Ried-Sportchef Fiala über starken Herbst erfreut: „War nicht zu erwarten“
Die SV Ried kann in der ADMIRAL Bundesliga auf eine gelungene Herbstsaison zurückblicken. Als Aufsteiger überwintert man in den Top sechs, punktgleich mit dem viertplatzierten TSV Hartberg und der fünftplatzierten Wiener Austria. Geschäftsführer Wolfgang Fiala hat mit Sky Sport Austria exklusiv über die abgelaufene Herbstsaison gesprochen.
„Wir sind natürlich sehr glücklich damit. Ein Top-sechs-Platz war vor der Saison nicht zu erwarten und ist insofern eine sehr coole Geschichte für uns“, so Fiala.
„Das Zweite ist aber auch die Art und Weise, also die Prozesse. Das hat mir eigentlich am besten gefallen. Aber grundsätzlich, vom hohen Angriffspressing über einen sehr dynamischen und erfrischenden Offensivfußball bis hin zu den Standardsituationen und auch dem Einbau von jungen Spielern, sind das genau die Sachen, die wir in der 2. Liga auch schon gemacht haben“, so der Sportchef der Rieder.
„Ich finde, das ist genauso bemerkenswert, dass wir unserem Stil treu geblieben sind und mit diesem Stil jetzt auf Platz sechs überwintern dürfen.“
Jugendarbeit im Fokus: „Sind die Plattform für junge österreichische Spieler“
Ein Herzstück der sportlichen Arbeit im Innviertel ist die Entwicklung junger österreichischer Talente. In der ADMIRAL Bundesliga bekamen österreichische U21-Spieler bei der SV Ried die meisten Spielminuten. Eine Entwicklung, die laut Fiala besonders wichtig für den Verein ist: „Das macht mich extrem stolz. Wir reden in dieser Hinsicht nicht nur, sondern setzen unsere Ankündigungen auch in die Tat um. Wir sind die Plattform für junge österreichische Spieler. Ich glaube, das ist mittlerweile landesweit bekannt.“
Aber die Mischung macht es aus, wie der 37-Jährige erklärt: „Es ist ein guter Mix aus unseren führungsstarken Routiniers, sehr leistungsstarken Legionären und eben diesen jungen Spielern. Das ist ein Mix, den viele Vereine in Österreich noch suchen und der das Salz in der Suppe der Kaderplanung ist.“
Fiala erklärt, dass der Verein gezielt Maßnahmen setzt, um junge Talente zu fördern und gezielt an den Profifußball heranzuführen: „Im Sommer haben wir am Matchday – 3 ein Potenzialspielertraining eingeführt. Da trainieren unsere Akademiespieler mit unseren jungen Spielern aus dem Profikader unter der Leitung des Profi-Trainerteams. Hier entstehen viele Synergien und die jungen Profis haben auf einmal eine ganz andere Rolle in der Gruppe. Zudem haben wir ein Trainerteam, das sich trotz Profi-Alltag als Spielerentwickler versteht und in der Kaderplanung geht unser erster Blick immer in Richtung Akademie. Das sind drei beispielhafte Maßnahmen, die bei der Überführung helfen.“

Fiala über ÖFB-Leistung bei U17-WM: „Extrem beeindruckend“
Ganz Österreich durfte im November über die starken Leistungen der ÖFB-U17-Auswahl bei der WM in Katar staunen. Das Team von Trainer Hermann Stadler kam bis ins Finale, besiegte auf dem Weg dorthin unter anderem England und Italien. Fiala zeigte sich von der Art und Weise, wie das Team aufgetreten ist, beeindruckt.
„Ich konnte das Leistungsniveau der U-Mannschaften international davor nicht wirklich einschätzen, deshalb habe ich mir vorher mit einer fundierten Einschätzung schwergetan. Aber ich glaube, dass unser Team durch den Trainerstab unter der Leitung von Hermann Stadler gewisse Tugenden gezeigt hat, die man nicht vergessen darf und die zum Fußballsport oder generell zum Sport dazugehören. Ich finde es extrem beeindruckend, wie sie sich in die Spiele reingekämpft haben“, so der Rieder Sportchef.
„Diese Widerstandsfähigkeit. Auch einmal unterlegen sein und trotzdem den Faden nicht zu verlieren, sondern sich noch mehr ins Spiel reinbeißen zu können. Eine sehr hohe Verteidigungslust und ein sehr gutes Verteidigen, was im Nachwuchsfußball untypisch ist und was unsere Mannschaft im ganzen Turnier gezeigt hat. Und natürlich auch eine hohe Einzelspielerqualität, wo ich jetzt keinen Namen nennen möchte, aber eine hohe Einzelspielerqualität in einer richtig ehrgeizigen Gruppe. Das war schon beeindruckend.“
Frauscher überzeugt bei U17-WM
Mit Daniel Frauscher stand auch ein Spieler aus der Rieder Akademie im Kader. In sieben Spielen sammelte der Mittelstürmer 123 Spielminuten. Nur im Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien blieb ihm ein Einsatz verwehrt.

„Zu Daniel möchte ich sagen, dass er ein einzigartiger Charakter ist, der seine absoluten Stärken in seiner Schnelligkeit hat, in seinen Tiefenläufen und in der Bedrohung, die er für Gegner darstellen kann“, so Fiala über seinen Schützling. „Ich glaube auch, dass er ein richtig guter Teamplayer ist, der seine Rolle in der Mannschaft sehr gut akzeptiert hat und sehr stolz sein kann, dass er so viele Einsätze bei der WM hatte. Unser U18-Trainer Denis Omic hat ihn in den letzten Monaten auch noch einmal richtig weiterentwickelt.“
Gefahr bei Standards
In der ADMIRAL Bundesliga ist die SV Ried die beste Mannschaft. Mehr als die Hälfte der geschossenen Tore konnten durch Standards erzielt werden. Eine Entwicklung, die die Rieder laut Sportchef Fiala auszeichnet. „Wir haben einen extrem hohen Fokus darauf. Wir investieren eine Trainingseinheit in der Woche rein für Standardsituationen. Das bringt dann am Ende auch etwas“, so der 37-Jährige.
„Die Spieler haben das wirklich kultiviert und nehmen das richtig gut an. Wir haben in der Kaderplanung auch geschaut, dass wir da stark sind. Neben Nikki Havenaar haben wir da auch Michael Sollbauer und Oliver Steurer. Kingstone Mutandwa ist sehr stark, auch Yusuf Maart mit seinen langen Einwürfen. Auch Fabian Rossdorfer muss ich hier hervorheben. Wir legen im Scouting auf jeden Fall Wert darauf“, so Fiala weiter.

Standards bei Spielerentwicklung großer Faktor
Fiala verrät: „Bei uns ist es auch so, dass wir eine Spielerbeschreibung für jeden Kaderspieler haben. Alle sechs Monate wird der Spieler vom Trainerteam im Detail beschrieben. Das hilft uns enorm zu bestimmen, wohin wir unsere Spieler entwickeln können. Und da sind Standards eben auch ein großer Faktor.“
„Da haben wir einfach einen hohen Stellenwert in unserem Trainerteam und mit Moritz Kossmann auch einen sehr guten Standardtrainer. Zusammen mit guten Spielern, macht es das halt einfach aus.“
Gegen jedes Team gefährlich
Die Stärke bei Standards kann der SV Ried gegen jedes Team helfen, wie Fiala erklärt: „Das ist vielleicht auch der einzige Punkt, wo wir, egal gegen wen wir spielen, immer die bessere Mannschaft sein können.“
„Wenn wir beispielsweise gegen Paris Saint-Germain spielen, werden wir wahrscheinlich in relativ vielen Phasen unterlegen sein. Aber wenn wir einen Eckball haben, dann könnte es schon sein, dass wir da treffen. Und deswegen ist es halt für uns als Underdog in der Liga schon ein sehr wichtiger Punkt.“
Mutandwa-Verpflichtung? Fiala kündigt Entscheidung an
Mit acht Toren und drei Vorlagen in 18 Spielen war Kingstone Mutandwa einer der stärksten Akteure der Rieder in den vergangenen Monaten. Der Stürmer ist aktuell vom italienischen Erstligisten Cagliari ausgeliehen, soll aber fest verpflichtet werden.
„Es ist unser absoluter Wunsch, dass er länger in Ried bleibt“, sagt Fiala. „Nicht nur, weil er viel getroffen hat. Sondern auch, weil er ein cooler Typ ist, ein harter Arbeiter und sehr gut zu Ried passt. Er hat Vertrauen in unser Trainerteam und daher macht das aus ganz vielen Bereichen Sinn.“

Die Entscheidung soll im Winter fallen: „Wir werden im Februar nach Italien reisen und dann weitersehen. Es wird aber nicht billig.“
Klassenerhalt weiterhin das Ziel
Für das Frühjahr blickt Fiala weiter auf das Ergebnisziel Klassenerhalt. „Ich erwarte mir eigentlich, dass wir als Team und als Gruppe unsere Art und Weise zu spielen, unsere Art und Weise füreinander da zu sein und unsere Art und Weise als Team zu agieren wieder auf den Platz bringen. Dann bin ich sicher, dass wir leistungsstark genug sind, um unser Saisonziel zu erreichen. Das ist eigentlich das Einzige, was ich mir erwarte“, so der 37-Jährige.
„Ich erwarte mir weder einen Top-sechs-Platz, noch erwarte ich mir irgendwelche anderen Hirngespinste, die viele da draußen haben“, so Fiala weiter. „Am Ende des Tages können wir in der nächsten Saison mit der SV Ried in der Bundesliga spielen, und ich glaube, wenn wir das vorher Genannte auf den Platz bringen, dann werden wir das auch schaffen.“
Bilder: GEPA
