Russell feiert Start-Ziel-Sieg in Spielberg
Die Durststrecke endet in der Hitze von Spielberg: George Russell hat unbeirrt von spektakulären Duellen seiner Verfolger endlich seinen zweiten Saisonsieg gefeiert und sich im Kampf um den WM-Titel zurückgemeldet.
Fast vier Monate nach dem erfolgreichen Saisonauftakt in Melbourne gewann Russell den Großen Preis von Österreich, überhaupt scheinen die Kräfteverhältnisse neu durchmischt: Max Verstappen trumpfte im runderneuerten Red Bull groß auf und wurde Zweiter, Spitzenreiter Kimi Antonelli komplettiert das Podium – und Lewis Hamilton kassierte nach dem jüngsten Aufschwung einen Rückschlag, der Ferrari-Star wurde nur Fünfter.
Russell ist damit wieder Zweiter in der Gesamtwertung und hat nur noch 40 Punkte Rückstand auf seinen Teamkollegen Antonelli. Der Brite fuhr am Start davon und hielt die Konkurrenten danach auf Distanz. Für Hamilton gab es zwei Wochen nach dem ersten Sieg im Ferrari wenig zu holen, Grund war eine fragwürdige Strategie der Scuderia.
Für Russell war es der zweite Erfolg in diesem Jahr, auch beim Auftakt in Australien hatte der 28-Jährige gewonnen. Sieben Siege hat das dominante Team Mercedes 2026 geschafft. „Yabadabadoo“, jubelte Russell in Fred-Feuerstein-Manier noch in seinem Auto und fügte wenig später hinzu: „Jetzt bin ich ein bisschen durstig.“ Lob gab es sofort von Mercedes-Teamchef Toto Wolff: „Gut gemacht, George.“ Insgesamt hält Russell nun bei sieben Grand-Prix-Siegen in seiner Karriere. „Es ist schon eine Weile her, daher werde ich diesen Sieg heute Abend auf jeden Fall genießen“, erklärte er.
Russell: „Haben zurück in die Spur gefunden“
Hitzeschlacht in der Steiermark
Einen Schlüsselfaktor sahen die Teams in den hohen Temperaturen von rund 35 Grad. „Es wird eine harte Nuss heute für Mensch und Maschine“, sagte Hülkenberg vor dem Rennstart bei Sky. „Das ist wahrscheinlich das heißeste, was ich in den letzten Jahren erlebt habe“, sagte auch Polesetter Russell: „Jeder wird Probleme haben.“ Besonders die Reifen litten bei Asphalttemperaturen über 50 Grad.
Als die Ampeln ausgingen, knüpften die ersten Runden an das spektakuläre Qualifying am Samstag an. Russell blieb souverän an der Spitze, dahinter lieferte sich Leclerc ein enges Duell mit Teamkollege Hamilton. Der Monegasse verlor erst den zweiten Platz – und rutschte dann weiter auf Platz fünf ab.
Verstappen ging als großer Gewinner der Startphase hervor. Nachdem er im runderneuerten Red Bull im Qualifying wiedererstarkt, aber auch gecrasht war, düpierte er sowohl Leclerc als auch Antonelli innerhalb von drei Kurven und schob sich auf Platz drei vor. In Runde elf duellierte sich Verstappen hart mit Hamilton, der Rekordweltmeister behielt im Ferrari zunächst die Oberhand, ehe er zwei Runden später als erster Top-Pilot an die Box kam.
„Am Ende ein paar mehr Probleme“: Verstappen dennoch zufrieden
Nach einem kürzlich erfolgten Update am Auto ist mit dem 28-jährigen Verstappen offensichtlich wieder zu rechnen. „Max und Red Bull waren an diesem Wochenende unglaublich schnell, also ein großes Lob an sie“, sagte Russell. „Ich musste in jeder einzelnen Runde alles geben, denn ich wusste, wie schnell die Jungs hinter mir waren.“ Verstappen selbst meinte: „Ehrlich gesagt glaube ich, dass das Auto eine Hälfte des Rennens ziemlich gut gelegen ist, dann hatten wir ein paar Probleme.“ So knapp hinter dem Sieger Zweiter zu werden, mache ihn aber „sehr glücklich“.
Antonelli gestand, in den ersten paar Runden „etwas zu nervös“ gewesen zu sein. „Ich bin nicht gut gefahren, mir sind ein paar Fehler zu viel unterlaufen. Aber nachdem ich die Reifen gewechselt hatte, habe ich mich neu sortiert und das Tempo war gut“, sagte der 19-Jährige.
Ferrari mit fragwürdiger Strategie
Bis dahin hatte die Hitze schon die ersten Fahrer um ihr Rennen gebracht. Cadillac musste sowohl Valtteri Bottas als auch Sergio Perez mit brennenden Bremsen in die Box rufen.
Nachdem auch Verstappen an der Box war, nahm der Zweikampf mit Hamilton wieder Fahrt auf – in der 22. Runde mit dem besseren Ende für den Niederländer. Hamiltons Rennen wurde dann auch durch einen Strategiefehler erschwert. Während alle Top-Teams auf eine Zwei-Stopp-Strategie mit den härteren Reifenmischungen setzten, schickte Ferrari Hamilton zwischenzeitlich auf weichem Gummi wieder raus. Hamilton machte drei Stopps und fiel zurück.
Vorne pirschte sich Verstappen Stück für Stück bis auf 1,5 Sekunden an Russell heran, näher kam er dem Sieger aber nicht mehr.
