Rodlerinnen Egle und Kipp als Favoritinnen in Doppelsitzer-Premiere
Die Topfavoritinnenrolle bei der Premiere im Frauen-Doppelsitzerrennen bei den Olympischen Spielen in Cortina gehört Selina Egle und Lara Kipp. Die Gesamtweltcupführenden hatten die Rodel-Konkurrenz in diesem Winter im Griff, bei den Winterspielen müssen sie aber auch noch ihre Nerven zügeln. Im Männerbewerb sind der nun zweifache Vater Wolfgang Kindl mit Thomas Steu sowie Juri Gatt/Riccardo Schöpf im Rennen um Edelmetall. Die Entscheidungen fallen am Mittwoch ab 17.00 Uhr.
Egle sprach von einer leichten Reizüberflutung angesichts der Fünf Ringe, es sei aber gelungen, sich außerhalb und in der Bahn rasch anzupassen. „Wir haben einen guten Rhythmus gefunden“, sagte die Tirolerin, die manchmal gebremst werden muss. „Ich will immer weiter, höher, schneller sein.“ Aber das sei eben die Freude, die sie an dem habe, was sie mache. „Gott sei Dank haben wir in die Rolle schlüpfen dürfen, dass wir Mitfavoriten sind. Wenn alles zusammenpasst, ist alles möglich. Wenn man die gewisse Lockerheit hat, wird viel möglich sein.“
Egle: „Zeigen, was wir draufhaben“
Die Nerven werden eine große Rolle spielen, sagte Egle. „Es muss alles zusammenpassen und auch Glück dabei sein. Wir wollen die Atmosphäre genießen und zeigen, was wir draufhaben.“ Den Druck von außen spüre sie, erklärte Kipp, aber sie versuche, sich selber keinen zu machen. Die Aufgaben wurden alle gemacht, der Plan war so angelegt, dass „wir zu den Spielen den Peak von den Kraftwerten haben“. Bei Olympia zu sein, sei ein unglaubliches Gefühl, es sei überwältigend. Und umso besser, dass man viel zu tun habe, so könne man diesen Stress wegschieben. Die größte Konkurrenz kommt mit Dajana Eitberger/Magdalena Matschina aus Deutschland, die Europameisterinnen Jessica Degenhardt/Cheyenne Rosenthal müssen zuschauen, da nur ein Schlitten pro Nation zugelassen ist.
Gatt/Schöpf liegen im Weltcup hinter den überragenden Deutschen und sechsfachen Olympiasiegern Tobias Wendl/Tobias Arlt an zweiter Position. „Es ist eine Gleiterbahn, die wir generell gern mögen. Wir fühlen uns auf unserem Material wohl und wissen, dass wir ganz vorne mitfahren und gewinnen können“, sagte Gatt. Den Erwartungsdruck versuche man auszublenden. „Wenn man sich verbeißt, dann macht man blöde Fehler und das muss man natürlich vermeiden.“
Schöpf bläst zum „vollen Angriff“
Auch Schöpf bläst zum „vollen Angriff“. Acht Teams werden aus seiner Sicht um das Edelmetall mitfahren, neben den Deutschen auch die Paarungen aus dem italienischen Team, das sehr viel im Eiskanal trainiert hat. „Die kennen jeden Millimeter der Bahn. Aber auch Wendl/Arlt sind sehr heiß auf den Sieg.“
Die beiden Österreicher ergänzen sich gut, Schöpf schätzt an Gatt „seine Genauigkeit und seinen Ehrgeiz“. Und Gatt an Schöpf „seine Lockerheit und dass er alles entspannter sieht“. Er selbst tendiere eher dazu, zu streng zu sich zu sein. „Wir gleichen uns gut aus und haben uns über die letzten Jahre gut entwickelt.“
Steu/Kindl wollen Highlight in durchwachsener Saison
Steu/Kindl waren mit der bisherigen Saison trotz zweier Podestplätze im Weltcup nicht zufrieden, sind dennoch zuversichtlich. „Vielleicht haben wir es uns für Olympia aufgehoben. Wir sind Mitfavoriten auf eine Medaille, diese Rolle nehmen wir an“, sagte Kindl, der in den vergangenen Tagen einen wahren Rausch der Emotionen erlebte. Der Peking-Silbermedaillengewinner wurde in Cortina nur enttäuschter Achter im Einsitzer, tags darauf aber überraschend, weil um einiges zu früh, Vater einer Tochter.
Steu ist sich sicher, dass man im Winter noch nicht alles gezeigt habe, was man draufhabe. Wie groß der Vorteil der Italiener sein wird, werde man sehen. „Es ist technisch nicht die schwierigste Bahn. Da gehen viele ans Limit oder darüber hinaus. Es ist halt wichtig, genau den Punkt zu finden, nicht zu viel zu riskieren.“ Man habe sich die Bahn aber gut erarbeitet.