Lukas Brandl, spricht im exklusiven Sky-Interview über die Ambitionen in der kommenden Saison und die Nachwuchsarbeit be

Ried zurück in der Bundesliga: „Dürfen nicht glauben, wir müssen alles umdrehen“

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Die SV Ried spielt in der kommenden Saison wieder in der ADMIRAL Bundesliga. Der Technische Direktor der Innviertler, Lukas Brandl, spricht im exklusiven Sky-Interview über die Ambitionen in der kommenden Saison und die Nachwuchsarbeit bei den Riedern.

Sky: Wie bewertest du im Nachhinein die vergangene Saison?

Lukas Brandl: Ich sehe die vergangene Saison immer als Teil einer Geschichte, die schon vor  einigen Jahren losgegangen ist.  Wichtige handelnde Personen sind schon länger am Start. Wolfgang Fiala, damals Akademieleiter, jetzt Geschäftsführer, ist seit fünf Jahren in Ried. Er hat mich vor vier Jahren eingestellt und wir haben gemeinsam begonnen, ein sportliches Konzept zu entwickeln.  Unser Trainerteam bei den Profis, Cheftrainer Max Senft und Co Edi Buxmann, sind seit drei Jahren in Ried und waren von Beginn an ein ganz wichtiger Teil, neben anderen Kollegen, die schon lange dabei sind. Beide haben auch in der Akademie  und zweiten Mannschaft begonnen. Es ist eine gemeinsame Erfolgsgeschichte, die zu manchen Zeitpunkten unwahrscheinlich ausgeschaut hat. Auch während der abgelaufenen Saison.

Auch international gesehen ist es in der Saison nach dem Abstieg nie leicht. Wir sind gleich Vizemeister geworden und haben viele junge Spieler debütieren lassen. Wir hatten in puncto Akademiespieler im Profifußball eine der besten Quoten in Österreich, in Folge dann auch sehr gute Transfererlöse im letzten Sommer. Trotzdem wurde die Saison von vielen kritischen Stimmen begleitet, weil der Abstand zum GAK am Ende doch recht groß war.

Die Tabelle der ADMIRAL 2. Liga in der Saison 2023/24

In der Saison 2023/24 wurde der GAK deutlich vor der SV Ried Meister und stieg in die ADMIRAL Bundesliga auf
In der Saison 2023/24 wurde der GAK deutlich vor der SV Ried Meister und stieg in die ADMIRAL Bundesliga auf

Auch in der jetzt abgeschlossenen Saison hat es Momente gegeben, in denen wir vier oder fünf Punkte hinten waren. Daher sehe ich es jetzt unter dem großen Motto „Bestätigung und Erleichterung“, weil der innere Kern immer daran geglaubt hat.

Wir haben nie daran gezweifelt, dass wir die Admira noch überholen können. Natürlich wissen wir, dass die auch eine super Mannschaft haben und auch eine sehr gute Saison gespielt haben. Aber wir haben ebenso gewusst, dass wir immer eine Chance haben, wenn wir auf unserem Weg bleiben, wenn wir überzeugt bleiben. Und das haben wir geschafft.

Ich muss ehrlich sagen, nach dem Abpfiff in Bregenz war es vor allem Bestätigung und Erleichterung, dass sich das dann realisiert hat.

Die SV Ried fixierte mit einem Auswärtssieg bei Schwarz-Weiß Bregenz den Aufstieg in die ADMIRAL Bundesliga | Bild: GEPA
Die SV Ried fixierte mit einem Auswärtssieg bei Schwarz-Weiß Bregenz den Aufstieg in die ADMIRAL Bundesliga | Bild: GEPA

„Wir haben nie daran gezweifelt, dass wir die Admira noch überholen können.“

„Die gemeinsame Idee ist im Kern nicht verhandelbar“

Sky: Wie wollt ihr euch jetzt dauerhaft in der ADMIRAL Bundesliga etablieren?

Das Wichtigste ist, dass wir die Überzeugungen, die uns gut gemacht haben in der Vergangenheit – die uns zu diesem Punkt des Erfolgs gebracht haben – zwar weiterentwickeln, im Kern aber voll drauf bleiben.

Wir dürfen nach dem Aufstieg nicht glauben, wir müssten alles umdrehen, wir könnten nicht mehr dominant spielen, wir könnten nicht mehr so bei unserem Style bleiben. Die gemeinsame Idee ist im Kern nicht verhandelbar. Und das hängt natürlich mit den handelnden Personen zusammen. Deswegen bin ich sehr dankbar, dass wir so ein gutes Trainerteam haben, und ich bin dankbar, dass Wolfgang als Geschäftsführer auch mir die Chance gegeben hat, von Anfang an Ideen einbringen zu dürfen. Gleichzeitig möchte ich auch Thomas Gahleitner, dem Präsidenten, und Roland Daxl, der im Hintergrund extrem viel beiträgt, danken, dass sie diesem jungen Team so vertrauen.

Dieses Team ist aus meiner Sicht ein wichtiger Teil davon, dass wir in unserer Überzeugung klar und kritisch bleiben. Dann ist es auch realistisch, dass wir uns etablieren und dass der Weg weitergeht.

Druck von oben? „Sportliche Idee von unten nach oben gewachsen“

Sky: Inwiefern ist für den Weg der SV Ried auch eine gute Zusammenarbeit zwischen der Kampfmannschaft und dem Nachwuchs, bzw. der Akademie notwendig?

Brandl: Es ist in unserem speziellen Fall überhaupt nicht anders vorstellbar. Die sportliche Idee und die Überzeugung ist ja nicht von oben übergestülpt worden, sondern ist von unten nach oben gewachsen, weil jeder von uns in der Akademie angefangen hat.

Und bis jetzt war es auch immer so, dass es in schweren Phasen aus der Akademie nie destruktive Stimmen oder Zweifel gegeben hat. Alle Trainer, die Spieler in der Akademie und der ganze AKA-Staff haben eine große Identifikation mit der Art und Weise, wie wir arbeiten. Die große Qualität, Leidenschaft und der Fleiß dieser Kollegen hilft natürlich besonders.

Dazu kommt noch der einzigartige Austausch zwischen allen Beteiligten. Bei uns ist es ganz normal, dass der Akademietrainer in der Mittagspause ins Trainingszentrum für die Profis fährt und spontan mit jemandem aus dem Trainerstab über eine Idee fürs Training am Nachmittag spricht. Man könnte fast sagen, wir sind wie ein einziger großer Staff, der im Verein wie mit einer einzigen großen Mannschaft arbeitet.

Und das, glaube ich, ist ein sehr großer Erfolg.. Da geht es nicht nur um das Zwischenmenschliche, sondern auch darum,  dass wir eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Logik, wie wir über Fußball denken und sprechen, etabliert haben. Daher kommen wir relativ schnell inhaltlich auf eine tiefe Ebene. Und das ist ein Riesenerfolg, etwas, das viele andere Vereine in der Kombination Akademie und Profis nicht haben. Es hat bis zum aktuellen Status Quo auch zwei, drei Jahre gedauert und es ist harte, diskursive Arbeit von allen Beteiligten, das weiter am Leben zu erhalten.

Kurz gesagt: Die Verbindung zur Akademie ist untrennbar vom Erfolg bei den Profis.

„Die sportliche Idee und die Überzeugung ist ja nicht von oben übergestülpt worden, sondern ist von unten nach oben gewachsen, weil jeder von uns in der Akademie angefangen hat.“

Brandl: „Haben in unserem Kader immer einen Teil für Spieler aus den eigenen Reihen reserviert“

Sky: Kann man davon ausgehen, dass man in der kommenden Spielzeit auch den ein oder anderen Akademiespieler in der ADMIRAL Bundesliga bei der SV Ried am Spielfeld sehen wird?

Brandl: Natürlich ist der Schritt von der Regionalliga, in der wir in der abgelaufenen Saison die zweitjüngste Amateurmannschaft der zweiten und dritten Liga Österreichs nach Liefering gestellt haben, zur Bundesliga nochmal ein größerer als zur zweiten Liga. Wir haben in unserem Kader allerdings immer einen Teil für Spieler aus den eigenen Reihen reserviert.

Diese Spieler dürfen sich im Training zeigen. Das wird auch in der kommenden Saison so sein. Dieser Glaube an die bei uns gewachsenen Spieler und der Mut, ihnen dieses Vertrauen auch zu schenken, ist aus der Kaderplanung nicht wegzudenken.

Sky: Inwiefern können die Nachwuchsspieler die Abgänge bei der SV Ried kompensieren?

Brandl: Das kann man natürlich erst genauer wissen, wenn die Vorbereitung voll angelaufen ist. Grundsätzlich sind wir auch in der Kaderplanung ambitioniert und wollen uns auf keinen Fall verschlechtern, sondern uns für die Bundesliga rüsten.

Die Spieler, die den Verein sicher verlassen, wurden beim letzten Heimspiel bereits verabschiedet. Alles weitere ist gerade im Entstehen und wird von Wolfgang und mir bereits seit vielen Monaten vorbereitet.

Zur Ambition in der Kaderplanung gehört auf unserem Weg aber eben auch, dass junge Spieler sich für freie Plätze empfehlen dürfen.

Diese Spieler haben die SV Ried nach der Saison 2024/25 bereits verlassen

„Dieser Glaube an die bei uns gewachsenen Spieler und der Mut, ihnen dieses Vertrauen auch zu schenken, ist aus der Kaderplanung nicht wegzudenken.“

Sky: Also rechnet man schon noch mit dem ein oder anderen Abgang bei den Profis?

Brandl: Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Im Vorhinein ist das schwer bis ganz zum Ende planbar, da auf dem Transfermarkt immer Bewegung ist. Das geht ja jetzt erst so richtig los. Wir haben durch unsere internen Spielerbewertungs-Prozesse von U15 bis zu den Profis aber sehr genaue und abgestimmte Vorstellungen, wodurch wir uns maximal vorbereiten und dadurch zumindest den Teil, den wir selbst kontrollieren können, abdecken, und im Umkehrschluss genau wissen, was wir suchen.

„Zur Ambition in der Kaderplanung gehört auf unserem Weg aber eben auch, dass junge Spieler sich für freie Plätze empfehlen dürfen.“

Brandl: „Wollen Spieler auf keinen Fall nach einer rein vertikalen Idee ausbilden“

Sky: Was genau kann man sich unter der Philosophie vorstellen, die ihr euren Nachwuchsspielern bei der SV Ried vermitteln wollt?

Brandl: Wenn man ein bisschen Akademiefussball verfolgt bei uns in Österreich, dann weiß man, dass die meisten Akademien jedes Jahr extrem viel Wert auf Intensität und Zielstrebigkeit legen. Intensität meistens in Form von hohem Pressing. Zielstrebigkeit insofern, dass man schnell nach vorn spielt und versucht auf zweite Bälle auch gut zu sein. Das gehört beides im österreichischen Fußball durch die Red-Bull-Prägung einfach dazu.

Auch bei uns ist es so, dass wir das Thema Intensität als sehr wichtigen Baustein sehen, der uns Energie gibt und der unsere Spieler auf ein gewisses Niveau bringt. Wenn sie das beherrschen, auch körperlich, ist eine gewisse Basis nach oben hin gelegt.

Gleichzeitig reden wir aber auch sehr detailliert über die Mündigkeit von Spielern, was uns wohl teilweise von anderen Vereinen unterscheidet. Wir wollen Spieler im Ballbesitz auf keinen Fall nach einer rein zielstrebigen, vertikalen Idee ausbilden. Wir sind davon überzeugt, dass da etwas verloren geht, wenn das von der U14, U15 an die einzige Prämisse mit Ball ist. Der Weg zum Tor ist als oberstes Ziel natürlich unverhandelbar, das vertreten wir auch. Die Orientierung der Gegen- und Mitspieler gehört aber auch dazu, nicht nur die Symmetrie des Spielfeldes. Fußball ist ein Spiel, keine Prozessrechnung.

„Beeindruckend“ – Leitner bei „Talk & Tore“ über Meistertrainer Senft

Wir können uns in Ried nicht leisten, dass wir Spieler verlieren, die vielleicht gute Dribbler sind, sehr gut unter Druck sind oder sehr gutes Passspiel haben, aber vielleicht athletisch nicht die absoluten Spitzenwerte erreichen, in anderen Aspekten allerdings absolut Profifußball spielen können.

Aus diesem Grund legen wir hohen Wert darauf, die Spieler auch in puncto Mündigkeit auszubilden. Unsere Spieler sollen lernen, Spielsituationen selbst einschätzen können. Wir wollen einen Spielgeist entwickeln, der die Spieler robuster macht. Wir sprechen in diesem Zusammenhang immer davon, dass die Spieler ihre Gegenspieler „manipulieren“, also Muster brechen, überraschen können und sich so das Spiel zu eigen machen. Dadurch sind sie auch nicht abhängig von einer engstirnigen Idee oder von einem rein ablaufartigen Fußball.

Unsere Spieler sollen sich so , wenn sie erwachsen sind, auf verschiedene Trainer und verschiedene Grundformationen einstellen können. Besonders, wenn die Grundannahmen dieser Trainer über das Fußballspiel auf einer Meta-Ebene zu unseren passen. Am wichtigsten ist diese Passung natürlich zunächst mal intern bei uns. Hier kann ich mich glücklich schätzen, dass unsere Trainer sich damit nicht nur voll identifizieren, sondern das auch aktiv weiterentwickeln – jeder in seinem Mannschaftsbereich, aber auch im regelmäßigen gemeinsamen Austausch.

Ried in die Meistergruppe? „Träumen ist immer erlaubt“

Sky: Zum Abschluss jetzt vielleicht noch ganz kurz: Was ist das Ziel für die kommende Saison? Ist die Meistergruppe möglich?

Brandl: Träumen ist immer erlaubt, wir sind alle Sportler und in einem Wettkampf ist man immer maximal ambitioniert. Aber wir wissen natürlich, dass wir da nicht naiv reingehen dürfen.

Es wird grundsätzlich einmal eine große Herausforderung. Deswegen schauen wir auf die Dinge, die wir kontrollieren und wo wir aktuell Einfluss nehmen können. Das ist im Moment die Kaderplanung.

Langfristig ist das Ziel, dass wir uns als fester Bestandteil in der Bundesliga etablieren.. Wir bleiben realistisch und wissen, dass es erst einmal schwierig wird. Es wird eine Challenge, in der Bundesliga anzukommen. Die letzten Jahre haben aber gezeigt, dass wir mit Challenges ganz gut umgehen können.

Unter Maximilian Senft und Co. peilt die SV Ried den Klassenerhalt in der ADMIRAL Bundesliga an | Bild: GEPA
Unter Maximilian Senft und Co. peilt die SV Ried den Klassenerhalt in der ADMIRAL Bundesliga an | Bild: GEPA

Bild: GEPA/SV Ried