Salzburg steigt nach Signal im Titelrennen auf die Bremse
Ausgelassen zelebrierten Salzburgs Fußballer ihren zuletzt seltenen Prestigesieg gegen den Rivalen. Durch den 3:1-Heimerfolg gegen Sturm Graz sorgten die Bullen für Spannung im Titelrennen, wollten nach schwierigen Wochen und Monaten von einem Statement-Sieg aber wenig wissen. „Um ein Statement geht es gar nicht“, meinte Thomas Letsch. Den Trainer freuten vielmehr Siege gegen die „zwei Topmannschaften“ Austria und Sturm. „Das zeigt, dass wir wieder auf einem guten Weg sind.“
Rouven Schröder ballte noch beim Eintreffen in den Arena-Katakomben die Fäuste und herzte im Anschluss den Premierentorschützen Karim Onisiwo. Dann aber stieg auch der seit Dezember in Salzburg tätige Sportdirektor verbal auf die Euphoriebremse. „Wir sind gut beraten, sehr demütig zu sein. Wichtig ist einfach, dass wir als Gruppe zusammenstehen, in Höhen wie in Tiefen“, sagte Schröder. „Sturm Graz ist immer noch Erster und wir sind dementsprechend dahinter. Lass uns mal schön bescheiden bleiben, wir wollen auf dem Platz dann die Ansagen machen.“
Schröder: „Wenn wir so weiterspielen, sind wir im Meisterrennen“
Mit ihrem erst in der zweiten Hälfte überzeugenden Auftritt drehten die Salzburger die Schlagerpartie – und machten aus virtuell bereits zwölf Punkten Rückstand sechs. Noch zwei Runden sind zu spielen, ehe die Punkte für eine wohl eng umkämpfte Meistergruppe geteilt werden. „Dann geht ein neuer Wettbewerb los“, erinnerte Letsch zufrieden, nachdem er den Erfolg gewissermaßen eingewechselt hatte.
Salzburger Energie
„Joker“ Adam Daghim stach als Assistgeber bei allen drei Toren von Yorbe Vertessen (72.), dem ebenfalls eingewechselten Dorgeles Nene (84.) und Karim Onisiwo (87.). Plötzlich kam auch in die von 11.363 Zuschauern besuchte Red Bull Arena Betrieb. „Das war klasse, da war etwas zwischen den Zuschauern und uns, da war Energie. Dieser Teil ist sehr viel wichtiger als irgendwelche Statements“, sagte Letsch. Im siebenten Spiel seiner noch kurzen Ära erzielten die Salzburger erstmals mehr als einen Treffer.
„Zweite Hälfte war klasse“ – Letsch nach Sieg zufrieden
Das 1:0 bei der Wiener Austria und nun der Comeback-Sieg gegen Sturm brachten neues Vertrauen in Salzburg zurück. Letsch erinnerte gleichwohl, dass man das gute Level bisher noch nicht über 90 Minuten habe zeigen können. Alexander Schlager forderte von der jungen Mannschaft, nun am Boden zu bleiben. „Jetzt heißt es arbeiten, arbeiten, arbeiten und diesen positiven Drive und das Publikum mitnehmen, um eine Euphorie zu erzeugen. Auf diesem Weg sind wir und davon lassen wir uns nicht abbringen“, sagte der ÖFB-Teamgoalie.
Grazer Einbruch
Sturm indes entglitt die Partie nach Pausenführung noch komplett. Ab Mitte der zweiten Hälfte stand die Elf von Jürgen Säumel auf verlorenem Posten. „Es war nach dem Sieg gegen Blau-Weiß Linz nicht alles positiv und ich sehe auch jetzt nicht alles negativ“, sagte der Trainer nach dem Tiefschlag und erinnerte an den Umbruch, der in den vergangenen Monaten in Graz stattgefunden hat. „Es braucht einfach Geduld. Wir stehen nicht über den Dingen und müssen uns alles hart erarbeiten.“
Sturm-Trainer Säumel: „Ist viel zu einfach gegangen“
Die Ausbeute im Frühjahr ist mit vier Punkten aus vier Liga-Spielen mager. Die Torbilanz in den letzten 20 Minuten lautet 0:6. Den Rückfall am Sonntag erklärte Säumel im Wesentlichen mit erstarkten Salzburgern und kritisierte wie Kapitän Jon Gorenc Stankovic „zu einfache“ Gegentore. Innenverteidiger Emanuel Aiwu sagte: „Wir sind nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen.“ Sein Nebenmann Dimitri Lavalée war mit der zweiten Hälfte gar nicht mehr einverstanden. „Wir müssen unsere Mentalität und unser Verhalten ändern und als ein Team spielen“, forderte der Belgier vor dem anstehenden Stadtderby gegen den GAK. „Ohne Teamspirit können wir nichts erreichen.“
(APA)
Beitragsbild: GEPA
