Rybakina am Gipfel: „Das Aufwachen wird unglaublich sein“
In kaltblütiger Manier hat Jelena Rybakina am Sonntag bei den US Open Aryna Sabalenka entthront. „Es fühlt sich unglaublich an“, sagte die neue Nummer eins der Tenniswelt aus Kasachstan. „Das Aufwachen am Montag wird unglaublich sein.“ Kein Morgen gab es hingegen für Sabalenkas Schläger, der von seiner Besitzerin zertrümmert wurde. Sie war 99 Wochen an der Spitze gewesen, nimmt ihr Rybakina auch diese Marke ab? „Wenn sie weiter so spielt, dann bin ich in Schwierigkeiten.“
„Es ist immer noch schwierig, zu verarbeiten, was passiert ist. Es sind zu viele Erfolge in wenigen Wochen“, erklärte die 27-jährige Gewinnerin. Diese Erfolge sind eng verbunden mit ihrer Finalgegnerin. Mit dem hart umkämpften 6:4, 5:7, 6:2 gegen Sabalenka sicherte sich Rybakina ihren ersten Titel beim Grand-Slam-Turnier in New York und löste die Weißrussin an der Spitze der Liste ab.
Mit leerem Blick verfolgte Sabalenka, wie ihre Dauerrivalin bei der Siegerehrung den Scheck über das Rekordpreisgeld von 5,5 Millionen US-Dollar (4,74 Millionen Euro) erhielt. „Genieß es“, sagte die 28-Jährige zu Rybakina, nachdem sie ihren Schläger zerhackt und eine Kamera mit unflätiger Beleidigung verscheucht hatte. In ihrer Rede fing sie sich wieder und riet ihrer Gegnerin augenzwinkernd: „Hab Spaß heute, morgen und bis zum Ende der Saison, so dass ich auch ein paar Titel gewinnen kann.“
„Spornen uns zu Höchstleistungen an“
Schon bei den Australian Open hatte Rybakina im Finale gegen Sabalenka triumphiert, zum 18. Mal standen sie sich nun bereits gegenüber. Das Dauerduell könnte das Frauentennis auch in den kommenden Jahren bestimmen. „Ich habe das Gefühl, dass wir uns in solch harten Kämpfen gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen“, sagte Rybakina.
So sehr beide derzeit auf ähnlichem Top-Niveau agieren, so unterschiedlich ist doch das Auftreten abseits des Sportlichen. Während Sabalenka gerne auffälligen Schmuck trägt, stets zu Scherzen aufgelegt ist und sich auch schon einmal mit Journalisten anlegt, scheint Rybakina der Rummel eher fremd zu sein. Mit stoischer Ruhe ließ sie auch über sich ergehen, dass zwei Mitglieder ihres Teams bei den Siegerfotos immer wieder an ihren Haaren herumzerrten.
Umstrittener Trainer als Erfolgsfaktor?
Aus diesem Team hat die frühere US-Open-Siegerin und Ex-Weltranglistenerste Lindsay Davenport den umstrittenen Trainer als wichtigen Faktor für den aktuellen Erfolg ausgemacht. „Alles hat sich für Rybakina geändert, nachdem Stefano Vukov wieder in ihr Camp durfte“, sagte die Amerikanerin im Tennis Channel.
Anfang des vergangenen Jahres hatte die Profi-Organisation WTA den Kroaten wegen Verstößen gegen den Verhaltenskodex gesperrt. Einem Bericht von „The Athletic“ zufolge soll Vukov seine Autorität gegenüber Rybakina missbraucht und ihr Wohlbefinden gefährdet haben. Die Spielerin wies die Vorwürfe gegen ihren Coach zurück und erklärte, er habe sie nie missbräuchlich behandelt. Auch Vukov bestritt, gegen den Kodex verstoßen zu haben. Sein Einspruch gegen die Sperre hatte im August 2025 Erfolg. Er heuerte wieder im Team von Rybakina an.
Und seitdem läuft es sportlich für die Kasachin. Ende der vorigen Saison triumphierte sie bei den WTA Finals, holte den Grand-Slam-Titel in Melbourne, gewann auch das Turnier in Stuttgart und steigt nun zur neuen Nummer eins auf. „Ich habe ein großartiges Team, großartige Menschen um mich“, schwärmte Rybakina am Samstag.
