY

Pöltl-Hype: „The Decision – Made in Austria“

via Sky Sport Austria

Am Mittwoch um 19 Uhr MESZ sind wir alle klüger. Seit gestern steht fest, dass Jakob Pöltl im Rahmen einer Pressekonferenz der University of Utah bekannt geben wird, ob er für den NBA Draft 2016 nennt oder doch noch ein Jahr am College bleibt. Die Zeichen verdichten sich, dass Pöltl als erster Österreicher für den Draft nennen wird (Aleksandar Djuric hatte einst genannt, aber in der Nacht vor dem Draft zurückgezogen), alles andere wäre eine Überraschung.

Die österreichische Version von „The Decision“ naht. 2010 war Lebron James von den Cleveland Cavaliers zu den Miami Heat gewechselt, der Prozess hin zu dieser Entscheidung wurde weitläufig als „The Decision“ bekannt. In einem klarerweise kleineren, österreichischen Rahmen, kann man die Entscheidungen durchaus vergleichen. Die Tragweite für den österreichischen Basketball ist bzw. wäre enorm.

Als Pöltl der NBA widerstand

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 20. April 2015, hatte Pöltl bekannt gegeben, der NBA zu widerstehen und ein zweites Jahr am College zu bleiben. Der Wiener hatte schon in seiner ersten Saison, vor allem defensiv, überzeugt. Er wurde ins „All- Freshman Team“ der PAC 12 Conference berufen, stieß mit den Runnin’ Utes bis ins „Sweet 16“ des NCAA Tournaments vor. Im Spiel gegen die Duke University lieferte er gegen den späteren #3 Pick des NBA Drafts Jahlil Okafor eine Glanzleistung ab, verteidigte den künftigen NBA Star auf 6 Punkte und 8 Rebounds. Die Niederlage der Utes konnte er aber nicht verhindern. Die Medien waren voll der Lobeshymnen auf Pöltl, der aber verkündete nach dem Ausscheiden aus dem Tournament seinen Verbleib am College. Damals zur Überraschung vieler Experten, die ihm geraten hätten den Sprung in die NBA zu wagen. Groß war die Angst vor Verletzungen und einem schlechteren Utah Team (Star Point Guard Delon Wright wechselte in die NBA). Pöltl landete in allen „Mock Drafts“ unter den ersten 15, ein Lottery Pick schien so gut wie sicher. Der Pöltl Hype war ausgebrochen.

 

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Viele Andere wären wohl dem Ruf der besten Liga der Welt erlegen. Pöltl aber ließ sich nicht beirren und unter Druck setzen, beriet sich, wie bei allen Entscheidungen, in aller Ruhe mit seiner Familie und Utah Head Coach Larry Krystowiak. Letzter versprach ihm eine größere Rolle in der Offensive der Utes. Und dieses Versprechen sollte sich bezahlt machen.

Im A-Nationalteam angekommen

Im Sommer spielte Pöltl erstmals für das A-Nationalteam. Keine Selbstverständlichkeit, für Pöltl eine Chance und eine große Ehre. Auch auf diesem Level zeigte er wie so oft zuvor keinerlei Anpassungsschwierigkeiten. Ein Faktum, dass sich durch seine bisherige Karriere zieht. Pöltl war ein Spätentwickler. Aber immer wenn er das „Niveau“ wechselte, gelang ihm das eindrucksvoll. Schon als er von DC Timberwolves aus der 2. Bundesliga zu den Traiskirchen Lions in die ABL wechselte, beeindruckte er mit einer ungeheuren Konstanz und dominierte auf seiner Position auch bei den Profis.

 

 

Das Highlight des vergangenen Sommers war sicherlich das freundschaftliche Länderspiel gegen Topnation Litauen. Die ersatzgeschwächten Österreicher (Ohne Mahalbasic, Murati und Vieider) unterlagen dem Vizeeuropameister zwar mit 71:86, aber Pöltl spielte entfesselt. 27 Punkte standen letztlich am Boxscore, NBA Center Jonas Valanciunas und Domantas Sabonis (Gonzaga University, Sohn von Ex NBA Spieler Arvydas Sabonis bekamen den ÖBV Star nicht unter Kontrolle. Pöltl setzte einmal mehr ein internationales Ausrufezeichen.

Ausgerechnet dieser Sabonis war heuer im NCAA Tournament aber der Sargnagel für Pöltl und die University of Utah. Gonzaga zerlegte die Utes in der 2. Runde des Tournaments mit 82:59. Pöltl blieb blass, scorte 5 Punkte und holte 4 Rebounds. Sabonis dominierte mit 19 & 10.

Nichts desto trotz spielte Pöltl eine überragende NCAA Saison. Als „Centerpiece“ der Utes Offense kam er auf 17.2 Punkte und 9.1 Rebounds bei einer Wurfquote von über 60%. Seine Freiwurfquote, in der ersten Saison seine Schwachstelle, steigerte er von 44.4% auf 69.2%. Pöltl wurde mit Auszeichnungen überschüttet. Er wurde zum PAC 12 Player of the Year gewählt, wurde übereinstimmend ins „All American 2nd Team“ gewählt. Vor wenigen Tage gewann er den „Kareem Abdul Jabbar Award“ für den besten Center der NCAA der abgelaufenen Saison.

 

https://twitter.com/Runnin_Utes/status/718596764400357376

 

Diese Welle wird er nun wohl reiten. Denn eines steht fest: Er wäre der erste Österreicher in der NBA. Nicht nur seine beeindruckende Saison und die vielen Auszeichnungen sprechen für die NBA. Das Team der Utes wird auch in der kommenden Saison anders aussehen. Die Seniors Brandon Taylor, Dakarai Tucker und Jordan Loveridge, drei absolute Stützen des Teams, werden nicht mehr zur Verfügung stehen. Pöltl müsste, falls er doch überraschend am College bleibt, einen Umbau mitmachen. Die Chancen auf eine Teilnahme am NCAA Tournament ließen sich schwer einschätzen.

Abermals wird ihm im NBA Draft von vielen US Experten ein Pick unter den Top Ten prophezeit. Die Top 15 gelten als fix. Spannend wird sein ob Pöltl ein paar Plätze einbüßt weil eben dieser Domantas Sabonis schon vor einigen Tagen für den Draft genannt hat.

Ebenfalls spannend wird sein, bei welchem Team er letztlich landet. Die Situation in die er hinein kommt wird für seine Zukunft in der NBA entscheidend sein. Am besten wäre für Pöltl wohl, wenn er in ein Team kommen würde, das bereits gut funktioniert, in dem er etwas beitragen kann und von Anfang an auch Spielminuten bekommt. Ex-Coach und „Mentor“ Hubert Schmid hat das kürzlich sehr gut analysiert. Die Boston Celtics wären so ein Team. Sie haben zuletzt mit zwei „Undersized“ Big Men gespielt, könnten einen Center wie Pöltl gebrauchen. Die Celtics werden vom jungen Brad Stevens ausgezeichnet gecoached. Pöltl hätte bei einem guten Team Chancen auf Spielzeit. Da stimme ich mit Kollege Schmidt vollinhaltlich überein.

 

 

Spannend wird nach dem Draft am 23. Juni in New York auch sein, wie es mit Pöltl und dem Nationalteam weitergeht. Es ehrt ihn, dass er stets betont hat gerne für Österreich spielen zu wollen. Die Chancen auf eine Teilnahme Pöltls im Falle eines NBA Engagement sehe ich aber als eher gering an. Denn ab dem Draft trifft Pöltl viele Entscheidungen nicht mehr selbst. NBA Rookie Camp, Summer League, Pre-Season – Pöltl wird im Sommer andere Sorgen haben. Das ist aber auch gut so. Er soll sich zumindest vorerst auf seine Karriere konzentrieren. Diese wird dem österreichischen Basketball lange Zeit dienlich sein und dem Basketballsport in Österreich zu einem Push verhelfen. Neo ÖBV Teamchef Kestutis Kemzura hat das sofort erkannt. Kemzura ist ein Profi, versteht das Business, versteht das im Moment schon allein der ständige Kontakt mit Pöltl wichtig ist. Pöltl soll das Gefühl haben, dass er gebraucht aber auch verstanden wird. Er wird nicht unter Druck gesetzt. Wer ihn kennt weiß: Er wird das später sicher einmal zurückgeben.

Jakob Pöltl wird über Jahre das Zugpferd des österreichischen Basketball sein. In einer aktuell ohnehin schon sehr guten Mannschaft wird Pöltl früher oder später für das gewisse Etwas sorgen. Das wissen auch seine Mitspieler und die Verantwortlichen beim ÖBV.

Morgen um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit sind wir alle klüger. Jakob Pöltl wird wie die amerikanischen Kollegen es nennen für den NBA Draft „declaren“. Oder wie NCAA Experte Bill Walton es einmal formuliert hat: „Jakob Pöltl is in time for being a Star in the NBA – and he will bet he first Austrian to ever do so!“

Am 23. Juni wird NBA Commisioner Adam Silver auf einer Bühne in New York stehen und verkünden, dass Jakob Pöltl als erster Österreicher in der NBA spielen wird.

Aber davor muss Jakob Pöltl eine Entscheidung treffen –„ The Decision – Made in Austria“

 

Ein Kommentar von Sky Sport Austria Basketball-Redakteur Stefan Prager 

Foto: GEPA