Pogačar will nach Zeitfahr-Demütigung zurückschlagen

Titelverteidiger Tadej Pogačar sinnt beim abschließenden Straßenrennen der WM in Kigali auf Revanche. Im Zeitfahren am vergangenen Sonntag wurde der Slowene regelrecht gedemütigt, indem er vom zweieinhalb Minuten nach ihm gestarteten Dominator Remco Evenepoel überholt wurde. Zudem verpasste er Bronze um eine läppische Sekunde. Auf dem 268 km langen und 5.500 Höhenmetern umfassenden Rundkurs mit einem wohl entscheidenden Pflasterstein-Anstieg ist er am Sonntag dennoch Favorit.

„Das ist ein perfekter Anstieg für Tadej, wie der Kwaremont“, zog der britische Hoffnungsträger Tom Pidcock einen Vergleich mit der Schlüsselstelle der Flandern-Rundfahrt. Diese hatte Pogačar heuer zum zweiten Mal gewonnen. Mit weiteren 15 Saisonsiegen inklusive der Tour de France machte er dem Regenbogentrikot alle Ehre. Nach einer längeren Rennpause zeigte sich der 27-Jährige zuletzt in Kanada trotz überstandener Erkältung schon wieder gut in Schuss und schenkte den ersten Platz seinem Teamkollegen Brandon McNulty. Das WM-Zeitfahren in Kigali geriet jedoch zu einer Schlappe. „Das war natürlich schwer zu verdauen, aber Remco ist so gut in dieser Disziplin. Ich hoffe, dass er sich 100-prozentig darauf vorbereitet hat und am Sonntag zu 99 Prozent bereit ist“, sagte Pogačar.

Pogačar nach gelungener Akklimatisation angriffslustig

Der angesprochene Belgier ist punktgenau in Topform, zudem hat der Doppelolympiasieger des Vorjahres und Weltmeister von 2022 ein schlagkräftiges Helferteam an seiner Seite. Aber auch Slowenien bietet, angeführt von Primož Roglič, eine hochkarätige Truppe auf. „Natürlich bin ich wegen des Straßenrennens hier, daher sind die Erwartungen hoch. Ich erwarte viel von meinen Beinen, und wir sollten das beste Ergebnis anstreben. Ich denke, wir haben eines der stärksten Teams, daher sollten wir als Topanwärter gelten“, sagte Pogačar und gab an, sich nach anfänglichen Problemen mittlerweile an die Höhenlage und Verhältnisse in Kigali akklimatisiert zu haben. „Jetzt funktionieren meine Beine ziemlich gut.“

Zwei seiner schärfsten Rivalen kommen aus seinem eigenen UAE-Rennstall. Der Spanier Juan Ayuso, der das Emirates-Team mit Saisonende im Streit verlässt, wird sich gegen seinen „Chef“ sicher keine Blöße geben. Ein weiterer Goldanwärter aus der heuer mit bis dato 86 Saisonerfolgen dominanten Mannschaft ist Isaac del Toro. Der mexikanische Jungstar hat sich heuer nicht beim Giro d’Italia und der Österreich-Rundfahrt, sondern auch zuletzt bei mehreren Eintagesrennen in Italien in herausragender Verfassung gezeigt. Auf die Konkurrenz blickt Pogačar aber nur bedingt. „Wir sollten uns nicht zu sehr um die Gegner kümmern, sondern uns auf unser Rennen konzentrieren, denn es ist so lang und so schwierig, und man muss Energie sparen und in jeder Hinsicht klug vorgehen“, sagte der Slowene, der die nächste erfolgreiche Titelverteidigung nach Julian Alaphilippe (2020/2021) anstrebt.

Männer-Rennen ohne Österreicher

Paroli bis zum Schluss könnten dem Slowenen auch Giulio Ciccone (ITA) oder Ben Healy (IRL) bieten. Österreich ist beim abschließenden Höhepunkt der WM hingegen überhaupt nicht vertreten. Im Straßenrennen der Frauen am Samstag (165 km) trägt alleine Carina Schrempf die rot-weiß-roten Farben. Als Topfavoritinnen werden Tour-de-France-Gewinnerin Pauline Ferrand-Prévot aus Frankreich und die Niederländerin Demi Vollering gehandelt. Auch Zeitfahrsiegerin Marlen Reusser (SUI) und Elisa Longo Borghini (ITA) dürfen sich Siegchancen ausrechnen.

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(APA)/Beitragsbild: Imago