Saison der Comebacks startet in Sölden
Mit je einem Riesentorlauf für Frauen und Männer läutet Sölden an diesem Wochenende wieder den Ski-Weltcup-Winter ein.
Die Ötztal-Gemeinde ist heuer quasi ein Vorort von Saalbach, wo im Februar 2025 die WM stattfindet. Mit insgesamt 75 Weltcup-Rennen ist das Programm weiterhin dicht. Der ÖSV will der Supermacht Schweiz Paroli bieten, dazu befeuern die Comebacks von Lucas Braathen und Marcel Hirscher das Interesse. Das Finale steigt Ende März in Sun Valley in den USA.
Erstmals seit Schladming 2013 findet wieder eine Alpin-WM in Österreich statt. Damals holte Hirscher am Abschlusstag im Slalom die einzige Einzel-Goldmedaille für Österreich. Dieses Mal will der Salzburger nach einem Nationenwechsel für die Niederlande, das Heimatland seiner Mutter, angreifen. Sein Weltcup-Comeback mittels Wildcard ist gefühlt die größte Geschichte vor den ersten Rennen am Samstag und Sonntag (jeweils 10.00 und 13.00 Uhr) in Sölden. Dabei gäbe es allerhand zu erzählen.
Auch Braathen gibt in Sölden Comeback
Etwa über den übermächtigen Schweizer Marco Odermatt, der im vergangenen März als erster Athlet seit Hermann Maier vier Kristallkugeln gewann. Über die Rückkehr des charismatischen Lucas Braathen, der genau ein Jahr nach seinem Ausstieg beim norwegischen Team als Brasilianer Samba tanzen will. Oder über Mikaela Shiffrin, die – sofern nichts Unvorhersehbares dazwischenkommt – als erste Person die symbolträchtige Marke von 100 Weltcup-Siegen erreichen wird. „Ich werde mein Bestes dafür versuchen“, sagte die US-Amerikanerin, die bei 97 Siegen hält. Ihre Landsfrau Lindsey Vonn (40) arbeitet daran, mit einem künstlichen Kniegelenk zumindest als Vorläuferin wieder in den Ski-Zirkus einzusteigen.
Angesichts dieser Dichte an Stars und Storys stehen die österreichischen Asse wie Manuel Feller etwas im Schatten. Dabei würde die Performance in den Trainings passen, wie Alpinchef Herbert Mandl verriet. „Man sieht, dass sie in Übersee sehr gut trainieren haben können.“ Marco Schwarz verpasst zumindest die ersten Rennen nach einer Bandscheiben-OP, womit er nicht alleine ist: Auch Petra Vlhova, Sofia Goggia, Nina Ortlieb oder Corinne Suter sind wegen Verletzungen aus der Vorsaison noch nicht fit. Aleksander Aamodt Kilde wird aufgrund seiner arg lädierten Schulter überhaupt kein Rennen in dieser Saison bestreiten können.
Starke Belastung durch vollen Terminkalender
Sie alle mussten den extremen Belastungen durch einen brutal engen Terminkalender Tribut zollen. Auch heuer gibt es keine wirkliche Entzerrung, von Ende November geht es im Nonstop-Takt durch bis zum 27. März. „Ich fühle mich da immer wie ein kopfloses Huhn, das wild herumläuft und immer zu spät für alles ist“, sagte Shiffrin über die besonders intensive Zeit im Jänner und Februar. Immerhin wurden die ungeliebten Klassiker-Doppel etwa in Kitzbühel, Wengen und Alta Badia gestrichen. Um Verletzungen entgegenzuwirken, ist in den Speed-Disziplinen der Einsatz eines Spezial-Airbags unter dem Anzug ab sofort verpflichtend.
Zum Abschluss macht der Weltcup noch in Sun Valley im US-Bundesstaat Idaho Station, wo erstmals seit 1977 wieder in diesem Rahmen Rennen stattfinden. Weitere Orte, die ihre Comebacks im Kalender geben, sind bei den Männern Hafjell (zuletzt 2003) und bei den Frauen La Thuile (2020).
Odermatt-Dominanz wie in den vergangenen Jahren?
Ob der Gesamtweltcup bis zum Finale offen bleibt, ist fraglich. Bei den Männern war die Dominanz von Odermatt zuletzt so groß, dass alles früher entschieden war. Die Rivalen Schwarz und Kilde sind verletzt und fallen als Anwärter aus. Jemand wie der Franzose Cyprien Sarazzin, der im Vorjahr vier Speed-Events gewann, ist aufgrund des Technik-Überhangs (21 Slaloms und Riesentorläufe gibt es, aber nur 17 Abfahrten und Super-G) benachteiligt. Odermatt selbst sieht in seinem Teamkollegen Loic Meillard seinen größten Widersacher.
Bei den Frauen siegte 2023/24 ebenfalls ein Mitglied des Teams Swiss Ski (fast) auf ganzer Linie: Lara Gut-Behrami kürte sich mit 32 Jahren zur ältesten Gesamtweltcupsiegerin der Geschichte und heimste auch die Riesentorlauf- und die Super-G-Kugel ein. Jene für die Abfahrt schnappte ihr im letzten Rennen die Steirerin Cornelia Hütter weg. Heuer wird sich Gut-Behrami voraussichtlich mit Shiffrin um das große Kristall duellieren. Shiffrin lässt neuerdings die Abfahrt weg, Gut-Behrami schon längst den Slalom.
(APA) / Bild: GEPA
