Schiedsrichter-Professionalisierung? Ebner: „Nur das Geld macht dich zu keinem Profi“

Schiedsrichter Stefan Ebner war in der 192 Folge vom Sky-Podcast DAB | Der Audiobeweis zu Gast. Thema waren u.a. die Professionalisierung des Schiedsrichterwesens in Österreich.

…über den Lehrgang der FIFA-Schiedsrichter: „Man kommt ein bisschen ins Ungewisse, weil nicht nur ich da war, sondern auch andere UEFA-Schiedsrichter aus anderen Ländern. Da war der Vorteil, dass mit Harald Lechner noch ein anderer Österreicher dabei war, der sich fast schon väterlich um mich gekümmert hat. Das war sehr spannend, sehr viele Eindrücke. Von der Technik angefangen über die Bildqualität, was dort gezeigt wurde. Es hat Training am Spielfeld gegeben mit einem Videotest. Es war ein Live-Training unter Belastung. Das habe ich so das erste Mal gemacht, obwohl ich schon lange im Schiedsrichterwesen bin. Wenn du an der Spitze bist und die Möglichkeit hast, an der Spitze Kontakte zu haben, ist das schon etwas Besonderes. Gerade als junger Trainer.“

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…über das Schiedsrichterwesen in Österreich: „Wenn ich auf den UEFA-Kurs zurückblicke, war ich einer der wenigen vor Ort, der nicht semiprofessionell oder professionell arbeitet. Auch in Ländern, die in der UEFA-fünf-Jahres-Wertung deutlich hinter uns sind, haben sie professionelle Strukturen der Schiedsrichter, die beim Verband angestellt sind. Aus meiner persönlichen Sicht habe ich meinen Job zum 1. Mai wechseln müssen und arbeite mittlerweile auf selbstständiger Basis, weil es sich unterm Strich mit den ganzen Kursen der UEFA, den Spielen und den Turnieren nicht ausgeht.

…über Professionalisierung des Schiedsrichterwesens: „Nur zu sagen, ich gebe dir Geld und du bist jetzt Profischiedsrichter, macht dich nicht zu einem Profi. Es müssen auch Leute im Hintergrund arbeiten, die Coaches, die Beobachter. Stefan Messer macht das unentgeltlich. Der setzt sich in seiner Freizeit hin und analysiert mit mir die Spiele. Wer im Fußball würde das unentgeltlich machen? Ich verstehe, dass es eine Zeitfrage für Berufstätige ist. Viele machen das ehrenamtlich. Ich sage mal ganz frech, für diese Gage, die Robert Schörgenhofer für ein ganzes Wochenende bekommt, würden viele nicht einmal in den Bus zum Auswärtsspiel steigen.“

…auf die Frage, warum ein junger Mensch Schiedsrichter werden sollte: „Ich bin Schiedsrichter geworden, weil ich auf dem Fußballplatz groß geworden bin. Als Zehnjähriger habe ich die Schiedsrichter beobachtet und es hat mich fasziniert. Der Verein, in dem mein Vater Trainer war, hat mich mit vierzehn zum Schiedsrichter gemacht, weil ich ja sowieso immer da war. Siebzehn Jahre später habe ich es nicht einen Tag bereut. Es gibt definitiv Gründe. Man muss das Ganze mal gemacht haben, um zu wissen, ob es etwas für einen ist. Wir brauchen Nachwuchs. In Österreich funktioniert das momentan noch relativ gut. Es gibt aber Verbände, in denen nicht einmal gewährleistet ist, dass es in jedem Spiel im Unterhaus einen Schiedsrichter gibt. “

Bild: GEPA