Saisonauftakt in Ruka mit vielen Veränderungen
Eiskalte Temperaturen, Winter-Landschaft und somit auch gleich ein Weltcup-Feeling – auf Ruka ist Verlass. In Nord-Finnland herrschen zum Auftakt der Saison der Nordischen Kombinierer und Skispringer eisige Temperaturen um minus 17 Grad, am Wochenende soll es nur unwesentlich wärmer werden. Während also auch klimatisch gesehen in Ruka alles beim Alten ist, ändert sich in Sachen Reglement in den nordischen Disziplinen in dieser Zwischensaison einiges.
Besonders bei den Kombinierern tut man alles, um den Sport zu modernisieren und auch im Hinblick auf einen Verbleib im Olympia-Programm attraktiver zu machen. Einerseits durch den neu eingeführten Kompakt-Bewerb, bei dem es je nach Platzierung nach dem Springen nun fixe Zeitrückstande gibt, andererseits auch durch eine neue Punktevergabe: Statt den Top 30 bekommen nun die Top 40 Weltcupzähler und die Aufteilung unter den Top 3 liegt nun enger beisammen (Sieg 100, Zweiter 90, Dritter 80 Punkte).
Neu gibt es – wie für die Spezialspringer – auch einen Bodyscanner, der nun weit exaktere Messungen auch im früher etwas vager gemessenen Schritt-Bereich ermöglicht. Diesbezüglich gab es im vergangenen Sommer „Nullmessungen“, bei denen die Athleten nur in Unterwäsche antreten mussten.
Fluorwachs-Verbot sorgt für Diskussionen
Ein ganz großes Thema ist freilich auch das Fluorwachs-Verbot. Bei den Skispringern werden die Überprüfungen erst nach dem Bewerb vorgenommen, im Langlaufbereich davor und danach. Erst Ende Oktober legte die FIS wegen Spekulationen um mögliche Kontaminationen der Ski in der Loipe fest, dass Messungen nach dem Bewerb nun einen Wert von höchstens 1,8 erreichen dürfen. Dies gilt vorerst bis Ende des Jahres. Jeder Wert darüber führt zu einer Disqualifikation. Für vor dem Bewerb getestetes Skimaterial im Langlauf und Nordischer Kombination, wenn mögliche Kontamination ausgeschlossen werden können, bleibt der Wert bei einem Maximum von 1,0.
In der ÖSV-Mannschaft rund um Gesamt-Weltcup-Titelverteidiger Johannes Lamparter hat man ein eigenes Testgerät mit, um die Ski zu prüfen. Nach dem Langlauf-Rennen werden die Top 3 sowie drei per Zufallsprinzip gewählte Athleten-Ski kontrolliert.
Vorfreude bei Lamparter
Lamparter freut sich wie der Rest des Teams, das ohne den erkrankten Lukas Greiderer angereist ist, auf den Saisonstart. „Das Wochenende bietet sehr viel Programm mit vielen verschiedenen Formaten, das wird sicher ein cooler Saisonstart“, meint der Tiroler.
Aus seiner Sicht ist dank des Kompakt-Formats das Programm nun mit Biathlon vergleichbar. „Da hat man auch viele verschiedene Chancen hat, vorne dabei zu sein. Nun gibt es einen Wettkampf, der Lauf-lastiger ist, einen normalen, und einen, bei dem die Springer einen Vorteil haben.“ Lamparter wünscht sich, dass es einen solchen Mix an mehreren Weltcup-Wochenenden gibt. Die Vorbereitung sei gut gelaufen. „Die Sprünge am Bergisel haben mich sehr positiv gestimmt.“ Als Titelverteidiger dürfe er nun „zumindest noch einmal als Letzter oben stehen“. Doch erst nach dem Wochenende werde er sagen können, wo er steht.
Mit im Team ist u.a. auch Franz-Josef Rehrl, der auch die Tücken der großen Schanze in Ruka gut kennt. „Sie ist auch eine Challenge. Sie hat einen schnellen Anlauf mit einem kurzen knackigen Tisch mit einem extremen Radius.“ Auch der Schladminger begrüßte das neue Rennformat. „Wir brauchen eh unbedingt ein bisserl Veränderung drinnen.“
Rettenegger jagt ersten Podestplatz
Der aufstrebende Stefan Rettenegger hat sich seinen ersten Weltcup-Podestplatz für die kommende Saison zum Ziel gesetzt. „Letztes Jahr war ich schon einmal Fünfter. Es wäre cool, wenn ich heuer das Podest schaffen würde. Das muss nicht gleich beim Weltcupauftakt funktionieren, aber schön wäre es natürlich.“
Nicht mit von der Partie ist vorerst Cheftrainer Christoph Eugen. Nach dem tragischen Tod seiner Ehefrau reist er aktuell nicht mit dem Weltcuptross mit, da er sich auch um seinen elfjährigen Sohn kümmern muss. In der Ramsau soll der langjährige Coach dabei sein. Inzwischen übernimmt Christoph Bieler das Zepter und wird von Jochen Strobl und Pressemann Clemens Derganc auch organisatorisch unterstützt.
(APA) / Bild: GEPA