LONDON, ENGLAND - DECEMBER 03: (BILD ZEITUNG OUT) Yusuf Demir of Rapid Vienna controls the ball during the UEFA Europa League Group B stage match between Arsenal FC and Rapid Wien at Emirates Stadium on December 3, 2020 in London, United Kingdom. Sporting stadiums around the UK remain under strict restrictions due to the Coronavirus Pandemic as Government social distancing laws prohibit fans inside venues resulting in games being played behind closed doors. (Photo by Vincent Mignott/DeFodi Images via Getty Images)

Rapids “EL-Finalspiel” auch wirtschaftlicher Faktor

via Sky Sport Austria

Rapid hat am Donnerstag im Heimspiel gegen Molde die Chance auf den Einzug ins Sechzehntelfinale der Fußball-Europa-League. Der Aufstieg in die K.o.-Phase wäre nicht nur aus sportlicher Sicht reizvoll, er hätte auch einen angenehmen finanziellen Nebenaspekt. In diesem Fall wäre nämlich von der UEFA eine zusätzliche Prämie in siebenstelliger Höhe zu erwarten.

Die durch die Corona-Pandemie ausgelösten wirtschaftlichen Probleme würden dadurch nicht verschwinden, zumal der Betrag etwa durch Bonus-Zahlungen an die Spieler verringert werden würde. Dennoch hätte man gegen das Zubrot nichts einzuwenden, wie Wirtschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek gegenüber der APA erklärte. “Die Jungs haben sich dieses Finalspiel hart erarbeitet, und es wäre ein großartiger sportlicher Erfolg, wenn wir aufsteigen würden, und das wollen wir auch. Natürlich freuen wir uns auch in der momentanen Situation über jeden Euro.”

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Im aktuellen Finanzplan seien zusätzliche Einnahmen aus dem Sechzehntelfinale nicht einbezogen. “Wir haben selbstverständlich nach dem Sieg gegen Lok Zagreb (Anm.: der zumindest die Teilnahme an der EL-Gruppenphase garantierte) aus kaufmännischer Vorsicht nur mit den Erlösen aus der Gruppenphase geplant”, sagte Peschek.

Das vergangene Geschäftsjahr wurde mit einem Minus von knapp 200.000 Euro abgeschlossen, für 2020/21 rechnet der Wiener im Worst Case mit einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Daher sind in der anstehenden Winter-Transferzeit keine großen Investitionen zu erwarten und Abgänge nicht ausgeschlossen, selbst wenn es zusätzliches UEFA-Geld geben sollte. “Wir handhaben es wie immer – wir wollen auf alle Szenarien vorbereitet sein. Definitiv wird es aber keine Notverkäufe geben”, meinte Peschek.

Weit prekärer als bei Rapid ist die Lage bei der Austria, die 2019/20 ein Minus von 18,8 Millionen Euro erwirtschaftete und auf einem Schuldenberg von 78 Millionen Euro sitzt. Peschek meinte zur drohenden Insolvenz der Favoritner: “Das Wiener Derby ist das meistgespielte auf dem europäischen Kontinent und für Österreichs Fußball-Kultur prägend. Jeder Sieg gegen den Erzrivalen ist emotional etwas ganz Besonderes, daher hoffe ich, dass wir noch möglichst viele Siege auf dem grünen Rasen erleben dürfen.”

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Wie für die Austria wäre auch für Rapid die Rückkehr der Zuschauer in die Stadien von großer Bedeutung. “Es wird von der epidemiologischen Gesamtlage abhängen, aber wir hoffen, dass wir bald wieder vor Fans spielen dürfen. Wir haben ein sehr gutes Präventionskonzept erarbeitet und gezeigt, dass es sehr gut funktioniert. Wir hoffen, im Frühjahr in Richtung Vollauslastung gehen zu können”, berichtete Peschek.

Beschleunigt werden könnte dieses Vorhaben durch die demnächst anlaufenden Impfungen oder auch durch Antigentests bei Fans unmittelbar vor dem Stadionbesuch. “Aber wir werden nicht bei Tausenden Leuten Impfnachweise verlangen oder Antigentests durchführen”, betonte Peschek.

Trotzdem könnten Impfstoffe und Antigentests für finanzielle Entspannung sorgen. Letztere sind billiger als PCR-Tests und für Oberhaus-Vereine seit einem Beschluss der Clubkonferenz am 19. November offiziell als Nachweis einer möglichen Infektion zugelassen. Ob Rapid ab kommendem Jahr die günstigere, aber etwas weniger verlässliche Variante wählt, soll sich demnächst entscheiden. “Wenn wir umsteigen, wird jede Person der roten Gruppe zweimal pro Woche getestet”, kündigte Peschek an.

Bei einem positiven Ergebnis müssten bei allen Mitgliedern der Roten Gruppe PCR-Tests genommen werden. Derzeit wird einmal pro Woche mittels PCR getestet, in Europacup-Wochen zweimal.

Das aufwändige und kostenintensive Test-Prozedere könnte man sich ersparen, wenn Spieler und Betreuer geimpft wären. “Da werden wir auf Basis aller Informationen und Kenntnisse nach Rücksprache mit unserer medizinischen Abteilung für uns eine Richtungsentscheidung hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise definieren”, sagte Peschek. “Betreffend Impfung werden wir die behördlichen Informationen abwarten, auch, welche UEFA-Vorgaben kommen, und würden dies auch innerhalb der Bundesliga mit den Experten besprechen. Aber mehr als eine Impf-Empfehlung wird es wohl nicht geben können.”

(APA)

Artikelbild: Getty