Quartett statt Trio: ÖFB-Trainer in Topligen auf Prüfstand
Mit vier einer mehr als vergangene Saison: Die Zahl österreichischer Trainer in den Top-Fünf-Fußball-Ligen Europas ist gestiegen. Als Aushängeschild darf Oliver Glasner bezeichnet werden, der auch bei renommierteren Clubs auf dem Wunschzettel stand, sich aber für die „Mammutaufgabe“ Nottingham Forest entschied. Mit Eintracht-Frankfurt-Rückkehrer Adi Hütter, Hoffenheims Christian Ilzer und Schalkes Zweite-Liga-Meistermacher Miron Muslic coacht ein ÖFB-Trio in Deutschland.
Glasner hat in seiner Karriere eindrucksvoll gezeigt, dass er das Potenzial seiner Teams mehr als nur ausschöpfen kann. Nach seiner ersten Station im Ausland beim VfL Wolfsburg (2019-2021) konnte er mit dem Triumph in der Europa League 2022 mit Eintracht Frankfurt (2021-2023) erstmals so richtig aufzeigen. Noch beachtlicher war aber sein Engagement bei Crystal Palace (2024-2026). Mit den historischen Erfolgen im FA-Cup, Community Shield und der Conference League steigerte er seinen Marktwert erheblich. Medienberichte über das Interesse von absoluten Topclubs folgten, ehe er bei Nottingham unterschrieb.
“Dann wären wir Zauberer“ – Glasner über Forest-Verbesserungspotenzial
Der Wechsel gilt als Aufstieg, da der vom griechischen Reeder Evangelos Marinakis geführte Club größere Möglichkeiten und Ambitionen hat. Marinakis selbst gilt als unheimlich ehrgeizig, was zu einem sehr unruhigen Umfeld führt. Die „BBC“ verwendete den Begriff „Manager-Friedhof“ in Bezug auf den Club, der Glasner als fünften Trainer innerhalb eines Jahres eingesetzt hat. „Für mich ist es wichtig, dass es eine Challenge ist“, betonte Glasner allerdings.
Als Genie will er ob seiner Erfolge nicht bezeichnet werden. „Es gibt nicht den einen Schalter, den man drückt, es ist tägliche Arbeit und ich alleine kann da gar nichts machen. Wir wollen den Spielern helfen, dass sie die beste Version von sich selbst werden, umsetzen müssen sie es aber selbst“, erläuterte der Oberösterreicher. Glasner hat für drei Jahre unterschrieben und ist der bestbezahlte Coach der Clubgeschichte.
Ziel ist, den Club, der 2025/26 nur 16. war, konstant in der ersten Hälfte der Premier League zu positionieren. Zudem gibt es den Traum von einem weiteren Europacup-Triumph des Meistercup-Siegers von 1979 und 1980. Vergangene Saison erreichte dieser das Europa-League-Halbfinale. „Es ist ein Traditionsclub mit einer fantastischen Fanbase“, betonte Glasner. Seine Ligapremiere gibt er am 22. August vor mehr als 30.000 Fans im City Ground gegen Leeds United. Gegen denselben Gegner geht es auch drei Tage später in der 2. Ligacup-Runde. Siege wären ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk für den Ex-Ried-Kicker, der am 28. August 52 Jahre alt wird.
„Freudentänze“ in Frankfurt wegen Hütter
Hütter startete die vergangene Saison noch als Monaco-Trainer und feierte mehr als acht Monate nach seiner Entlassung beim Ligue-1-Verein in diesem Sommer ein Comeback bei Frankfurt. Das alles fünf Jahre nach seinem nicht ganz geräuschlosen Abgang. „Die haben Freudentänze gemacht“, meinte der deutsche Sky-Experte Didi Hamann.
Hütter hatte in seiner ersten Amtszeit von Juli 2018 bis Juni 2021 die Eintracht ins Europa-League-Halbfinale 2019 geführt und soll den Verein wieder näher an die Spitze heranbringen. Rang acht wie 2025/26 ist nicht, was man sich vorstellt. „Normalerweise bin ich vorsichtig, wenn man eine erfolgreiche Zeit hatte und wieder kommt. Das wird selten so gut, wie es war. Aber wenn es einer schafft, dann glaube ich der Adi“, erklärte Hamann. Hütter selbst hat eine klare Vorstellung, welchen Fußball er sehen möchte. „Proaktiv und begeisternd, um das Stadion, das eine unheimliche Wucht hat, mitzunehmen“, erläuterte der 56-jährige Vorarlberger.
Ilzer bei Hoffenheim fest im Sattel
Bei Hoffenheim sitzt Ilzer mittlerweile fest im Sattel, was auch durch seine „langfristige“ Vertragsverlängerung Ende Mai bestätigt wurde. Der im November 2024 eingesetzte Steirer hat im Verbund mit Sportdirektor Andreas Schicker nach einer Saison im Tabellenkeller die Trendwende geschafft und als Fünfter nur knapp einen Champions-League-Startplatz verpasst.
Dass Ilzer im Sommer des Vorjahres seinen Job behalten konnte, „hat mich sehr gewundert“, sagte Hamann. Aber „was der dann gemacht hat, das ist sensationell.“ Hamann ist überzeugt, „dass die Hoffenheimer wieder eine gute Rolle spielen“. Darauf hofft auch Ilzer: „Wir wollen den erfolgreichen Weg fortsetzen und dabei weiterhin das TSG-Gesicht zeigen.“
Muslic beruhigte Schalke 04
Offen ist, welche Rolle Schalke 04 spielen kann. Muslic gelang jedenfalls das Kunststück, den 2024/25 beinahe in die dritte Liga abgestiegenen Club nach drei Jahren Zweitklassigkeit wieder ins Oberhaus zu führen. Der 43-Jährige habe „den Verein befriedet, was wenige geschafft haben. Er hat eine gewisse Ruhe und das passt auch ganz gut, weil der Verein lebt ja vom Chaos, oder haben sie gelebt. Was er da gemacht hat, hätte ich nicht für möglich gehalten“, meinte Hamann. Die deutsche Saison startet am 21. August mit dem DFB-Cup, in der Liga wird es eine Woche später erstmals ernst.
