Scheiblehner: "Das Ziel sollte nicht sein, Zehnter zu werden"

Scheiblehner: „Das Ziel sollte nicht sein, Zehnter zu werden“

Heute vor einem Monat übernahm Gerald Scheiblehner das Traineramt beim GAK. Der gebürtige Linzer spricht im Sky-Interview über seine hungrige Mannschaft, den Liga-Zwischenstand sowie das Ziel, um einen Platz in den Top-6 mitzuspielen.

Sky: Gerald, Sie haben zu Wochenbeginn mit Ihrem Trainerteam die gesamte Mannschaft zu einer Grillerei eingeladen. Wo haben sich Ihre Jungs zuletzt hungriger gezeigt: auf dem Feld oder am Tisch?

Gerald Scheiblehner: Sie sind da wie dort sehr hungrig. Die Mannschaft hat am Montag schon einiges weggegessen, aber das hat sie sich nach dieser Startphase auch verdient. Wir haben sehr, sehr viel eingekauft und mussten dann sogar nochmals Nachschub holen. Es war ja nicht nur die Mannschaft dabei, sondern auch das Team der Geschäftsstelle sowie der Vorstand – rund 70 Leute in Summe, da ging schon eine Menge weg. Es war aber einfach einmal Zeit, sich nach den ersten dreieinhalb Wochen in einem gemütlichen Rahmen zusammenzusetzen, um sich auch abseits des Platzes noch besser kennen zu lernen.

Heute vor einem Monat haben Sie Ihr Amt in Graz-Weinzödl angetreten. Ist es mit zwei Siegen, einem davon im Cup, und zwei Remis bislang wie erwartet gelaufen oder doch besser?

Ich habe es mir in gewisser Weise schon erwartet, weil ich in der Mannschaft sehr viel Potenzial gesehen habe, auch wenn in den ersten Runden die Ergebnisse und Leistungen nicht gepasst haben. Wir haben gute Hebel gefunden, die auch Wirkung gezeigt haben. Wichtig war aber auch, dass die Mannschaft all das angenommen und auch entsprechend mitgezogen hat. Mit vier guten Ergebnissen hat sie sich belohnt.

Gerald Scheiblehner übernimmt als Cheftrainer beim GAK

Sie haben von Anfang an viel Wert auf Energie und Leidenschaft gelegt. Das sind ja Grundtugenden im Fußball. Warum waren die offenbar zuvor nicht ausreichend da?

Ich glaube, dass man das vielleicht erwartet. Es gibt aber viele Mannschaften, die vielleicht zu wenig Energie haben – vor allem über die gesamte Spielzeit. Man spricht ja immer vom Momentum, das man sich erarbeiten muss. Aber um ein Spiel auf deine Seite zu ziehen, brauchst du immer viel Energie. Das ist schon harte Arbeit, vor allem auch im Kopf. Das war in Summe sicher ein großer Hebel bei der Mannschaft. Man darf nicht vergessen, dass ein 0:8 (gegen den SK Rapid, Anm.) etwas mit einer Mannschaft macht. So ein Ergebnis ist schwer zu verarbeiten, es befinden sich ja auch viele junge Menschen in der Mannschaft. Da war ich schon überrascht, wie positiv die Mannschaft die gemeinsame Arbeit danach angenommen hat. Wir haben eine gute Basis geschaffen.

Sprechen wir über das Spielerische. Wie zufrieden sind Sie denn damit bislang?

Es ist immer die Frage, was man darunter versteht. Ich finde, man darf nicht nur davon reden, wie das Spiel mit dem Ball bei klarer Überzahl im Spielaufbau von hinten raus ausschaut. Für mich bedeutet Ballbesitz vor allem auch, wie viele Bälle ich in den gegnerischen Strafraum bekomme und zu wie vielen Abschlüssen ich komme. Da haben wir erfolgreich angesetzt. Deswegen bin ich mit dem Ballbesitz, so wie wir ihn definieren, schon sehr zufrieden. Wie ihn andere definieren, ist mir relativ gleichgültig.

Kommt nach dem guten Start unter Ihrer Leitung die Pause zum richtigen Zeitpunkt oder wäre es nicht schöner gewesen, gleich weiterzumachen?

Für die Mannschaft ist die Pause schon ganz gut, weil wir für unsere Spielidee eine extrem hohe körperliche und geistige Intensität benötigen. Nach der Pause warten mit Salzburg und Sturm zwei absolute Topgegner in der Liga. Da schadet es sicher nicht, ausgeruhter zu sein. Unser wohl einziger Vorteil gegenüber den beiden Teams ist, dass wir jetzt in der Liga-Pause auch fast alle Spieler bei uns haben und mit der ganzen Mannschaft arbeiten können.

Gegenüber der Kleinen Zeitung haben Sie betont, dass Sie es dem GAK immer zutrauen, Jäger der Top-6 zu sein. Was bedeutet das denn für die ersten Aufgaben nach der Pause?

Dass wir in jedem Fall daran glauben, ein Spiel gewinnen zu können– oder auch beide. Es gilt einen guten Plan zu haben. Aber der beste Plan wirkt nur dann, wenn ihn die Spieler auch umsetzen. Da geht es darum, dass die Spieler den Plan verstehen und es sich auch zutrauen, ihn umzusetzen. Dafür braucht es die gemeinsame Arbeit zwischen Trainerteam und Mannschaft. Bislang haben wir das Ganze auch gut hingebracht. Gegen Salzburg und Sturm wird es im Detail natürlich anders aussehen, weil wir individuell in gewissen Dingen unterlegen sind und das nur im Kollektiv kompensieren können. In einem Spiel ist aber immer alles möglich und da machen wir uns natürlich Hoffnungen, auch ein Highlight zu erleben.

Präsident René Ziesler sprach zu Saisonbeginn vom Ziel, mindestens einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Gehen Sie da nach Ihrem ersten Monat beim GAK inhaltlich mit?

Aus Vereinssicht ist ein einstelliger Platz das fundamentale Ziel. Aber als Sportler und Trainer musst du persönlich immer nach dem Maximum streben. Als ich den GAK übernommen habe, haben wir einmal alles darangesetzt, dass sich die Mannschaft stabilisiert. Am Ende ist es aber schon mein Ziel, dass wir um die Top-6 mitspielen. Wenn man sich die Liga anschaut, sieht man eine zweigeteilte Liga mit vier absoluten Top-Teams, dann kommen wahrscheinlich der WAC und die Wiener Austria noch ein kleines Stück vor dem Pool aus allesamt relativ gleich guten Mannschaften. Da gilt es dann das beste Team zu sein und manchmal auch gegen einen Großen zu punkten. Das müssen wir uns zutrauen.

Außenstehende würde eine Platzierung in den Top-6 am Ende aber wohl eher überraschen.

Es geht nicht ums Überraschen, sondern darum, dass man ein klares Ziel braucht. Man muss sich ambitionierte Ziele setzen. Wenn ich mir bei zwölf Teams das Ziel setze, Zehnter zu werden, würden wir am Ende mit diesem Platz vielleicht auch zufrieden sein, weil wir die Klasse gehalten haben. Als GAK muss man jedes Jahr zufrieden sein, wenn man in der Liga bleibt am Ende, aber das Ziel vor der Saison sollte nicht sein, Zehnter zu werden. Ich denke, unser Kader gibt es her, mitzuhalten und wenn wir gut performen, denke ich schon, dass wir – wie alle anderen – eine Chance haben, um den Strich mitspielen zu können.

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