Hero 450 Rally rider, Portugal's Paulo Da Silva Goncalves attends the podium ceremony on July 6, 2019 on the eve of the start of Silk Way Rally 2019 from Itkursk (Russia) to Dunhuang (China) through Mongolia. - The rally takes place from July 7 until July 16, 2019. (Photo by DAMIEN MEYER / AFP)        (Photo credit should read DAMIEN MEYER/AFP via Getty Images)

Rallye Dakar: Portugiese Goncalves auf 7. Etappe tödlich verunglückt

via Sky Sport Austria

Die berüchtigte Rallye Dakar in Saudi-Arabien ist am Sonntag von einem Todesfall erschüttert worden. Der erfahrene portugiesische Motorrad-Pilot Paulo Goncalves stürzte schwer und erlag seinen Verletzungen.

Paulo Goncalves hatte mit der Rallye Dakar die Welt bereist. Vor 14 Jahren schon startete der Portugiese erstmals in Afrika, machte später auch den Umzug nach Südamerika mit, griff gar nach dem Gesamtsieg – und betrat mit der berüchtigten Motorsport-Hatz nun in Saudi-Arabien Neuland. “Das wird eine große Herausforderung für uns alle”, sagte Goncalves vor dem Start. Für ihn sollte es die letzte sein.

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Der Unfalltod des Motorrad-Piloten hat am Sonntag die “Dakar” erschüttert und in Erinnerung gerufen, wie gefährlich dieses Event auch im Jahr 2020 noch ist. Seit 2016 war im Rahmen der Rallye niemand mehr ums Leben gekommen, das Risiko fuhr bei diesem viel kritisierten Abenteuer dennoch immer mit.

276 Kilometer hatte der 40-Jährige auf der siebten Etappe von der Hauptstadt Riad nach Wadi ad-Dawasir absolviert, als er schwer stürzte. Um 10.08 Uhr Ortszeit ging bei den Organisatoren ein Notruf ein, um 10.16 war der Rettungshubschrauber an der Unglücksstelle. Die Ersthelfer fanden Goncalves bewusstlos vor, er hatte einen Herzstillstand erlitten.

Die Wiederbelebungsversuche vor Ort scheiterten, er wurde dann per Helikopter ins Layla Hospital transportiert. Dort konnten die Mediziner nur noch Goncalves’ Tod feststellen.

Über den Hergang des Unfalls war zunächst nichts bekannt. Das Querfeldein-Rennen bleibt eben ein Risiko, obwohl die Organisatoren in den vergangenen Jahren viel in die Sicherheit investiert haben.

So geben im Notfall längst GPS-Sender an den Fahrzeugen Signale zur genauen Ortung von Vermissten – im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten, als schon eine technische Panne im Nirgendwo von Afrika lebensgefährlich sein konnte, ist das ein Quantensprung. Doch ein unerwartetes Erdloch, ein Stein an der falschen Stelle, Hindernisse und Fahrfehler jeder Art können noch immer jederzeit tödlich enden.

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Matthias Walkner hat sich geschockt vom Unfalltod des portugiesischen Motorrad-Piloten Paulo Goncalves bei der Rallye Dakar gezeigt. “Das ist so furchtbar. Ergebnisse und der Kampf um einen Spitzenplatz rücken plötzlich wieder ganz weit in den Hintergrund”, sagte der Salzburger.

Der KTM-Fahrer belegte am Sonntag auf dem siebenten Teilstück von Riad nach Wadi Al Dawasir Rang zwei hinter dem Spanier Joan Barreda (Honda). In der Gesamtwertung verbesserte sich Walkner an die fünfte Stelle, auf den US-amerikanischen Spitzenreiter Ricky Brabec (Honda) fehlen 29:29 Minuten. Die Resultate waren allerdings noch inoffiziell, weil Toby Price (AUS/KTM) und Kevin Benavides (ARG/Honda) Goncalves Erste Hilfe leisteten und dadurch Zeitgutschriften bekommen könnten.

An Ergebnislisten war Walkner nach dem tragischen Tod von Goncalves aber ohnehin nicht interessiert. “Paulo war es, der 2016 bei meinem schweren Unfall stehen blieb und mir geholfen hat”, erklärte der Salzburger, der damals einen Oberschenkelbruch erlitten hatte.

Nicht nur deshalb war die Trauer bei Walkner groß. “Er war ein unglaublich netter, hilfsbereiter und fairer Sportler, der von allen sehr geschätzt und gemocht wurde. Vor einigen Tagen hat er mir noch erzählt, es wäre seine letzte Saison. Er hat mir am Anfang meiner Karriere auch immer wieder Tipps fürs Navigieren gegeben. Wir sind bei den Rennen extrem oft auch gemeinsam gefahren, weil wir vom Tempo relativ ähnlich waren. Speziell in meiner Anfangszeit haben wir super-lässige Zweikämpfe gehabt”, erzählte Walkner. “Es ist so tragisch, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.”

Der Österreicher hatte bereits vor dem Goncalves-Tod darauf hingewiesen, dass die Geschwindigkeit bei der Rallye in Saudi-Arabien extrem hoch sei. “Wir sind jeden Tag 15 bis 25 km/h über der vom Veranstalter angenommenen Durchschnittsgeschwindigkeit. Die heutige Etappe war einer der schnellsten, die ich jemals bei einer Rallye gefahren bin. Ich denke, wir kamen auf einen Schnitt von etwa 125 km/h. 546 Kilometer in nicht einmal viereinhalb Stunden. Davon waren 90 Prozent Offpiste, das ist schon extrem grenzwertig. Auch für den Kopf. Denn man weiß, dass der kleinste Fehler wirklich furchtbare Folgen haben kann”, meinte Walkner.

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Goncalves kannte diese Gefahren wie wenige andere. 13 Mal nahm er an der Dakar teil. Er fuhr dabei viermal in die Top 10 der Gesamtwertung und schloss 2015 als Zweiter hinter Sieger Marc Coma aus Spanien ab. “Es ist großartig, Teil dieser Geschichte zu sein”, sagte er noch vor wenigen Tagen.

Nun ist Goncalves auch Teil eines Mahnmals – er steht auf der Liste der 68 Menschen, die bei der Rallye Dakar ums Leben kamen.

Todesopfer bei der Rallye Dakar seit 1979:

1979: Motorrad-Pilot Patrick Dodin (FRA) stirbt nach einem Sturz.
1981: Drei italienische Journalisten sterben beim Unfall eines Begleitfahrzeugs.
1982: Bert Oosterhuis (NED) erleidet bei einem Motorrad-Sturz tödliche Verletzungen. Die Journalistin Ursula Zentsch stirbt beim Unfall eines Begleit-LKW. Ein Kind wird in Mali von einem Fahrzeug tödlich verletzt.
1983: Jean-Noel Pineau (FRA) stirbt bei einem Sturz mit seinem Motorrad.
1984: Eine Zuschauerin in Burkina Faso wird angefahren und tödlich verletzt.
1985: Ein am Streckenrand stehendes Kind wird in Nigeria angefahren und stirbt.
1986: Der Japaner Yasuo Kaneko wird auf einer Verbindungsetappe in Frankreich mit seinem Motorrad beim Zusammenprall mit einem Auto getötet. Beim Absturz eines Helikopters im Niger kommen fünf Personen ums Leben, unter ihnen der Dakar-Gründer Thierry Sabine.
1987: Der Lenker eines Pressefahrzeugs stirbt bei einem Unfall
1988: Kees van Loevezijn (NED) wird aus seinem LKW geschleudert und stirbt. Co-Pilot Patrick Canado (FRA) stirbt beim Zusammenstoß zweier Rallye-Autos. Motorrad-Pilot Jean-Claude Huger (FRA) erliegt seinen Sturzverletzungen. Zwei Journalisten, zwei Kinder und eine Frau kommen bei Unfällen ums Leben.
1990: Ein Journalist stirbt nach einem Unfall.
1991: Der Lenker eines Tank-LKW aus dem Begleittross wird in Mali erschossen.
1992: Jean-Marie Sounillac und Laurent Le Bourgeois (FRA) sterben beim Unfall eines Begleit-LKW in Libyen. Motorrad-Pilot Gilles Lalay (FRA) wird von einem Sanitätsfahrzeug angefahren und tödlich verletzt.
1994: Motorrad-Pilot Michel Sansen (BEL) und ein Kind kommen bei einem Sturz ums Leben.
1996: Laurent Gueguen (FRA) stirbt bei der Explosion seines LKW in einer Krisenzone (Marokko/Polisario-Front). In Guinea wird ein Kind durch ein Motorrad getötet.
1997: Motorrad-Pilot Jean-Pierre Leduc (FRA) stirbt nach einem Sturz.
1998: Fünf Autoinsassen aus Mauretanien versuchen einen Teilnehmer auf einer Verbindungsetappe zu überholen und kommen bei dem Unfall ums Leben.
1999: Ein Gendarm stirbt in Burkina Faso beim Zusammenstoß seines Autos mit einem Teilnehmer.
2002: Ein Mitglied des Toyota-Teams stirbt bei einem Unfall.
2003: Bruno Cauvy (FRA) kommt bei eionem Unfall in den Dünen Libyens ums Leben.
2005: Motorrad-Pilot Jose Manuel Perez (ESP) erliegt seinen Sturzverletzungen. Motorrad-Pilot Fabrizio Meoni, Dakar-Sieger von 2001 und 2002, stirbt nach einem Sturz in Mauretanien. Ein Mädchen wird von einem Assistenz-LKW tödlich verletzt.
2006: Motorrad-Pilot Andy Caldecott (AUS) erliegt seinen Sturzverletzungen in Mauretanien. Ein Bub wird beim Überqueren der Fahrbahn von einem Teilnehmer angefahren und stirbt.
2007: Die Motorrad-Piloten Elmer Symons (RSA) und Eric Aubijoux (FRA) kommen bei zwei Unfällen ums Leben.
2009: Motorrad-Pilot Pascal Terry (FRA) wird drei Tage nach seinem Verschwinden in Argentinien tot aufgefunden. Ein Begleit-LKW prallt in Chile gegen ein Auto, in dem zwei Insassen sterben. 2010: Das Auto des Deutschen Mirco Schultis kommt bei Cordoba von der Strecke ab, prallt gegen eine Gruppe von Zuschauern, eine 28-jährige Argentinierin stirbt im Spital an ihren Verletzungen.
2012: Der argentinische Motorrad-Pilot Jorge Martinez Boero stirbt bei einem Unfall zwei Kilometer vor dem Ziel in der Nähe der Stadt Necochea.
2013: Der französische Motorrad-Pilot Thomas Bourgin stirbt in Chile nach einem Zusammenstoß mit einem Polizeiauto.
2014: Der belgische Motorradfahrer Eric Palante verunglückt in Argentinien tödlich. Auch zwei Journalisten sterben: Ihr Auto stürzt in eine Schlucht.
2015: Der polnische Motorradfahrer Michal Hernik wird in Argentinien auf der Etappe von San Juan nach Chilecito bei Kilometer 206 tot aufgefunden.
2016: Ein 63-jähriger Zuschauer aus Bolivien stirbt, nachdem er vom Mitsubishi des Franzosen Lionel Baud erfasst worden ist.
2020: Der portugiesische Motorrad-Pilot Paulo Goncalves stirbt nach einem Sturz zwischen Riad und Wadi Al Dawasir.

(SID/APA)

Artikelbild: GETTY Images