Scheib kann kleine RTL-Kugel in Aare fixieren

Scheib kann kleine RTL-Kugel in Aare fixieren

Julia Scheib kann am Samstag (10.00/13.00 Uhr) den Sack zumachen. Die 27-jährige Steirerin kann in Aare für die erste Riesentorlauf-Weltcupkugel für Österreich seit zehn Jahren sorgen.

Scheib, die diese Saison bisher vier Weltcupsiege gefeiert hat, führt zwei Rennen vor Schluss 89 Zähler vor der Schweizerin Camille Rast und 131 vor der Schwedin Sara Hector. Es wäre nach einer Krisenzeit die erste RTL-Kugel für den ÖSV im Frauenbereich seit Eva-Maria Brem (2015/16).

„Natürlich ist es im Kopf, aber ich versuche mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Aufs Skifahren, auf meine Linie, das Gefühl für den Schnee zu finden. Dann hoffe ich, dass das zwei super Läufe werden von mir“, sagte Scheib am Freitag. In Aare sei sie immer sehr gerne. „Auch der Hang ist sehr cool, hoffentlich fahren wir wieder von ganz oben.“

Scheib will „Risikobereitschaft balancieren“

So sehr es sie freuen würde, die Kugel schon in Schweden zu klarzumachen, sieht sie es auch als einzelnes Rennen. „Ich werde schon schauen, dass ich meine Risikobereitschaft balanciere, trotzdem möchte ich wirklich eine starke Leistung zeigen.“ Wenn sie für Österreich Skigeschichte schreiben könnte, dann „wäre das was sehr Schönes. Jetzt ist es zum Greifen nah, von dem her versuche ich am Samstag alles reinzulegen.“ Sie selbst wisse nun sehr genau, dass man konstant über eine Saison ständig abliefern muss, wenn man so ein Ziel erreichen will. Darüber sei nur noch der Gewinn des Gesamt-Weltcups zu stellen. „Da braucht es schon eine starke Leistung, da wäre ich schon sehr stolz mich.“

Nach der Olympia-Enttäuschung habe sie Zeit für sich gebraucht. „Die Tage danach waren nicht einfach.“ Die Conclusio: Man könne in der Zukunft Sachen ändern, die nicht so gut gelaufen sind. Beim olympischen Riesentorlauf hatte sie nach einem Trainer-Funkspruch ihre Linie geändert, was sie wohl um eine Medaille gebracht hatte. Als Fünfte fehlten auf Silber nur 0,07 Sekunden.

Assinger optimistisch

Cheftrainer Roland Assinger ist zuversichtlich. „Eigentlich sehr realistisch, die Chancen stehen gut. Wenn sie ihre Hausaufgaben macht, und das zeigt, was sie kann, dann sollte sich das schon ausgehen.“ Und geht es sich in Schweden noch nicht aus, hat Scheib beim Weltcup-Finale in Lillehammer eine zweite Chance. Er selbst habe Scheib wegen der Speed-Wochenenden länger nicht gesehen, aber von seinem Trainerumfeld Gutes gehört. „Ich weiß, dass sie sehr gut drauf ist. Sie haben gut trainiert zu Hause, auch hier in Aare, es schaut ganz gut aus.“

Scheib sorgte in Sölden für Trendumkehr

Die RTL-„Baustelle“ bei den Frauen im ÖSV hatte jahrelang für negative Schlagzeilen gesorgt. Nach den beiden Riesentorlauf-Kugeln von Anna Fenninger (2014, 2015) hatte zuletzt Brem diese Spezialwertung gewonnen. Scheib erlöste den ÖSV am 25. Oktober in Sölden mit ihrem ersten Sieg, dem ersten für den ÖSV seit über neuneinhalb Jahren bzw. nach 79 sieglosen RTL-Rennen. Assinger ist sich bewusst, dass Scheib vieles überstrahlt.

„Die Genugtuung wäre sehr schön. Es hängt sehr viel von einer Athletin ab, sonst haben wir nach wie vor noch Nachholbedarf im Riesenslalom.“ Lichtblicke gebe es im Europacup. „Und auch eine Nina Astner, die heuer den Sprung in die Top 20 geschafft hat. Man sieht Fortschritte, aber die gehen mit kleinen Schritten.“

Shiffrin um Vorentscheidung

Im Slalom, der am Sonntag (09.30/12.30) ausgetragen wird, steht mit Mikaela Shiffrin die Gewinnerin der kleinen Kugel, schon zum neunten Mal, fest. Und doch werden alle Augen auf ihr ruhen, denn sie liegt auf Kurs Gesamt-Weltcupsieg Nummer sechs. Sechs große Kristallkugeln bei den alpinen Frauen hatte bisher nur Österreichs „Jahrhundert-Skisportlerin“ Annemarie Moser-Pröll gewonnen. Vor dem Technik-Double in Schweden und dem Weltcupfinale (vier Rennen) weist die US-Amerikanerin 125 Zähler Vorsprung auf die Deutsche Emma Aicher auf, die zwar in den vergangenen Wochen rasant aufgeholt hat, aber zuletzt zwei Patzer verzeichnet hatte.

Shiffrin, die am Freitag ihren 31. Geburtstag feierte, verbindet mit Aare auch besondere Erinnerungen. 2012 hatte sie dort ihr erstes Weltcuprennen gewonnen. Und vor drei Jahren avancierte sie dort mit ihrem 87. Weltcupsieg zur alleinigen Nummer eins der Bestenliste vor Ingemar Stenmark. Mittlerweile hat sie 108 Erfolge in der Tasche.

(APA)/Bild: GEPA