Pogacar jagt im Gigantenduell mit Vingegaard die magische „Fünf“

Tadej Pogacar will bei der Tour de France in den elitären Kreis der Rekord-Sieger aufsteigen. Jonas Vingegaard versucht den fünften Tour-Sieg Pogacars zu verhindern. 

Die Statistiken des Tadej Pogacar lesen sich wie aus einem zu einfachen Computerspiel. 16 Starts, elf Siege, dazu zwei Titel bei Rundfahrten und vier von fünf möglichen Klassikertriumphen: Der slowenische Radsport-Dominator reist auf der Jagd nach seinem historischen fünften Gelben Trikot in Topform zur Tour de France. Dass es überhaupt leise Zweifel am nächsten Titel in Paris gibt, hat einzig und allein mit Jonas Vingegaard zu tun.

Kampfansage von Vingegaard

„Ich habe großes Selbstvertrauen. Alle stehen hinter unserem Plan und sind überzeugt, dass wir die Tour de France erneut gewinnen können“, sagte der dänische Sieger von 2022 und 2022 im Vorfeld der Rundfahrt, die am Samstag in Barcelona startet. Und aus dem Mund des sonst so zurückhaltenden Vingegaard darf man das getrost als Kampfansage interpretieren. Nach seinem überzeugenden Titel beim Giro d’Italia ist er hungrig auf eine Überraschung.

Jonas Vingegaard triumphierte 2022 und 2023 in Frankreich. Heuer möchte der Däne den Siegeslauf von Tadej Pogacar beenden.

Auf der 3333 Kilometer langen Rundfahrt kommt es zur nächsten Auflage des großen Radsport-Duells unserer Zeit. Bartali gegen Coppi, Poulidor gegen Anquetil, LeMond gegen Fignon, Armstrong gegen Ullrich – all diese Zweikämpfe haben die reiche Tour-Geschichte geprägt, doch keines dieser Duos war je so dominant wie Pogacar und Vingegaard. Fünfmal traten die beiden seit 2021 gemeinsam bei der Frankreich-Rundfahrt an, fünfmal teilten sie die ersten beiden Plätze unter sich auf. 2021, 2024 und 2025 siegte Pogacar, dazwischen schockte Vingegaard seinen Gegner und die Radsport-Welt mit seinen beiden Triumphen.

Nun also folgt Duell Nummer sechs, vorausgesetzt alles läuft, wie es die meisten Experten erwarten. Dass Hoffnungsträger Florian Lipowitz oder das französische Wunderkind Paul Seixas ernsthaft in den Titelkampf eingreifen können, glauben (noch) die wenigsten. Auch der bislang letzte deutsche Toursieger rechnet mit dem nächsten Pogacar-Vingegaard-Showdown.

Spannender Zweikampf erwartet

„Ich würde Jonas Vingegaard nicht unterschätzen. Er ist so ein guter Fahrer, dass er Pogacar gefährlich werden kann“, sagte Jan Ullrich der Sport Bild. Und: Vingegaard ist anders als im Vorjahr, wo er nur zeitweise konkurrenzfähig war, in Topform, fühlt sich laut eigener Aussage „stärker als zuvor“. Beim Giro konnte er ob seiner Dominanz am Ende sogar ein paar Körner sparen. „Er wird am Berg schwer abzuhängen sein, vor allem bei den langen Anstiegen. Pogacar ist der Favorit, aber Vingegaard sehe ich nicht so weit weg“, prophezeit Ullrich.

Für den neutralen Zuschauer bleibt zu hoffen, dass der Tour-Sieger von 1997 recht behält, denn zur Wahrheit dieses Duells gehört auch, dass Vingegaard in den vergangenen beiden Jahren (teils angeschlagen) quasi chancenlos war. 2024 fehlten ihm in der Gesamtwertung mehr als sechs, 2025 mehr als vier Minuten auf den Slowenen.

Diesmal hat Pogacar, wobei das den stets lebensfrohen Slowenen kaum hemmen wird, ein bisschen mehr zu verlieren. Er könnte schließlich mal wieder ein Kapitel Radsportgeschichte schreiben. Erst vier Fahrern ist es gelungen, die wichtigste Rundfahrt der Welt fünfmal zu gewinnen: Jacques Anquetil, Bernard Hinault, Miguel Indurain und dem ewigen Eddy Merckx. Doping-Sünder Lance Armstrong wurden seine sieben Titel bekanntermaßen aberkannt.

Pogacar könnte mit seinen 27 Jahren nun der jüngste Fahrer werden, der zu diesem illustren Zirkel aufschließt. Was der seit Jahren schwelenden Diskussion, ob der beste Radprofi dieser Zeit denn auch der beste der Geschichte ist, gewiss neue Nahrung verleihen würde.

 

Werbung