Pöltl vor NBA-Auftakt: „Ich glaube, es wird eine coole Saison“
Als Jakob Pöltl im Sommer 2016 an neunter Stelle von den Toronto Raptors gedraftet wurde, ahnten nur wenige, dass der Wiener mehr als ein Jahrzehnt später noch immer zu den verlässlichsten Centern der NBA zählen würde. Nun geht der 2,13 Meter große Österreicher in seine mittlerweile elfte Saison in der stärksten Basketballliga der Welt:
„Das zehnte Jahr in der NBA ist schon ein Meilenstein. Es ist schon ein cooles Gefühl zu wissen, wo es angefangen hat, und zu wissen, dass ich jetzt schon zehn Jahre dabei bin. Dass ich nun in die elfte Saison gehe, ist ein ähnliches Gefühl. Ich bin auf jeden Fall dankbar für das, was ich schon erreicht habe, und hungrig auf das, was die Zukunft noch bringt.“
In einer Liga, die immer stärker von Dreipunktwürfen geprägt wird, bleibt Pöltl einer der klassischen Center, ohne dabei altmodisch zu wirken. Seine Stärken liegen in den Details des Spiels, die auf Highlight-Videos oft verborgen bleiben. In der vergangenen Saison plagten den Österreicher Rückenprobleme, aktuell fühlt sich der Center jedoch wieder gut:
„Ich kann nur froh sein, dass es aktuell sehr gut klappt. Ich sehe auch keinen Grund, warum sich das ändern sollte. Wir haben eine gute Routine gefunden.“
Auch wenn Pöltls Statistiken regelmäßig im zweistelligen Punktebereich liegen und er zahlreiche Rebounds sammelt, lässt sich sein Wert nur schwer an Zahlen festmachen.
Defensive als Trumpf von Pöltl und Raptors
Der Österreicher gilt als ausgezeichneter Verteidiger, starker Blocksteller und cleverer Passgeber. Besonders seine Fähigkeit, Mitspieler durch Screens in gute Wurfpositionen zu bringen, macht ihn für moderne NBA-Offensiven wertvoll. Gerade die Defensive soll in dieser Saison wieder der Trumpf der Raptors werden. Mit Scottie Barnes, Kawhi Leonard, Jamal Shead und Jakob Pöltl verfügt Toronto über mehrere herausragende Defender.
„Die Defense wird wieder ein großer Teil unserer Identität sein. Wir versuchen, so aggressiv wie möglich zu spielen.“
Pöltl erstmals an der Seite von NBA-Star Leonard
In dieser Saison spielt Pöltl an der Seite von Kawhi Leonard. Der Wiener war 2018 Teil jenes Trades, der Leonard nach Toronto und ihn selbst nach San Antonio brachte. Nun laufen beide gemeinsam für die Raptors auf.
„Kawhi hat eine unglaubliche Ruhe in seinem Spiel. Er ist so souverän. Teilweise hast du das Gefühl, du weißt genau, was er macht, aber es ist trotzdem schwer zu stoppen. Wir haben noch zu wenig zusammengespielt, er war nur in zwei Preseason-Spielen dabei. Sein Trade hat sich doch lange hinausgezögert, deshalb hat es gedauert, bis er zur Mannschaft stoßen konnte. Es wird sicher noch eine Lernphase geben, aber die ersten Anzeichen sind sehr gut.“
„King James“ vor 24. Saison – Pöltl: „Sehr bewundernswert“
Der Transfer von Kawhi Leonard war allerdings nicht der einzige spektakuläre Wechsel dieses NBA-Sommers. Giannis Antetokounmpo schloss sich den Miami Heat an, Ja Morant wechselte zu den Portland Trail Blazers und LeBron James unterschrieb als Free Agent in Philadelphia.
Gerade der mittlerweile 41-jährige LeBron präsentiert sich noch immer in Topform. Für Pöltl, der vor Kurzem seinen 31. Geburtstag gefeiert hat, ist es allerdings kein Ziel, selbst bis 41 in der NBA aktiv zu sein.
„Nein, das kann ich jetzt schon sagen, vielleicht in der Sport-&-Fun-Halle. Natürlich ist das sehr bewundernswert. Ich kann es mir für mich persönlich nicht vorstellen, und ich weiß auch nicht, wie er das hinbekommen hat. Ich habe das Gefühl, dass es vor ein oder zwei Jahren ein großes Thema war, als er 40 geworden ist. Mittlerweile ist es fast schon Normalzustand, weil er immer noch da ist. Es wirkt, als würde er nie aufhören.“
Für die anstehende Saison ist die Zielsetzung der Raptors klar definiert.
„Konkret haben wir uns vorgenommen, einen Championship-Standard zu haben. Wir wollen unseren Teil erledigen und alles dafür tun, diesen Standard jeden Tag zu leben. Dann müssen wir mit den Resultaten leben. Ob das die Playoffs sind, die zweite Runde, die Conference Finals oder sogar der Titel. Am Ende wollen wir uns in den Spiegel schauen können und sagen: Wir haben alles auf dem Court gelassen.“
Vieles ist für die Raptors noch offen. Eines scheint für Jakob Pöltl aber schon jetzt festzustehen:
„Ich glaube, es wird eine coole Saison. Ich sehe keinen haushohen Favoriten, es gibt viele Teams, die ganz vorne mitmischen können. Ich glaube, es wird spannender Basketball und auch ein spannendes Zuschauererlebnis.“
