Rückkehr von Müller & Co? Matthäus: „Führt kein Weg dran vorbei“

Das DFB-Team erlebt gegen Spanien beim 0:6 in der Nations League ein historisches Debakel. Sky Experte Lothar Matthäus ordnet die Geschehnisse ein, spricht über die mögliche Rückkehr von Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng sowie die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw & Traineralternativen.

Lothar Matthäus über seine Sorgen mit Blick auf die EM: „Wir dürfen nicht nur das letzte Spiel betrachten, sondern nehmen wir mal die vergangenen 16. Da waren nur zwei Niederlagen dabei. Aber im Endeffekt ist die deutsche Nationalmannschaft seit der WM 2018 nicht mehr da, wo wir sie Jahre lang gesehen haben. Löw hat zwölf Jahre einen sensationellen Job gemacht. Und dann kam das frühe Aus bei der WM, der Umbruch und dieser hat bislang noch nicht funktioniert. Dann kommen noch die Unruhen beim DFB dazu, die auch in den Köpfen sind. Beim DFB muss sich schnellstmöglich vieles ändern. Wir müssen Resultate erzielen und die Fans wieder auf unsere Seite bringen. Mit solchen Leistungen wie gegen Spanien vergrault man sie. Man hat gesehen, dass die Mannschaft sich nach dem Rückstand nicht aufgebäumt hat, sie hat nicht dagegen gehalten. Sie hat alle deutschen Tugenden, die uns über Jahrzehnte ausgezeichnet haben, vermissen lassen. Es war keine Einheit auf dem Platz, da war kein Anführer auf dem Platz, da war keine Emotion da. Es gab nur hängende Köpfe, keine Körpersprache. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich eine Mannschaft des DFB so hat abschlachten lassen.“

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Matthäus zum Umbruch: „Mannschaft liegt nicht im Soll“

Matthäus zum Umbruch: „Die Mannschaft liegt nicht im Soll. Auch schon gegen die Ukraine hatte sie defensiv Probleme. Der deutsche Fußball stand immer für Erfolg, für Halbfinale, Finale. Aber die letzten Spiele war das nicht drin. Andere Mannschaften sind uns da überlegen. Vielleicht hat man sich zu früh von erfahrenen Spielern, von Führungsspielern getrennt, die auch in schwierigen Situationen das Kommando übernehmen. Gegen Spanien war keiner da, der das Team geführt hat. Deshalb werden die Rufe nach Hummels, Müller und Boateng immer lauter werden.“

Comeback der Aussortierten? Matthäus: „Zeigt Größe“

Matthäus zu einer Rückholaktion der Ausgebooteten: „Löw würde sein Gesicht nicht verlieren. Er hat es ohne die drei erfahrenen Spieler probiert. Wenn man jetzt zur Erkenntnis kommt, dass es mit den jungen Spielern noch nicht so funktioneirt, wie man sich das vorstellt, dann muss man eben auch mal zum Telefon greifen und in München und Dortmund anrufen und sich mit den Aussortierten austauschen. Meiner Meinung nach zeigt das auch Größe. Man kann auch als Trainer Fehler machen. Da muss man eben auch einmal zurückrudern. Man darf sie aber nicht einfach nur zurückholen, sondern muss sie dann auch als Führungsspieler stützen. Gegen Spanien war nicht nur die Defensive das Problem. Auch das Pressingverhalten war nicht vorhanden. Thomas Müller macht das, gibt die Kommandos beim FC Bayern. Das sind Dinge, die gestern bei der deutschen Mannschaft über 90 Minuten gefehlt haben.“

Matthäus über Löw als Spielerentwickler: „Die Entwicklung hat nicht so stattgefunden, wie er sich das vorgestellt hat. In den letzten Spielen war viel Sand im Getriebe. Er glaubt an diese Qualität, aber diese ist einfach nicht so groß, dass die Erwartungen, die er selbst an diese Mannschaft stellt, erfüllt werden können. Es sind zu viele Spieler dabei, die mit sich selbst zu kämpfen haben und nicht das Niveau haben, den Unterschied auszumachen. Deswegen wird meiner Meinung nach kein Weg daran vorbeiführen, Hummels und Co. wieder zurückzuholen. Dieser Spieler konnte er einfach nicht ersetzen.

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Matthäus: „Dinge, die ein Trainer zu verantworten hat“

Matthäus zur Trainerdiskussion: „Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, aber sie ist angebracht. Irgendwo kommt er nicht mehr so an die Mannschaft heran, seine Schachzüge funktionieren nicht so wie gewünscht. Er hat gestern in einer Viererkette gespielt, ich sage aber schon seit Monaten, dass ich diese Mannschaft eher mit einer Fünferkette sehe, weil man viele Probleme defensiv hat. Gestern hat man aber auch in der Offensive keine Akzente gesetzt. Das ist viel zu wenig. Das sind alles Dinge, die ein Trainer zu verantworten hat. Natürlich würde ich jetzt vor dem Turnier nicht mehr alles ändern, aber mit den Ergebnissen des Turniers muss er sich auseinandersetzen. Und wenn die nicht stimmen, dann muss der DFB ganz klar nachdenken, ob man noch mit dem Trainer Löw zur WM 2022 fliegt.“

https://www.skysportaustria.at/die-mannschaft-von-loew-wurde-zunichte-gemacht-pressestimmen-zu-spanien-vs-deutschland/

Matthäus über Flick, Klopp, Rangnick & Kuntz

Matthäus zu den Trainer-Alternativen: „Es gibt Alternativen, aber die stehen bei Vereinen unter Vertrag. Hansi Flick kennt den DFB in und auswendig. Dann ist da noch Jürgen Klopp. Jeder liebt ihn. Er könnte mit seiner emotionalen Art die Spieler erreichen. Es tut sich aber keiner zur Zeit an, weil sie auch die Schwierigkeit sehen – generell beim DFB. Wie gesagt: Wenn es schlecht laufen sollte bei der EM, ist Löw nicht mehr zu halten. Und wenn es super laufen sollte, sollte sich Löw vielleicht Gedanken machen, im Zeitpunkt des großen Erfolgs aufzuhören.“

Matthäus über Rangnick und Kuntz als mögliche Löw-Nachfolger: „Ralf Rangnick mit seiner Erfahrung wäre auf jeden Fall eine Alternative. Er hat in seiner Vita vieles vorzuweisen und auf Schalke, bei Leipzig und Hoffenheim gezeigt, dass er Mannschaften entwickeln kann. Stefan Kuntz macht bei der U21 einen guten Job. Es wäre eine Experiment mit ihm.“

Bild: Getty