Positives Fazit nach ATP-Turnier in Wien
Glücksfall Carlos Alcaraz hat dem Wiener ATP-Tennisturnier den Extraglanz verliehen. Erst eineinhalb Wochen vor Beginn des 500er-Events wurde das Engagement des Superstars fixiert, Turnierdirektor Herwig Straka hatte infolge der Verlegung des „Six Kings Slam“ schnell reagiert. Die Vergabe der Wildcard an den 23-Jährigen hat sich voll rentiert, am Sonntag holte Alcaraz den Einzel-Titel. Für die starke rot-weiß-rote Note sorgten die Doppelsieger Lucas Miedler/Neil Oberleitner.
„Alcaraz hat die Dynamik noch einmal beschleunigt, das löst etwas aus“, erzählte Straka, dass sich in den Tagen vor Turnierbeginn auch das gesamte Team der Organisation auf den Spanier gefreut habe. „Er ist ein extrem positiver, sehr netter Superstar. Und das steckt an.“ Der Steirer verglich es mit den Jahren der Stadthallen-Auftritte von Dominic Thiem, auch wenn die beiden Spieler an sich nicht miteinander zu vergleichen sind. „Damals war es auch noch einmal lauter in der Halle, bei Carlos ist es ähnlich.“ Natürlich hofft Straka, dass Alcaraz nächstes Jahr wiederkommt.
Für den 60-Jährigen gab es in dieser Woche unzählige Lobesbekundungen ob der Organisation, zwei Auszeichnungen durfte er einheimsen. Zudem waren auch die Veranstalter zweier Masters-1000-Events beeindruckt. „Die von Miami und Madrid waren da – das ist schon einmal nicht schlecht, wenn sich die ein 500er anschauen“, meinte Straka. „Sie haben uns zurückgemeldet, dass es außergewöhnlich bei uns ist. Der Miami-Veranstalter hat gesagt, dass es eigentlich ein 1000er ist. Und Carlos sagt, dass er Wien lieber spielt als ein 1000er über zwölf Tage.“
Kalender soll ab 2028 verkürzt werden
Die Verlängerung der Dauer bei vielen Events der obersten ATP-Turnierstufe bedingt auch, dass die Spieler immer mehr über die Belastungen klagen. Für 2028 soll da etwas Abhilfe geschaffen werden, wie Straka auch in seiner Funktion als Mitglied des ATP Board of Directors erläuterte: „Die Saison ist zu lange. Wir arbeiten daran, dass wir es verkürzen.“ In zwei Wochen im Rahmen der ATP-Finals in Turin soll beschlossen werden, dass die Saison zwei Wochen später beginnt. „Wir wollen zwei Wochen mehr, das ist schon viel. Wir wollen insgesamt acht Wochen off-season.“
Nächstes Jahr jedenfalls gibt es punkto Turnierkalender noch den Status quo, womöglich auch an der Weltranglistenspitze. Alexander Zverev glaubt, dass es 2027 zum Dreikampf zwischen ihm, Alcaraz und Jannik Sinner kommt. „Ich denke, dass noch niemand dazu kommt, es ähnlich wie heuer wird.“ Den Jungen wie dem Spanier Rafael Jodar und dem Brasilianer Joao Fonseca traut der ab Montag neue Weltranglistenerste danach den Sprung zu. Alcaraz fühlt sich bereit, rechnet aber stark mit Zverev: „Er hat heuer gezeigt, wozu er fähig ist. Er hat sicher Hunger nach mehr.“
Ein großes Jahr könnten auch Miedler/Oberleitner vor sich haben. In den vergangenen fünf Wochen schoben sie sich in ihren ersten vier gemeinsamen Turnieren im Race auf Rang 16 und in der Weltrangliste beide in die Top 20. Besser als der Heim-Titel wäre aber wohl nur ein Grand-Slam-Finale oder gar -Triumph. „Aus professioneller Sicht war der 1000er-Titel in Shanghai besser“, sagte Miedler, „aber von der emotionalen Seite her Wien.“ Oberleitner war da mit ihm wieder einmal einer Meinung: „Zu Hause zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes.“
Miedler/Oberleitner in Paris gegen Zverev
Der 27-Jährige hatte sich erst zu Jahresbeginn für die Doppelkarriere entschieden. „Ich habe mir nicht mehr zugetraut, im Einzel weiter nach vor zu kommen (Karrierehoch 384, Anm.).“ Miedler habe ihn schon lange davor nahegelegt, aufs Doppel umzusteigen. Zugesagt hat er ihm schließlich nach der erneuten Frage am Tag seines ersten ATP-Turniersiegs im August in Winston-Salem. „Ein schlechteres Timing von meiner Seite aus gibt es nicht“, meinte Miedler lachend. „Jetzt muss ich den Hut vor Neil ziehen.“ Oberleitner: „Dass er mich gefragt hat, war für mich wie ein Ritterschlag.“
Die beiden nehmen es diese Woche beim Masters-1000-Turnier in Paris erneut mit der gesamten Weltelite auf, wobei der mit dem Brasilianer Marcelo Melo zusammengespannte Zverev auf der anderen Seite des Netzes stehen wird. Wahrscheinlich wird es im 32er-Raster das erste Match des Deutschen als Einzelnummer eins sein, da er im Single ein Auftakt-Freilos hat. Miedler: „Ich ziehe den Hut vor Sascha, was er erreicht hat. Stand jetzt ist er der beste Tennisspieler der Welt. Aber es ist ein Spiel wie jedes andere und wir müssen schauen, was er uns für Schwächen anbietet.“
In der Woche nach dem Frankreich-Trip treten die beiden eher nicht beim 250er in Stockholm an. Oberleitner: „Da gibt es keinen Drang danach. Jetzt sind wir schon so lange unterwegs gewesen.“ Vor einem Monat starteten sie ihre Kooperation auf der Tour in Tokio. Dann kam Shanghai, Almaty und nun Wien. Fix im Plan ist aber natürlich das Davis-Cup-Finalturnier in Bologna. „Da freuen wir uns sehr darauf“, verriet Oberleitner. Und vier Tage nach dem Finaldatum hat Miedler heuer noch einen wichtigen Termin, denn seine Hochzeit ist für 3. Dezember angesetzt.