GEPA-13051156039 - LUSTENAU,AUSTRIA,13.MAI.11 - FUSSBALL - Erste Liga, FC Lustenau vs WAC/Sankt Andrae. Bild zeigt Praesident Dieter Sperger (Lustenau). Foto: GEPA pictures/ Oliver Lerch

Prozess gegen Ex-Lustenau-Präsident vertagt: Ungereimtheiten

via APA

Feldkirch (APA) – Der Prozess gegen den ehemaligen FC-Lustenau-Präsidenten Dieter Sperger wegen Veruntreuung ist am Dienstag nach Einvernahme des Angeklagten und zweier Zeugen auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Laut Richter Norbert Melter sei ein weiteres Gutachten sowie die Einvernahme eines weiteren Zeugen erforderlich. Bis dahin bleibt Sperger in U-Haft, ein Aufhebungsantrag des Verteidigers wurde abgelehnt.

Sperger wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, als Vermögensverwalter 1,8 Millionen US-Dollar an Kundengeldern veruntreut zu haben. Zum einen soll er vier Kunden Zinserträge in der Höhe von 1,3 Millionen US-Dollar nicht ausbezahlt haben, zum anderen soll er sein eigenes Vermögensverwaltungsunternehmen in der Schweiz um 500.000 Euro geschädigt haben. Beide Anklagepunkte hatte der Ex-Lustenau-Präsident bis zum Verhandlungstag vehement bestritten. Er hatte sogar behauptet, seinen Kunden die 1,3 Millionen Euro bar ausgezahlt zu haben.

In einer Stellungnahme, die dem Gericht am Vortag der Verhandlung zuging, sowie vor Gericht bekannte sich Sperger allerdings im ersten Punkt der Anklage für teilschuldig. Er habe 900.000 US-Dollar an Zinserträgen “unrechtmäßig” einbehalten, “was ihm immens leid tue”. “Es war ein Riesenfehler”, gab Sperger auf der Anklagebank zu. Sein Verteidiger Johann Pauer ergänzte, “aus Liebe zum FC Lustenau habe er den Ernst der Lage nicht erkannt”. Die restlichen 420.000 US-Dollar hätten ihm seiner Meinung nach aber als Provisionen für erbrachte Leistungen zugestanden.

Wie erwartet reagierten sowohl Richter als auch Staatsanwalt misstrauisch bis verärgert auf die neuen Aussagen des Angeklagten. “Ihre Angaben vor der Polizei waren also eine Lüge”, formulierte es Staatsanwalt Markus Fußenegger, Richter Melter sprach von einem “Roman” der ihm aufgetischt werde. Trotz Teilgeständnis blieben auch die Gründe für Spergers Handeln für das Gericht schwer nachvollziehbar. Angekreidet wurden Sperger etwa fehlende schriftliche Verträge für ihm seiner Meinung nach zustehende Provisionen. Absprachen seien in beiden Punkten der Anklage nur mündlich getroffen worden.

Wenig erhellend war in diesem Punkt die Befragung der Zeugen, eines von Sperger geschädigten Kunden und dessen Finanzberater. Beide räumten ein, Sperger hätte laut Vertrag grundsätzlich eine Provision von 10 Prozent auf Zinserträge zugestanden. Allerdings nur, falls das gesamte Portfolio die sogenannte “High Water Mark” überschritten hätte und dies sei nicht der Fall gewesen. Die “High Water Mark” garantiert, dass Manager oder Vermögensverwalter keine hohen Provisionen für von ihnen vermittelte Wertpapiere erhalten, deren Performance schlecht ist.

Ein Gutachten soll nun klären, ob österreichische Gerichte überhaupt für die im ersten Punkt der Anklageschrift vorgeworfenen Tatbestände zuständig sind. Laut Verteidiger seien sämtliche Handlungen in Liechtenstein, der Schweiz oder den USA getätigt worden. Im zweiten Punkt – Sperger soll 500.000 US-Dollar als Beratungshonorare für eine amerikanische Investmentfirma auf sein privates Konto überwiesen bekommen haben – will das Gericht den amerikanischen Vertragspartner in den Zeugenstand rufen. “Stimmt dieser ihren Aussagen zu, sind Sie aus dem Schneider”, sagte Melter. Sollte dies nicht der Fall sein, “haben Sie ein echtes Problem.”

Sperger sitzt seit Februar 2014 in der Justizanstalt Feldkirch in Untersuchungshaft. Dort wird er vorerst auch bleiben. Das Gericht lehnte einen Aufhebungsantrag mit der Begründung ab, dass in absehbarer Zeit weitere Anklagen gegen den Ex-Boss des 2013 aus der zweithöchsten Fußball-Spielklasse zwangsrelegierten FC Lustenau erhoben würden. “Das wäre ein Anreiz für eine Flucht”, begründete Staatsanwalt Fußenegger seine Ablehnung.